Eine Tradition, die in vergangener Zeit selbstverständlich war, ist heute ein seltenes Hobby geworden: das Erntekronenbinden. Die Landfrauen des Kornmuseums in Nutha erhalten diese Tradition am Leben - obwohl es mittlerweile schon mehr Kunst geworden ist.

Nutha l Der ganze Vorraum des Kornmuseums ist überhäuft von großen Bündeln an Gerste. Das Getreide ist vor wenigen Tagen geerntet worden. "Alles per Hand, mit einer Sichel. So wie es früher auch gemacht wurde", erklärt Roswita Schrödter, Vorsitzende der Landfrauen in Nutha.

Seit vielen Jahren treffen sich die Frauen des Dorfes in dieser Gemeinschaft, um gemeinsam Erntekronen zu binden. Und jetzt gerade beginnt die heiße Phase, denn jetzt ist das Getreide auf den Feldern reif zur Ernte.

Die erste Gerste ist reif. "Und von vielen Bauern haben wir die Erlaubnis, uns etwas wegzunehmen", räumt Schrödter gleich Verdachtsgedanken aus dem Weg. In diesem Jahr hat sogar Baumschule Wiechmann aus Steckby den Damen angeboten, von ihm zu ernten. "Er hat roten Dinkel. Das hat man nicht sehr oft. Über solche Angebote freuen wir uns natürlich", sagt sie.

Neben dem Entgegenkommen bleibt aber immer noch die harte Arbeit der Ernte. Dafür holen die Landfrauen aus Nutha gerne ihren tiefen Blick heraus und schenken ihn ihren Männern, die dann für sie noch einmal die Sichel auf den Feldern schwingen. Doch allein kann nicht geerntet werden. Zwei Damen stehen in diesem Fall hinter einem der Männer. "Eine bündelt, die andere schnürrt", beschreibt Roswita Schrödter.

Dann wird alles ins Kornmuseum gebracht. Damit die Gerste optimal trocknet und auch die perfekte Form bekommt, wird jeder Stiel auf optimale Länge gebracht, dann in Fünfer-Sträußchen gebunden, um dann zum Trocknen aufgehängt zu werden. "Bei dieser Methode ist es wichtig, nur Stiele mit gleicher Ährengröße zusammenzubinden. Wenn sie dann verkehrt herum zum Trocknen aufgehängt werden, werden viele noch gerade, das ist das, was wir wollen, womit wir später am besten arbeiten können", erklärt die erfahrene Erntenkronenbinderin.

Ist diese aufwändige Vorarbeit für alle benötigten Getreidesorten erfolgt, wird das Grundgerüst der Krone aus Fahrradfelgen und Rundstahl gebaut. "Alles Handarbeit, auch der Rundstahl wird per Hand gebogen", betont Schrödter. Die vier Grundsäulen der Kronen werden mit Haferstroh umwickelt, um später besser das schmückende Getreide anbringen zu können, ohne dass es rutscht.

Erst wenn das alles erledigt ist, wird die Krone an sich schmückend gebunden. Drei bis vier Menschen werden dafür benötigt. "Wichtig ist aber, dass der, der angefangen hat zu binden, dann auch durchbindet", betont Roswita Schrödter, denn jeder hat seine eigene Bindetechnik. "Und den Unterschied würde man später sehen", weiß sie aus Erfahrung.

Zwei Neugierige waren gekommen, um beim einzigen öffentlichen Tag, den die Landdamen in diesem Jahr mit dem Erntekronenbinden organisieren, dabei zu sein. Aufmerksam lauschen sie den Ausführungen von Schrödter. Dabei binden sie die kleinen Fünfer-Sträußchen zum Trocknen.

Leider werden sie das Binden direkt nicht miterleben. Das wird natürlich erst kurz vor Abschluss der Ernte gemacht. "Mit einfachem Schmuck für das Ende der Ernte hat das bei uns aber nichts mehr zu tun, das ist schon sehr aufwändig, sehr kunstvoll", sagt die Landfrau etwas leiser.

Auch in diesem Jahr werden die Landfrauen mit ihrer Erntekrone am Landeswettbewerb teilnehmen. Schon sechs Mal haben sie hier den ersten Platz geholt. Ob sie sich in diesem Jahr auch wieder einen ersten Platz ausrechnen? "Wir werden uns wie immer bemühen, sauber arbeiten und ein neues Design haben. Und dann hoffen wir", sagt Roswita Schrödter lachend.

Wer das Kornmuseum kennenlernen will und auch einen Blick auf die Art und Weise der Trocknung werfen möchte, der kann dies bei allen Veranstaltungen des Kornmuseums. Nächste ist am 26. Juli - Thema: Korbflechterei.

   

Bilder