Ganz aus eigener Kraft und allein mit Spenden hat der Förderverein Wasserturm bisher agiert, um das Zerbster Wahrzeichen zu erhalten. Über das Geschaffene und weitere Pläne informierte sich jetzt der Bundestagsabgeordnete Jan Korte (Die Linke) auf seiner Sommertour.

Zerbst l "Toll, was hier geschaffen wurde." Sichtlich beeindruckt lässt Jan Korte den Blick vom Wasserturm hinüber zu den Brunnenstuben schweifen. Seine alljährliche Sommertour hat den Bundestagsabgeordneten der Linken am Montagnachmittag nach Zerbst geführt. "Ich nutze die sitzungsfreie Zeit, um mir vor Ort das ehrenamtliche Engagement anzugucken, um zu sehen, wo ich als Politiker unterstützend wirken kann", erklärt er.

Sigrun Knäbel und Klaus-Dieter Scharrmann nutzen die Gelegenheit, um Korte von der bislang geleisteten Arbeit des seit 2009 bestehenden Fördervereins Wasserturm Zerbst zu erzählen. "Bei der Gründung waren wir 13, heute hat der Verein 70 Mitglieder und zehn Fördermitglieder", informiert die Vorsitzende. "Der Wasserturm ist ein unheimlich klasse Bauwerk, das wollen wir erhalten", bringt Sigrun Knäbel das Hauptanliegen auf den Punkt.

Beim Rundgang berichtet sie von den acht Tonnen Schrott und den 14 Tonnen Müll, die bei der Beräumung des Geländes angefallen sind. Sie zeigt dem Linken-Abgeordneten die drei wieder hergerichteten Brunnenstuben und schildert ihm, wie sie den Kindern die Wasserversorgung näher bringen.

Auch am 1894 errichteten und bis 1994 in Betrieb befindlichen Wasserturm selbst hat sich einiges getan, wie Korte erfährt. "Wir haben den maroden Putz abgehauen", erklärt Sigrun Knäbel im Inneren des Turms. Neben dem Sockelbereich weist sie auch auf den Fußboden hin, der nun in Anlehnung an das ursprüngliche Aussehen mit gelben Klinkerplatten versehen ist.

"Bislang haben wir für 60 000 Euro Werte geschaffen", ergänzt die Vereinsvorsitzende. Sie betont, dass der jetzige Stand allein mit Eigenmitteln, Spenden und sehr viel Eigenleistung erreicht wurde. Nun aber steht eine Maßnahme auf dem Plan, die auf diese Weise kaum zu stemmen ist: die Sanierung der äußeren Hülle des Wasserturms. Schadhafte Stellen und Fugen sind auszubessern, das Mauerwerk abzustrahlen. Die Kosten gehen in den sechsstelligen Bereich, liegen wahrscheinlich um die 300 000 Euro.

"Es ist schwierig, Fördermittel zu erhalten", meint Sigrun Knäbel. "Wir passen nirgendwo rein", schildert sie das Dilemma, in dem der Verein steckt. Außerhalb von Zerbst gelegen würden sie keine Gelder aus dem Topf für Stadtsanierungsmittel bekommen. "Das Leader-Programm würde passen", meint Sigrun Knäbel. Eine 70-prozentige Förderung würde winken. Allerdings könnten momentan nur Orte mit bis zu 10 000 Einwohnern Anträge stellen, nennt sie das für sie geltende Ausschlusskriterium. "Unser Wunsch ist, dass man diese Begrenzung herausnimmt", wendet sie sich an Jan Korte.

"Das ist ein Punkt, an dem man parteiübergreifend agieren kann", verspricht er das Anliegen mit nach Berlin zu nehmen. Zugleich weist er die beiden Vorstandsmitglieder auf den Verein der Bundestagsfraktion Die Linke hin, der vielfältigste Projekte unterstützt und bei dem sie ebenfalls Gelder beantragen könnten. Beispielsweise für die Erneuerung der Einzäunung des Geländes.