Zerbst l Mal war sie "Mademoiselle Papillon" in einem Berliner Zirkus, ein andermal trat sie im Varieté als "Palma Kunkel" auf, ebenso gab sie die Kunstfigur "Die Handtaschenträgerin"... Nach Zerbst in die Essenzen-Fabrik kam die sich selbst als "musikalische Verwandlungskünstlerin" Bezeichnende als Annika Krump.

"Das ist mein richtiger bürgerlicher Name", erklärt sie im Volksstimme-Gespräch und fügt an: "Dass ich 1993 in einem Müllcontainer in einer Berliner Straße ein Akkordeon fand und damit gewissermaßen meine Karriere als Akkordeonistin begann, stimmt auch."

Ihr erstes Soloprogramm "Accordeon" mit französischen Songs hatte 2007 in Wien im ORF-Radiokulturhaus Premiere. Seither ist die Perfomancekünstlerin mit verschiedenen Programmen national und international auf Festivals, in Theatern, auch auf Varieté-Bühnen erfolgreich unterwegs.

In Zerbst lädt sie die gut 40 Gäste am Sonnabendabend zu einer Reise "In 80 Minuten um die Welt - AcCOEURdeon" mit Chansons in 17 Sprachen ein. Die dann, auch nach viel Beifall wegen einiger Zugaben, zur Freude der begeisterten Gäste doch fast 120 Minuten dauert.

Zum Auftakt streift Annika Krump geheimnisvoll flüsternd im Halbdunkel durch die Zuschauerplätze: "Du bist ein Pfauenspinner, ein Feuerfalter oder Mondvogel, (...), ein echter Spinner, eine Prachtmotte"... Sie betritt die kleine Bühne, hängt sich ihr Akkordeon um, und präsentiert den lyrisch optimistischen Rocksong "Wer Schmetterlinge lachen hört". In Berlin sei er entstanden, erzählt sie. Der Text ist von Carlo Karges, die Musik von Lutz Rahn". Und so hat Annika Krump zu den etwa 20 Songs, Liedern und Balladen immer eine kleine Geschichte parat. Besonders sympathisch und ungemein authentisch, weil diese oft aus ihrem persönlichen Erleben heraus entstanden sind. Da waren es ein befreundeter Künstler, eine sehr lange Fahrt im Zug durch Indien, die Teilnahme an einer Hochzeit in Rumänien, Gespräche mit ausländischen Studenten ...

Mit ihrer weitgespannten Stimmvariabilität und passender Mimik und Gestik gelingt es der Sängerin, die verschiedenen Inhalte und Gefühlslagen glaubhaft erlebbar zu gestalten. Teilweise ist es wahre Stimmakrobatik, wie etwa beim sogenannten "Klick-Song" aus Südafrika. Und sie bietet ihren Gästen neben dem Gesang einen zusätzlichen "Genuss-Service". Zu allen Liedern in der jeweiligen Originalsprache, deren Erlernen "mal schwerer und auch mal leichter war", gibt es eine oft von ihr selbst geschaffene und eindrucksvoll vorgetragene deutsche Übersetzung.

Im großen Liedrepertoire war auch zweimal Kurt Weill zu erleben. Aus seiner französischen Zeit des Exils sang Annika Krump das emotional bewegende "Youkali" und schlug anschließend symbolisch den Bogen nach Amerika mit dem ebenso weltbekannten "Speak Low".

Die Reise führte mit einer dramatischen Filmmusik nach Kroatien, mit einer emotional berührenden Mutter-Kind-Geschichte nach Griechenland. Auch im Programm erklangen Lieder in Polnisch, Jiddisch, Italienisch, Argentinisch, Japanisch, Ladakhisch ...

"Ich habe mich sehr gefreut, wie das Zerbster Publikum mitging", erklärt sie nach dem Konzert. Es sei nicht überall so, dass zum Beispiel bei den berühmten "Moskauer Nächten" mitgesungen oder auch nur mitgesummt werde.