Zerbst l Sie war eine von neun Akteuren bei der vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt und der Arbeitsstelle Niederdeutsch der Magdeburger Universität "Otto von Guericke" organisierten Veranstaltung "Mundartsprecherinnen und Mundartsprecher lesen und erzählen": Heidrun Franke aus Zerbst.

In der Einladung heißt es: "Sachsen-Anhalt ist ein Land mit großer sprachlicher Vielfalt. Hier ist die Regionalsprache Niederdeutsch ebenso zu Hause wie die mitteldeutschen Mundarten zu hören sind." Das "Zarbsterische" gehört auch dazu. Heidrun Franke (71) hat sich erst ab 2006 damit intensiver beschäftigt.

"Ich habe mich immer geärgert, dass unsere Mundart immer mehr in Vergessenheit geraten ist", erzählt die stets aufgeweckte gebürtige Zerbsterin. Und irgendwie war sie immer "sauer", dass sie im Umgang mit Berlinern als Sächsin und beim Zusammensein mit Sachsen als Berlinerin "abgestempelt" wurde.

Auch das war Grund für Heidrun Franke, sich gründlicher mit dem "Zarbsterischen", als einer Spielart des Niederdeutschen, zu befassen. "Viele Anregungen für meine Informationen über die Pflege von Mundarten bekam ich von Herrmann Wäschke, obwohl der ja das Zerbsterische eigentlich nicht benutzte", so die engagierte Mundartforscherin und -sprecherin.

Wenn Heidrun Franke heute zu Lesungen geht, hat sie meist ihre beiden dicken Ordner mit.

"Ich habe alte Literatur gewälzt. Anekdoten gesucht, aufgeschrieben, teilweise nacherzählt, auch eigene Gedichte und Geschichten erfunden und aufgeschrieben", berichtet die gelernte Maschinenbauzeichnerin. "Allerdings hat sich mit der Zeit einiges verwischt, sind bei den Mundarten andere Einflüsse eingedrungen."

Gern wird Heidrun Franke von Veranstaltern gebucht. Sie kommt sehr gut an beim Publikum, vor allem bei den Älteren, die näher an der Zerbster Mundart stehen. Doch auch junge Zuhörer sind interessiert, kommt doch vieles, wie zum Beispiel das "mich-mir-Problem" oder das zum "J gewordene G" auch noch heute in der Umgangssprache vor.

Die große Resonanz war erst am letzten Sonntag zu erleben, als Heidrun Franke bei der Marienserenade in der Ankuhner Kirche im Programmpunkt "lustige Geschichten" mit unterhaltsamer und humorvoller Mundart aufwarten konnte.

Überregionale Anerkennung erhielt sie unter anderem durch die erfolgreiche Teilnahme am Literaturwettbewerb in den mitteldeutschen Mundarten Sachsen-Anhalts 2010. Zum damaligen Wettbewerb mit dem Motto "Kaum zu jloben - Jeschichten von hier" hatte sie ihre selbstgeschriebene Geschichte "Sylfester 1987 uffen Zarbster Vorelhärd - Lämn wie Jott in Frankreech" eingereicht.

Und jetzt brachte sie diesen Text zu Gehör. "Ich habe mich sehr gefreut, dass ich nun Ende Juni in Magdeburg neben Teilnehmern, unter anderen aus Oschersleben, Merseburg, Magdeburg, Colbitz und Wittenberg, wieder unsere heimatliche Mundart präsentieren durfte", erzählt Heidrun Franke nicht ohne Stolz.

An der aktuellen Ausschreibung des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalts e. V. kann sie sich aus Zeitgründen nicht beteiligen.

Unter dem Thema "Kinder Kinder!" hat der Verein derzeit zum 3. Literaturwettbewerb in den mitteldeutschen Mundarten Sachsen-Anhalts aufgerufen. Mitmachen kann jeder, der in den mitteldeutschen Mundarten Geschichten schreibt.

Die eingereichten Kurzgeschichten sollten nicht länger als maximal vier DIN A4 Seiten (maschinenschriftlich) sein. Jede Teilnehmer darf bis zu drei unveröffentlichte Texte einsenden. Einsendeschluss ist allerdings bereits heute.

Weitere Informationen: www.lhbsa.de