Stresow l Mittwochabend, 19 Uhr, Gemeindezentrum Stresow: Auf die Minute genau betritt Dennis Wesemann den großen Veranstaltungsraum. Schweigen. Hier wird sonst nie getagt. Doch der Ortschaftsrat ist extra umgezogen. Wegen der vielen Gäste. Der alte Ratsvorsitzende Reiko Voigt erklärt sich gegenüber den anderen Mitgliedern. Zwei Kameras sind auf ihn gerichtet. Scheinwerferlicht erhellt den freundlich angestrichenen Raum. Die Mikrofone der Radio-Redakteure sind scharf gestellt.

Dennis Wesemann nimmt Platz und zwinkert einem Gast in der hinteren Besucherreihe zu. Der trägt sein Haar genauso kurz wie Wesemann. Dazu trägt er ein schwarzes T-Shirt mit roter Aufschrift: "Blutzeugen". Eine rechtsextreme Band. Wesemann hingegen erscheint zu seiner ersten Sitzung im langärmligen hellblauen Hemd und Stoffhose. Hebt er seinen rechten Arm, um über die Tagesordnung abzustimmen, blitzen die dunklen Tätowierungen hervor.

Will Wesemann der neue Ortsbürgermeister von rund 130 Stresowern werden? Ja. Zumindest lässt er sich kurzzeitig zur Wahl aufstellen. Der zweite Neue im Rat, Norbert Müller, auch. Spontan rückt auch Reiko Voigt mit seiner Bewerbung um das Amt des Ortsbürgermeisters raus. Nachdem er erst verneint hatte. Dennis Wesemann wird laut: "Hast du keinen Arsch in der Hose, oder was?!" Und zieht seine Entscheidung zurück. Müller auch.

Voigt bekommt bei der Wahl drei Stimmen. Das ist keine Mehrheit. Und damit gibt es vorerst in Stresow gar keinen Bürgermeister. Der Vater von Dennis sitzt unter den Zuhörern. "Genau damit haben alle gerechnet", murmelt er. Die Fronten im Stresower Ortschaftsrat sind schon lange verhärtet. Auch ohne Dennis Wesemann. Ob vorher über den Umgang mit dem neuen Mitglied beraten wurde? Nein. "Das ist es, was ich hier anregen will, dass mehr miteinander gesprochen wird", sagt Frank von Holly. Er ist der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Möckern, zu der Stresow gehört. Dass Wesemann gewählt wurde, sei eben Demokratie. Mit 71 von 256 Stimmen. "Mehr muss man doch dazu nicht sagen", meint Ratsmitglied Voigt.

Genug Stimmen für zwei Sitze hätte Wesemann, für zwei Stimmen reicht es nicht. Er will sich gestern Abend nicht äußern, flüchtet vor den Kameras. Sein Vater gibt Interviews. "Ich habe Dennis nicht gewählt. Auch, damit dieser Medienrummel endlich vorbei ist." Stresow sei mal ein ganz normales Dorf gewesen.