Ob Asylbewerber oder Eltern mit ihren Kindern aus Brjansk - auf dem Bauernhof in Reuden finden Familien, denen das Schicksal nicht gut mitgespielt hat, eine Auszeit.

Reuden/Anhalt l Auf dem Kinderbauernhof des Vereins "Hilfe für Tschernobylkinder aus Brjansk" in Reuden/Anhalt ist alles vorbereitet für die nächste Gruppe, die zur Erholung kommt. Am vergangenen Wochenende wurde geputzt, repariert, die Betten bezogen. Dr. Ljuba Schmidt und ihr Mann hatten Hilfe. Eine Asylbewerberfamilie aus Vockerode verbrachte den Tag mit ihnen. Ein Geben und Nehmen - die Familie hatte ein paar Stunden mit den Kindern, raus aus dem Alltag und der Enge der Unterkunft, und im Gegenzug half das Elternpaar bei der Herrichtung des Hauses.

Da es immer schwieriger wird, die Finanzen aufzubringen, Familien aus Brjansk nach Reuden zu holen, hat der Verein seine Tätigkeit auch auf die Betreuung und Unterstützung von Asylbewerberfamilien ausgedehnt. Inzwischen bestehen gute Kontakte zu albanischen, afrikanischen und anderen Familien in Vockerode. Einige kamen bereits in den Genuss, in Reuden zu Gast zu sein, dort ein paar Stunden zu verbringen und sich auch einzudecken mit Kleidung und anderen notwendigen Dingen. So durfte auch die Familie Mamuew aus Grosny sich einiges aussuchen, was sie gebrauchen kann.

Das junge Paar kam im vergangenen Oktober aus Tschetschenien nach Deutschland. Der jüngste Sohn wurde in Deutschland geboren. Die anderen beiden Jungen Mahid (3) und Malik (2) genossen es, auf dem Bauernhof in Reuden alles zu erkunden und das viele Spielzeug in Beschlag zu nehmen. Den Eltern gefiel es ebenfalls sehr gut - "das Haus ist so schön", schwärmten sie, "so groß und gemütlich". Gerne waren die beiden bereit, ein bisschen mitzuhelfen. Die Familie würde auch einmal ein paar Tage oder ein Wochenende in Reuden verbringen, da gäbe es für den Familienvater mit handwerklichen Fähigkeiten einiges zu tun im Haus.

Doch am 4. August kommt erst einmal die nächste Familie aus dem Brjansker Gebiet. Eine Witwe mit fünf Kindern ist diesmal eingeladen. Der Vater kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Gäste sollen sich in der ländlichen Idylle erholen, sich satt essen, sich einkleiden. Ljuba Schmidt kann auf zuverlässige Sponsoren setzen, die den Besuch im Zerbster Freibad ermöglichen, einen Aufenthalt im Indoorspielplatz in Dessau oder im Dessauer Tierpark. Auch der Besuch der Reudener Bauernkate steht auf dem Programm. Erstmals sind die Gäste zur Milchviehanlage nach Polenzko eingeladen. Ljuba Schmidt betont immer wieder, dass der Verein ausschließlich mit Spenden arbeitet. Auch alle Lebensmittel werden so bereitgestellt. Am schwierigsten sei es jedoch, finanzielle Mittel aufzutreiben. Papiere und Einreiseformalitäten kosten Geld. Außerdem freut sich der Verein über Einladungen, über deutsche Familien, die die Gäste für einen Tag oder einen Nachmittag willkommen heißen.