130 Radfahrer sind in der ersten Hälfte dieses Jahres in Anhalt-Bitterfeld in Unfälle verwickelt worden. Polizeisprecher Michael Däumich wirbt im Volksstimme-Gespräch mit Judith Kadow bei den Radfahrern für mehr Achtsamkeit.

Lässt sich sagen, wer eher für die Unfälle verantwortlich ist? Radfahrer oder Autofahrer?
Michael Däumich:
Jeder Fall ist natürlich anders. Aber in diesem Jahr ist ein großer Teil dieser Unfälle durch Fehlverhalten der Radfahrer verursacht worden - zum Teil mit dramatischen Folgen. Wir verzeichneten bereits einen Toten, 47 Schwer- und 82 Leichtverletzte unter den Radfahrern.

Sind im Vergleich zum Vorjahr die Fallzahlen gestiegen?
Ja. Im Jahr 2013 gab es allein bei Radfahrern drei Tote, 46 Schwerverletzte und 114 Leichtverletzte.

Welche Fehler werden am häufigsten gemacht?
Eine der häufigsten Ursachen ist das Einfahren in den fließenden Verkehr. Viele Radfahrer glauben, es genügt, dass sie Handzeichen geben, wenn sie den Radweg verlassen. Sie sind aber nach der Straßenverkehrsordnung auch verpflichtet, eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auszuschließen. Dies bedeutet neben dem Handzeichen auch die Beachtung des Nachfolgeverkehrs. Einen Unfall unter solchen Umständen gab es in diesem Jahr in der Stadt Raguhn-Jeßnitz, es ist jedoch nicht der einzige Unfall.

Welche Fehler sind sonst noch häufig zu beobachten?
Ebenso falsch ist das Verhalten der Radler, die plötzlich zwischen Fahrzeugen die Fahrbahn radelnd wechseln wollen. Dies führt dann zu schmerzlichen Erkenntnissen, wenn der Autofahrer nicht rechtzeitig anhalten kann. So geschehen ein Unfall in der Stadt Sandersdorf-Brehna. Der Radfahrer befuhr dazu noch den linken Radweg.

Gern befahren Radfahrer auch Einbahnstraßen in die falsche Richtung...
Das ist jedoch nicht immer falsch. Einbahnstraßen werden durch Verkehrszeichen für den Radfahrer in entgegengesetzter Richtung frei gegeben. Doch auch nur dort darf auch entgegen der Einbahnstraße gefahren werden. In Zörbig befuhr der Radfahrer die Einbahnstraße in der entgegengesetzten Richtung und glaubt dann auch noch, Vorfahrt zu haben. Am Ende der Einbahnstraße sollte der entgegen der Fahrrichtung fahrende Radler die nötige Vorsicht walten lassen.

Wie verhält es sich mit dem Fahren auf dem linken Radweg?
Das ist eine sehr weit verbreitete Unsitte - ebenso das Fahren auf Gehwegen. An Knotenpunkten kommt es immer wieder zu Unfällen, weil Radfahrer von der rechten Seite kommen, mit denen der Kraftfahrer nicht rechnet. Auch beim Abbiegen ist es für alle Beteiligten immer wieder gefährlich, wenn der Radfahrer auf der verkehrten Straßenseite unterwegs ist. Aber es gibt auch eine Reihe von Unfällen, wo Radfahrer mitein-ander zusammenstoßen, weil sie sich begegnen. Auch da gibt es durchaus den einen oder anderen Unfall - allein einen mit zwei Schwerverletzten, nur weil einer der Beiden zu bequem war, die Fahrbahn zu wechseln.

Das Fahren ohne eingeschaltete Beleuchtung spielt übrigens auch immer wieder eine Ursache bei Radfahr-Unfällen. So querte in der Stadt Köthen im Winterhalbjahr eine Radfahrerin plötzlich die Fahrbahn. Sie hatte keine Beleuchtung eingeschaltet. Es kam zum Unfall mit einem Pkw, bei dem sie sich verletzte.

Wie entwickeln sich die Unfallzahlen im Landkreis insgesamt?
Die Aufzählung könnte ich beliebig fortsetzen. Ob Köthen, Zerbst, Aken, Zörbig, Bitterfeld-Wolfen - überall kommt es zu Unfällen mit Radfahrern. Viele dieser Unfälle wären durch richtiges Verhalten vermeidbar, dies gilt aber nicht nur für Radfahrer. Die angeführten Zahlen sprechen für sich, sie sind nur ein Teil der Unfallstatistik, die für unseren Landkreis nicht rosig ausfällt. Trotz rückläufiger Unfallzahlen (Stand 30. Juni) haben wir dramatische Zunahmen bei den Verletzten. So haben wir mit 2355 Verkehrsunfällen zwar 163 weniger als 2013. Wir haben aber mit 138 Schwerverletzten 41 mehr als 2013, bei Leichtverletzten sind es 279 und damit 74 mehr gegenüber 2013. Eine ähnliche Tendenz zeichnet sich auch für den Juli ab.

Sind es denn vor allem Kinder oder Erwachsene, die in die Fahrradunfälle verwickelt sind?
Es werden immer mehr Kinder mit dem Fahrrad in Unfälle verwickelt, die große Mehrheit der Unfallbeteiligten sind jedoch die Erwachsenen. Viele Kinder lernen richtiges Verhalten im Straßenverkehr in der Schule im Rahmen der Verkehrserziehung. Höhepunkt ist für die meisten Kids dann die Fahrradprüfung. Was nützt dies aber alles, wenn die Erwachsenen ein schlechtes Vorbild sind?!