Ein Jahr nach Fusion der einstigen Stadt- und Gemeindefeuerwehren der Region zur Feuerwehr der Stadt Zerbst zieht Wehrleiter Jürgen Dornblut eine durchwachsene, aber nicht negative Bilanz. Die Wehr rückte im vorigen Jahr zu 191 Einsätzen aus, darunter 56 Hilfeleistungen.

Zerbst. Die 2010 neu gebildete Freiwillige Feuerwehr Zerbst stellt in Anhalt-Bitterfeld die größte nachgeordnete Einrichtung einer Kommunalverwaltung überhaupt dar. Rund 900 Mitglieder sind auf verschiedenste Weise in dieser freiwilligen Feuerwehr tätig, allein 600 sind in den aktiven Dienst eingebunden. Das jedoch in unterschiedlicher Intensität, wie Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut in seinem Jahresbericht an die Jahreshauptversammlung aller Ortswehrleiter erklärte. "Zu einem guten Teil haben wir uns kameradschaftlich zusammengerauft", so Dornblut. Zugleich gebe es auch einige Wehren, deren Leitungen noch kein einziges Mal zu den zyklischen Treffen beim Stadtwehrleiter erschienen sind. Dornblut nannte Steckby und Reuden.

Davon unabhängig sind die Arbeitsgrundlagen für die neue Feuerwehrstruktur recht zügig gebildet worden. Eine gemeinschaftliche Satzung, eine Entschädigungssatzung, Dienstanweisungen für die Nutzung der Gerätehäuser und Fahrzeuge sind verfasst, beschlossen und in Kraft getreten. Ende April wurden Fritz Maschke und Detlef Both zu Dornbluts Stellvertretern sowie Hans-Martin Klatt zum Stadtjugendwart berufen. Die Zerbster Wehr war damit auf allen Führungspositionen regulär besetzt.

Ein großes Problem ist die Tages-Einsatzbereitschaft der Wehren, so Dornblut. Zunehmend sei die Sicherstellung der 12-minütigen Hilfsfrist in Frage gestellt – die Entfernungen sind zu groß. Erneut wird über Fusionen nachgedacht, diesmal allerdings aus eigenem Antrieb und der Not gehorchend. Ausbildungsgemeinschaften benachbarter Ortswehren gebe es bereits, so Dornblut.

Neben dem Tagesgeschäft widmeten sich Dornblut und speziell auch Thomas Sanftenberg, der Sachbearbeiter für Feuerwehrfragen im Ordnungsdezernat der Stadtverwaltung, dem Brandschutzbedarfsplan. Er basiert auf einer Risikoanalyse. Diese wiederum auf umfangreichen Basisdaten aus sämtlichen Wehren. Diese liegen nach wie vor nicht vollständig vor, so Dornblut. "Wir haben uns seinerzeit entschlossen, die Risikoanalyse selbst anzufertigen und damit vielleicht 40 000 Euro gespart, die ein professionelles Ingenieurbüro sicherlich veranschlagt hätte und wo wir dennoch durch die Pflicht zu intensiven Zuarbeiten einbezogen wären. Nun liegt es an den Kameraden in den Ortswehrleitungen, die Daten in Gänze tatsächlich zu erheben, sowie auch verwaltungsseitig, um ein effizientes Ergebnis zu erzielen", so Dornblut.

Die Analyse sollte eigentlich landesweit in allen Wehren seit Jahresende 2010 vorliegen. Das hat in Anhalt-Bitterfeld bislang nur eine geschafft. Weil die Zerbster Wehr so groß ist und die Daten so viele sind, rechnet Dornblut seitens der Aufsichtsbehörde – Landkreis-Ordnungsdezernent Bernhard Böddeker war zur Versammlung anwesend – mit einem großzügigen Zeit-Zugeständnis.

Ebenfalls trübe sieht die zweite Daten-Baustelle der Feuerwehr aus. Das computergestützte Feuerwehr-Verwaltungssystem "MP-Feuer" läuft nach wie vor nicht in der beabsichtigten Form. Die angestrebte Vernetzung und der Zugang aus allen Ortswehren in das System ist nicht hergestellt worden. Der vor zwei Jahren angeschaffte hochmoderne Tablet-PC beispielsweise kommt so nicht zum Einsatz.