Ein eigenes Land auf Zerbster Boden: Die Gymnasiasten haben am Donnerstag kurzerhand ihre eigene Republik ausgerufen. Im Staat "Francisceum" gab es nicht nur eine eigene Währung, sondern auch einen Kanzler - Jonas Döhring.

Zerbst l "Schau mal, die Kinder versuchen hier die ganze Zeit hinter die Hecke zu krabbeln. Das darf nicht passieren", sagt Jonas Döhring zu einer Nachwuchs-Polizistin. Diese stellt sich daraufhin in eine strategisch günstige Position zum Beobachten. Als Kanzler ist der Elftklässler für vieles verantwortlich - eben auch für Recht und Ordnung. Wird ein "Straftäter" erwischt, landet er vor Gericht und es drohen ihm Geld- und Arbeitsstrafen. Im Staate "Franciseum" gibt es alle Organe und Institutionen, die es auch in Deutschland gibt.

In der Legislative regiert Jonas mit Mitgliedern des Wirtschaftskurses. Fünf Ministerien gibt es: Wirtschaft, Recht und Ordnung, Finanzen, Bildung und Soziales sowie Gesundheit. Für die Judikative stehen frisch angeschaffte Richter-Roben und ein Gerichtssaal im Gebäude des Gymnasiums bereit. Als Exekutive sind Schüler mit Polizei-T-Shirts unterwegs. Dazu gibt es noch eine Feuerwehr, Müllentsorgung und ein Krankenhaus.

Natürlich handelt es sich bei der Staatsgründung um ein Schul-Projekt. "Das war eine Idee der Schüler der Stufe 11", sagt die stellvertretende Schulleiterin Veronika Schimmel. Der Wirtschaftskurs sammelte Vorschläge, wie die Schule als Staat umsetzbar wäre.

"Wir wollten gern alle Schüler einbinden", so Kanzler Jonas Döhring. Der letzte Schultag vor den Ferien erschien ideal. "Bisher gab es da nur den Dr.-Franz-Münnich-Lauf aber kein Rahmenprogramm. Das hat sich durch das Projekt geändert", so Veronika Schimmel.

Neben einem kleinen Rummel mit Dosenwerfen oder Bierglasweitschieben gibt es zahlreiche Verkaufsstände. "Insgesamt sind es um die 30 Unternehmen", so Döhring. Alle Klassen machen mit ihren eigenen Ideen mit. So gibt es im Schulgebäude die Möglichkeit, sich neu stylen zu lassen oder die Spielbank zu besuchen, wo eine Konsole wartet. "Wir haben uns mit dem Staat an der Bundesrepublik orientiert, deshalb ist er auch kapitalistisch ausgerichtet", erklärt Jonas Döhring.

Die heiße Phase für den Staat "Francisceum" begann im März. "Da haben wir unsere Idee der Gesamtkonferenz bestehend aus Schülern, Lehrern und Elternvertretern vorgestellt", sagt Döhring. Sponsoren finden, Preise organisieren, Pläne erstellen - die Arbeit wollte kein Ende nehmen. "Vor sechs Wochen haben wir gemerkt, dass es knapp werden könnte", sagt der Elftklässler.

Am Ende konnte der Zeitplan eingehalten werden und der Staat "Francisceum" erlebte am Donnerstag seine Gründung. Dass Jonas Döhring zum Kanzler ernannt wurde, ist dem Wirtschaftskurs zu verdanken. Sie wählten ihn genau wie die anderen Vertreter der Legislative.

Ein wichtiger Bestandteil des Projektes ist die staatseigene Währung. Der Franci-Taler ist eine Papierwährung, die jeder, der etwas auf dem Staatsgebiet erstehen möchte, erst gegen Euro eintauschen muss. Finanzministerin Lisa Dubben koordiniert die Wechselstuben über die eigens erschaffene Zentralbank. "Das läuft ziemlich gut bisher", sagt sie am frühen Nachmittag. Bei einem Wechselkurs von eins zu fünf fällt es einigen schwer, umzurechnen. "Ich habe heute schon einige der Lehrer klagen hören", sagt Veronika Schimmel mit einem Lächeln im Gesicht.

Die Erlöse aus den Verkaufsständen fließen in die Klassenkasse. Bis auf den Anteil von zehn Prozent. Diese "Steuer" wird von der Regierung einbehalten. Denn das Projekt Schule als Staat soll im kommenden Jahr wiederaufgelegt werden. "Der Gesamtgewinn dient dem künftigen Jahrgang 11 als Grundlage", sagt Veronika Schimmel. Wer dann das Zeug hat wie Döhring zu regieren, wird sich dann zeigen.