Zerbst l Dicker Rauch breitet sich im Erdgeschoss der Bartholomäischule am Dienstagmorgen aus. Wenige Augenblicke später ertönen die Sirenen der Feuerwehr, die Richtung Schloßfreiheit unterwegs ist. Doch zum Glück brennt es nicht. Mit Theaterrauch wird ein Brand simuliert und eine Räumungsübung vorgenommen. Als die Kameraden mit drei Fahrzeugen und Blaulicht anrücken, haben Kinder und Lehrer bereits geordnet das Schulgebäude verlassen - und schauen sich das Spektakel aus sicherer Entfernung an.

"Uns beschäftigt vor allem die Frage, ob wir mit unserem Hubsteiger hier tätig werden könnten", erklärt der Zerbster Ortswehrchef Steffen Schneider. Schnell zeigt sich, die Frage ist berechtigt. Schon die Parksituation auf der Schloßfreiheit könnte die Anfahrt der Einsatzfahrzeuge behindern. Fahrzeuge und Kameraden gelangen lediglich durch ein Tor auf das Gelände. In der Hofmitte nimmt ein bepflanztes Rondell zusätzlich Platz weg. "Wir nehmen uns heute die Zeit, genau zu schauen, wie wir vorgehen müssen, um mit dem Hubsteiger tätig werden zu können", so Schneider. Sollten Kinder aus den oberen Etagen gerettet werden müssen, bliebe ohne den Einsatz dieser Technik die Nutzung tragbarer Leitern. "Die Hemmschwelle, diese zu betreten, ist höher als beim Hubsteiger. Daher wäre dessen Einsatz besser für alle Beteiligten", so Schneider. Bis zu acht Kinder haben im Korb Platz.

Und in der Tat. Mit etwas Rangieren fand das Einsatzfahrzeug samt Hubsteiger Platz auf dem Vorhof. Auch waren keine Äste im Weg, als der Korb probehalber auf Fensterhöhe der zweiten Etage zum sogenannten Anleiterpunkt an der Fassade gefahren und später im Hofbereich abgesetzt wurde.

"Wir wissen nun, dass wir im Ernstfall das Einsatzfahrzeug rückwärts auf das Gelände schieben werden, um das Rangieren zu vermeiden", nennt Steffen Schneider eine Erkenntnis. Des Weiteren zeigte sich, dass im Bereich der Baustelle am Amtsgericht ein Hydrant derzeit für die Einsatzkräfte nicht zugänglich ist.

Doch auch Schüler und Lehrer erhalten Hausaufgaben. Nicht alle Klassen nutzten den zweiten Rettungsweg, der ein Verlassen des Gebäudes möglich gemacht hätte, ohne durch den Rauch gehen zu müssen. Zum anderen war der Alarm in einigen Räumen des Schulgebäudes kaum hörbar. Entsprechend spät verließen diese Klassen das Gebäude. Im Falle eines Brandes kann dies verheerende Folgen haben. "Wir werden diesen Sachverhalt nun abklären", erklärte Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut, der mit dem Lehrer-Kollegium die Räumungsübung auswertete.