Ein kleines Jubiläum feierte die Loburger Brennerei zur Internationalen Grünen Woche in Berlin. Firmeninhaber Erich Kullmann präsentierte sein Unternehmen zum zehnten Mal auf der Fachmesse. Kullmann nutzte die Möglichkeit, öffentlich auf ein Problem aufmerksam zu machen. Es geht um die Aufhebung des Branntweinmonopols für Deutschland.

Berlin. Die Loburger Brennerei zählt inzwischen zu den "alten Hasen" auf der Grünen Woche. Geschäftsführer Erich Kullmann präsentiert dabei nicht nur neue Spezialitäten für die Kenner von Kornbrand und Likören, sondern hat mit dem Auftritt der Loburger Jagdhornbläser eine besondere Tradition auf der Grünen Woche etabliert.

Für den überzeugten Anhalter ist die Grüne Woche vor allem auch ein Treffpunkt mit Politik und Verwaltung, den er konsequent nutzt. Im Mittelpunkt seiner Gespräche stehen in diesem Jahr die Konsequenzen des 2013 auslaufenden Branntweinmonopols in Deutschland. Für Kullmann und sein Unternehmen bedeutet diese Entscheidung wahrscheinlich eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Aktuell gehen bis zu 90 Prozent seiner Alkoholherstellung, der fast ausschließlich aus regionalen Produkten erzeugt wird, zur Weiterverwendung in die Industrie und etwa 10 Prozent in die Herstellung hochwertiger Spirituosen.

Noch wird das Alkoholbrennen staatlich gestützt. Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein zahlt den Brennereien einen kostendeckenden Preis für einen reinen Liter Alkohol, der zwischen 80 Cent und 1 Euro liegt. "Damit können wir den Bauern, die uns mit Kartoffeln und Getreide beliefern, einen guten Preis zahlen." Der reine Alkohol geht an die Verwertungsstelle in Wittenberg, von wo aus der Vertrieb an die Industrie – zum Beispiel die Pharma- oder Lebensmittelbranche – abgewickelt wird.

Doch die Europäische Union sieht in dieser deutschen Eigenart direkte Beihilfen. Die Subventionierung verstößt gegen EU-Recht und muss daher aufhören. Ein erster Ausstiegstermin für 2010 wurde für Kartoffel- und Getreidebrennereien auf 2013 verschoben, für Obstbrennereien ist der Ausstieg für 2017 angezeigt.

"Wir müssen uns jetzt neu aufstellen", erklärte Erich Kullmann auf der Grünen Woche. Und er fand Gehör bei der Politik. Im Rahmen des Sachsen-Anhalt-Tages hatte sich die Politprominenz des Landes auch an seinem Stand eingefunden. "Ich habe auf das Problem aufmerksam gemacht. Derzeit sehe ich drei Möglichkeiten, wie es für die Brennereien und für mein Unternehmen weitergehen kann", so Kullmann.

Der denkbar schlechteste Fall wäre, den Geschäftszweig Industriealkohol für die Loburger Brennerei zu streichen und sich nur noch auf den Veredlungsprozess zu konzentrieren. Denn auf dem freien Markt kostet der Liter Alkohol nur 50 bis 55 Cent. Damit kämen aus der Loburger Brennerei nur noch hochwertige Spirituosen.

Möglichkeit zwei ist aus Kullmanns Sicht, die Produktion auf Biogetreide umzustellen. Denn die Alkoholerzeugung in landwirtschaftlichen Betrieben – und aus landwirtschaftlichen Rohstoffen – soll weiterhin gefördert werden. Bio-Ethanol wäre damit ein absetzbares Produkt.

Zum dritten gebe es aus Sicht von Kullmann die Möglichkeit, die Verwertungsstelle in Wittenberg durch die Brenner des Landes weiter zu betreiben. Darüber hat Kullmann mit seinen Verbandskollegen und dem Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aikens auf der Grünen Woche gesprochen.

Neben diesem Thema hat Erich Kullmann aber auch das laufende Geschäft nicht aus den Augen verloren. "Umsatzmäßig läuft es bei uns sehr gut."

Eine für ihn interessante Vermarktungsstrategie ist die auf der Grünen Woche vorgestellte Marke "Made in Anhalt". "Ich habe mit Prinzessin Corinna von Anhalt, der Initiatorin der Marke, gesprochen und wir werden sicher ein Partner werden", zeigt sich Kullmann optimistisch.