Dem Alltag hinter der Front widmet sich die Wanderausstellung "Heimat im Krieg 1914-18", die fortan in Zerbst zu sehen ist. Angereichert mit vielen Leihgaben hiesiger Familien und Kirchgemeinden schafft sie einen direkten lokalen Bezug.

Zerbst l "Der heroische Krieg wird demaskiert", formuliert es Agnes-Almuth Griesbach treffend. Sie leitet das Museum der Stadt. Nach Stendal und Eisleben ist Zerbst die dritte Station der Wanderausstellung "Heimat im Krieg 1914-18". Die Schau ist das Ergebnis einer Kooperation des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Anlass ist der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor nunmehr 100 Jahren. In elf Themenfeldern wird die Urkatastrophe Europas beleuchtet, die vor Ort stets um regionale Exponate ergänzt werden - genau diese direkte Verbindung erleichtert die Annäherung an das so einschneidende historische Ereignis.

Möglich ist der lokale Bezug dank zahlreicher vor allem auch privater Leihgeber. "Viele Zerbster haben ihre Schätze ins Museum gebracht", berichtet Agnes-Almuth Griesbach bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend von all den interessanten Gesprächen. Die Kirchgemeinden stellten ebenfalls Objekte zur Verfügung wie beispielsweise das Nagelkreuz aus der Kirche von Kermen. Auch hat manch Pastor wie Robert Gärtner oder Hermann Graf seine Erlebnisse niedergeschrieben. Auszüge trug Albrecht Lindemann, Pfarrer von St. Bartholomäi, vor. Auch in der Zerbster Extrapost spiegelte sich das Geschehen wider, wie die Gäste bei der Auftaktveranstaltung von den beiden Gymnasiasten Lukas Hybotter und Nils Benkwitz erfuhren. Unterdessen las ihre Mitschülerin Emma Leps einen Auszug aus der Kinderbuchreihe "Nesthäkchen" von Else Ury vor.

"Die Ausstellung dient dazu, Geschichte zu begreifen", erklärt Jürgen Leindecker. "Auch auf Zerbst hatte der Erste Weltkrieg Auswirkungen", betont der Landesgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, einem Partner des Projektes. Er nennt unter anderem das Hungerjahr 1917 und den Umstand, dass die Pferdebahn aufgrund der Mobilmachung nicht von Männern, sondern Frauen gelenkt wurde. Auf das mit Kriegsbeginn eingerichtete Kriegsgefangenenlager in Zerbst weist Agnes-Almuth Griesbach hin. Flaschen und Vasen, die russische Gefangene mit Strohklebearbeiten verzierten, sind ein Zeugnis. Zu den Raritäten unter den Exponaten gehört der Lagerplan von 1915, der sonst in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig ruht.

Und längst ist die Ausstellung nicht fertig. "Sie wird noch ergänzt", erzählt die Museumsleiterin von bereits vorhandenen Objekten, die noch ausgewertet werden müssen. "Es lohnt sich also, öfter zu kommen", lädt sie ein. "Ich hoffe auf eine intensive Auseinandersetzung der Jugend mit der Ausstellung", erklärt Bürgermeister Andreas Dittmann nicht zuletzt in Anbetracht aktueller Krisenherde in der Ukraine oder dem Gaza-Streifen. "Erinnerung ist die beste Mahnung für den Frieden", sagt Jürgen Leindecker. Unterdessen sind die Salutschüsse der Mitglieder des Ersten Herzöglich Anhaltischen Artillerieregiments 93 den Millionen Toten des Ersten Weltkrieges gewidmet.