Die historische Aufnahme in dieser Woche haben nur wenige Anrufer erraten. Es handelt sich um den Zerbster Schlachthof.

Zerbst l "Das ist der Schlachthof", erklärte Benita Billepp. Nicht sofort habe sie das gesuchte Motiv erkannt, gestand die Zerbsterin. Die heute noch stehende Villa am rechten Bildrand brachte sie allerdings auf die Lösung. "Und ich wusste, dass da mal ein Eingang war", erzählte sie. Eine direkte Beziehung hat Benita Billepp ebenfalls zu dem noch immer existierenden Betrieb. Seit 2006 ist sie als Produktionsarbeiterin bei den Anhalter Fleischwaren tätig.

Als Kind nutzte Harald Neupert aus Zerbst die Gelegenheit, durch die Fenster des auf dem historischen Foto zu sehenden Flachbaus zu schauen. Ganz links seien die Schweine abgebraust worden. "Danach hat man sie mit einer Zange und elektrischem Strom betäubt, dann ein Bein an einer Kette befestigt und ganz rechts im Gebäude getötet und gebrüht." Weiter rechts auf dem Gelände, noch neben dem Auto, habe der Abdecker seine Arbeit getan. Wohl aus den 60-er Jahren stammen seine Erinnerungen.

Wolf-Dieter Nowak erkannte - neben Alfred Kroys - ebenfalls den Schlachthof in der Käsperstraße. "Das ist dort oberhalb der Kreuzung, wo es heute für Lkw zu schmal ist", spielte der Zerbster auf die prekäre Situation in der abzweigenden Gartenstraße mit ihrer schmalen Fahrbahnbreite an. Sobald die Parkplätze vor der Kita belegt sind, wird es nicht zuletzt für die zum Schlachthof wollenden oder von dort kommenden Lasterfahrer im Kurvenbereich eng.

Was der Zerbster heutzutage umgangssprachlich als seinen "Schlachthof" bezeichnet, hat schon lange nicht mehr diese Funktion. Geschlachtet wurde hier bis zur Wende. 450 Mitarbeiter zählte der Schlachthof noch im Jahr 1990. Im gleichen Jahr übernahm Schulte Fleisch- und Wurstwaren Dissen die Firma, meldete 2002 Insolvenz an. Den noch 250 vorhandenen Arbeitern drohte die Arbeitslosigkeit, als sich mit der Mühlen Gruppe ein neuer Investor fand. Seitdem trägt der Schlachthof den Namen Anhalter Fleischwaren GmbH.

Im Jahr 1960 ist der Schlachthof in einen Volkseigenen Betrieb, Fleischkombinat Zerbst, umgewandelt worden. 1962 ist die Kochwurstproduktion, 1964 die Brühwurst- und 1968 die Rohwurstproduktion aufgenommen worden.

Mehrere hundert Mitarbeiter - zum Teil bis zu 500 - bilden heute die Basis für die Herstellung von vakuum- und aromaverpackten Würstchen, Cabanossis und Sülzen - den drei großen Produktgruppen, die in Zerbst produziert werden. Etwa 20 Prozent der Waren werden ins europäische Ausland exportiert. In Deutschland gehören große Lebensmittel-Discounter zu den Hauptkunden der Unternehmenskette und das "Zerbser Original" ist eine deutschlandweit bekannte Marke.

Mit der Übernahme des Schlachthofes durch die Mühlen Gruppe sind Investitonen im zweistelligen Millionenbereich am Zerbster Standort vorgenommen worden. Allein bis zum Jahr 2011 waren es über 25 Millionen Euro, die in die Erweiterung und Modernisierung der Anlage investiert wurden.

Über den Gewinn eines Regenschirmes kann sich Wolf-Dieter Nowak freuen. Der Gewinn kann ab Montag aus der Lokalredaktion abgeholt werden.

Bilder