In Loburg erfahren zwei lange Zeit fast vergessene Gutshäuser derzeit ihre Renaissance. Denn nicht nur das Barbyhaus wird ab Herbst saniert. Auch das Gutshaus derer von Wulffen - kurz Gut Loburg II genannt - soll bis Herbst saniert sein. Ein Berliner Investor plant, darin Mietwohnungen einzurichten.

Loburg l Schon zu DDR-Zeiten und bis weit nach der Wende wohnten hier Menschen zur Miete. "Aber 2008 zogen die letzten Mieter aus", sagt Karl Tempel. Der Berliner Bundesbeamte im Ruhestand hatte die Immobilie 1999 bei einer Auktion von der Treuhand erstanden. "Das Haus hat mir gefallen, es war aber in einem desolaten Zustand", erinnert sich der Investor zurück, wenngleich das mit dem "investieren" eine ganze Weile dann gar nicht klappte. Zehn Jahre habe er sich um finanzielle Mittel bemüht, doch Förderungen durch Bund, Land oder Stadt bekam er nicht. Erst jetzt gab es den nötigen Kredit, seit wenigen Monaten laufen die Entrümplungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Schon ist das Haupthaus neu eingedeckt und die Grundrisse der Wohnungen erkennbar.

"Noch vor zehn Monaten hätten Sie auf das Bauwerk keinen Pfifferling mehr gegeben", sagt Karl Tempel bei einer seiner Baubesichtigungen. Statt adeligem Glanz gibt es auch heute nur blankes Backsteinmauerwerk und neu eingezogene Trockenbauwände zu sehen. "Alles schöne Interieur, geschnitzte Rokokotüren, Kachelöfen aus der Bauzeit 1782, sonstige Möbel und Spiegel aus der Rokoko- und Empirezeit, geschnitzte Eichenmöbel sind der kulturellen Barbarei der Folgejahre zum Opfer gefallen und waren, als ich das Haus erworben habe, nicht mehr aufzufinden", bedauert Karl Tempel.

Dass auch der ursprüngliche Grundriss nicht beizubehalten ist und Trockenbau Einzug halten muss, stört auch Karl Tempel, aber "wenn ein solches Haus den Menschen heute zugänglich gemacht und als Wohnhaus angeboten werden soll, sind gewisse Kompromisse unumgänglich".

Insgesamt 800 Quadratmeter Wohnfläche bieten das Gutshaus und das danebenliegende Gesindehaus. Ziel ist es, im Oktober das Gutshaus fertiggestellt zu haben. Das Gesindehaus soll ab November vermietet werden können.

Der Investor hat schon ziemlich konkrete Vorstellungen, wie seine Mieterschaft sich zusammensetzen sollte: "Toll wäre eine Mietergemeinschaft mit vielen Kindern, älteren Menschen und Leuten, die gerne gärtnern." Denn es ist noch viel Platz auf dem Grundstück, zumal die alte Scheune abgetragen werden musste. Ein Teil der Feldsteinmauer hatte stehenbleiben können, er soll in das Ensemble einbezogen werden. In den ehemaligen Barockgarten an der Straße hat sich Karl Tempel offenbar auch verkuckt: Er soll nach Möglichkeit wieder in seinen früheren Zustand zurückversetzt werden. Einen Ginkgo-Baum hat er hier schon gepflanzt.

Die Geschichte des Hauses möchte Karl Tempel bewahren und in Erinnerung behalten. Historische Fotos in den Treppenhäusern und vielleicht eine Gedenktafel im Garten schweben dem Berliner vor.

Die Geschichte des Hauses nimmt Mitte des 15. Jahrhunderts ihren Anfang. Im Dreißigjährigen Krieg soll ein schwedischer General Quartier im Haus Burgstraße 16 ("Loburg II") genommen haben, weil die Burg gegenüber in einem schlechten Zustand war und nicht mehr als Quartier taugte.

Dem "Deutschen Adelsblatt", Ausgabe vom 15. Februar 1970, kann man entnehmen, dass das heutige Haus "1782 von Friederike Auguste von Wulffen, geb. von Barby, der Witwe des Kgl. Preuß. Rittmeisters August Wilhelm von Wulffen auf Loburg III, des Stammvaters aller noch lebenden Angehörigen der Linie Loburg der Familie von Wulffen (Anhalt-Magdeburg), für ihren jüngsten Sohn Friedrich August im Zopfstil erbaut (wurde). Das Haus mit dem charakteristischen hohen, gebrochenen Mansardendach ist mit seinen glatten Linien Ausdruck geschmackvoller Bauweise."

Bis zum Jahr 1945 befand es sich im Besitz der Adelsfamilie von Wulffen. Danach war hier die Kreisberufsschule untergebracht, ab 1958 begann die Nutzung als Wohnraum.

Nicht nur Mietinteressenten, sondern alle, die sich das Haus in seinem jetzigen Zustand einmal genauer ansehen möchten, können dazu den Tag der offenen Tür am 9. August nutzen.