Mit dem Francisceum sowie den Kirchen St. Nicolai und St. Trinitatis hat Zerbst drei Stationen am Lutherweg. Morgen steht der Pilgerweg im Mittelpunkt des ersten Lutherwegtages in Dessau. Welche Rolle aber spielt er, spielt die Lutherdekade 2017 derzeit in Zerbst, der einst ersten reformierten Stadt in Anhalt, der ersten überhaupt nach Wittenberg?

Zerbst. Reformationsbäume zu pflanzen und Sonderdrucke mit der Lutherrose auf der Druckerpresse im Museum anzubieten, seit Eröffnung der Lutherdekade zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation 2017 ist das in Zerbst zur Tradition geworden.

Gleich dreifach ist Luther im vorigen Jahr nach Zerbst "zurückgekehrt". Museum, Francisceum und die Tourist-Information erhielten Figuren aus der Hörl-Installation auf dem Wittenberger Marktplatz.

Als Station am Lutherweg verzeichnet vor allem die Nicolaikirche bereits seit Längerem eine rege Besucherresonanz.

"Es ist ein Thema, das wir weiter intensiv bewerben müssen", sagt Viola Tiepelmann, Leiterin der Zerbster Tourist-Information und Präsidiumsmitglied der Lutherweggesellschaft. Bereits im Angebot ist eine spezielle Führung zum Thema "Zerbst – erste reformierte Stadt in Anhalt". Wichtig sei dabei, das es eine gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen an den verschiedenen Schauplätzen gebe. "Wir dürfen sie betreten, touristisch vermarkten", erklärt Viola Tiepelmann, dass es "sehr schön und durchaus nicht selbstverständlich ist, dass wir dafür zum Beispiel Kirchenschlüssel oder ähnliches erhalten".

Die Führung, die künftig auch in mehreren Sprachen im Angebot sein wird, führt zu den originalen Orten, die in Zerbst mit Luther und der Reformation verbunden sind. Nur am städtischen Museum "erzählen wir die Dinge von außen". Nicht nur wegen des gesonderten Eintrittspreises, sondern auch mit der Empfehlung, sich für die mittelalterlichen Räumlichkeiten und ihre Ausstellungsbereiche zur Reformationsgeschichte mehr Zeit zu nehmen.

Museumsdirektor Heinz-Jürgen Friedrich möchte künftig vor allem stärker auch junge Besucher für das Thema interessieren. "Wir wollen das Angebot des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) nutzen, das museumspädagogische Konzepte entwickelt", informiert er. Ungeachtet dessen vermisst Heinz-Jürgen Friedrich jetzt schon aus dem Gymnasium, wie das Museum in originaler Reformationsstätte ansässig, mehr Interesse am Thema. "Da ist noch ein riesiges Potential."

Besucher, die auf dem Lutherweg an den Weinberg kommen, können dort demnächst nicht nur Pilgerpässe erwerben, auch der entsprechende Stempel soll bald da sein.

Sonja Hahn, aus Garitz stammende Präsidentin der Lutherweggesellschaft, spürt "zunehmendes Interesse in den Kommunen und den Kirchengemeinden" an Luther und dem Lutherweg. Auch auf der kulturellen Ebene gebe es viele Veranstaltungsinitiativen. Und Angebote wie der Zerbster Flyer zum Lutherweg kämen dem Interesse entgegen, Städte- und Kulturtourismus mit dem Wandern, dem Pilgern zu verbinden.

"Aber es gibt auch noch viele Fragen an uns", so Sonja Hahn. Antworten auf ganz verschiedenen Ebenen möchte der morgige Lutherwegtag geben, soll auch "Ideenaustausch sein. Wir wollen die organisatorische Schiene stärken, helfen, inhaltlich zu arbeiten", blickt die Präsidentin auf einige Anliegen des Programms mit Vorträgen und Arbeitsgruppen. "In der Schlussrunde soll es auch darum gehen, welche Themen wir 2012 in den Mittelpunkt stellen."