Eine Punktlandung war der Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten in Deetz. Auf den Tag genau 700 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung am 27. Juli 1314 tauchten die Deetzer am Sonntagabend in ihre Geschichte ein.

Deetz l Gut 100 Deetzer und ehemalige Einwohner waren zum "Informationsabend über die Geschichte von Deetz" in die Aula gekommen.

"Am 27. Juli 1314 bewidmete das Kloster Leitzkau den Altar des heiligen Johannes und Nikolaus daselbst zum Besten der Kalandsbrüder mit Einkünften und Gütern zu Leitzkau, Deetz und Quast", verwies der den Vortrag gestaltende Ortsbürgermeister Ulrich Weimeister auf die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.

Historische Bodenfunde, wie jene aus den 1950er Jahren, ließen den Schluss zu, dass wahrscheinlich erste Besiedlungen schon vor 2200 Jahren stattgefunden haben könnten.

Auf jeden Fall seien die offiziell bestätigten 700 Jahre Deetzer Geschichte ein guter Grund, dieses Jubiläum festlich und gemeinsam zu begehen (s. Infokasten). "Aufgeworfene Gräben wollen wir zuschütten", so Weimeister, "weil uns mehr verbindet als uns trennt".

Etwa eineinhalb Jahre hat die "Initiative 700 Jahre Deetz", bestehend aus Mitgliederen des Ortschaftsrates, des Heimatvereins und weiteren Bürgern diesen historischen Höhepunkt vorbereitet.

Mehrere Deutungen des Dorfnamens

In dem etwa dreiviertelstündigen Vortrag präsentierte Ulrich Weimeister eine Art "Reise durch die Jahrhunderte", die mit verschiedenartigem Bildmaterial unterstützt wurde.

Sicher war dieser Vortrag kein lückenloser und vollständiger Abriss der Geschichte der Fläming-Gemeinde. Dennoch machte er die konzentriert zuhörenden Gäste schlaglichtartig mit wichtigen historischen Schwerpunkten vertraut, teilweise auch sehr detailreich, rief schon Bekanntes ins Gedächtnis zurück, fügte bislang nicht Gewusstes hinzu. Der Ortsbürgermeister verwies dabei auch auf die Ortschronik, die noch mehr und auch differenziertere Informationen beinhaltet.

Im Vortrag ging es unter anderem um die Namensdeutung im geschichtlichen Wechsel von Detitz über Detz, Deutz, zum heutigen Deetz. Nicht wissenschaftlich ausreichend belegte Möglichkeiten böten sich als Ansatz an: von Kindsdorf, von Großvaterdorf oder von Schlamm und Morast. Letzteres könnte auf Verbindung zum Deetzer Teich hinweisen.

Der für Deetz auch heute noch durch die Teichwirtschaft und das jährlich traditionelle "Abfischen" bekannte Teich ist immerhin schon 1583 durch Stauung der Nuthe künstlich angelegt worden. Er nimmt eine Fläche von zirka 56 Hektar ein.

Weitere vier Jahrhunderte zurück liegt die Entstehung der spätromanischen Kirche, die als Findlingsbau und Wehrkirche ein bedeutsames Baudenkmal darstellt.

Auf einer Karte zeigte Ulrich Weimeister, wo sich etwa die beiden inzwischen verschwundenen Dörfer Kleinberlinchen und Rußdorf befunden hatten.

Er berichtete über Deetz und den Dreißigjährigen Krieg und "sprang" dann etwas abrupt in die Anfänge des 20. Jahrhunderts.

Vieles heute auf der Habenseite

Auch der in den beiden Weltkriegen gefallenen Deetzer solle zu diesem Jubiläum gedacht werden, betonte Weimeister. Im Ersten Weltkrieg waren 26, im Zweiten Weltkrieg 66 Tote zu beklagen. Tragisch sei, dass in mehreren Fällen in beiden Kriegen Gefallene aus gleichen Familien stammten.

Mehr stichpunktartig wurden die Änderungen in der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg erwähnt, auch, dass es heute nur noch vier selbständige Bauern und einige im Nebenerwerb gibt. Und, dass seit Anfang der 1990er Jahre die aus den Niederlanden stammenden Einwohner "nicht wegzudenken" seien. Für dörfliche Verhältnisse existieren in Deetz vielfältige Handwerker- und Gewerbebetriebe.

Auf über 100 Jahre Geschichte zurückblicken kann auch die 1912 von 35 Deetzer Bürgern, Gewerbetreibenden und Handwerkern gegründete sehr aktive freiwillige Feuerwehr.

Zahlreiche Vereine, so der Ortsbürgermeister, wie unter anderem der Heimatverein 2000, der Jugendbauernhof, die Line Dancers, der Coyote-Verein, der Flugverein oder der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr bestimmen heute das gesellschaftliche Leben im Dorf aktiv mit. Und er nennt weiter auf der "Habenseite": Es gibt den weit bekannten "Deetzer Spargel", die Kirchturmuhr schlägt wieder und vieles mehr.

Deetz sei eben ein prosperierendes Dorf und "Deetz war noch nie so schön wie heute, dafür sollten wir dankbar und darauf können wir stolz sein", schließt Ulrich Weimeister den Vortrag ab.

Zahlreiche Gäste nutzen die Gelegenheit, die sich immer erweiterende Ausstellung in der Heimatstube zu besuchen.

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