Als Student ein eigenes Geschäft gründen? Diesen Traum haben sich Wiebke Berlin und Pauline Staffe wahr erfüllt. Sie verkaufen Bratwurst in Steutz an der Fähre. Für diese Idee wurden sie anfangs belächelt.

Steutz l Studenten haben zweimal im Jahr Semesterferien. Diese können sie entweder mit faulenzen oder den Vorbereitungen aufs kommende Semester verbringen oder aber sie gehen arbeiten. Typische Studentenjobs gibt es auf dem Bau oder als Kellnerin in der Eisdiele. Die beiden Studentinnen Pauline Staffe und Wiebke Berlin haben sich für etwas völlig anderes entschieden: Sie gründeten einen Bratwurststand direkt am Fähranleger bei Steutz. "Ich wollte immer schon mein eigenes Ding machen", sagt Wiebke Berlin. Sie studiert in Wernigerode Betriebswirtschaftslehre (BWL). Ihre Freundin Pauline Staffe hingegen beschäftigt sich in Lemgo bei Bielefeld mit der Technologie der Kosmetika und Waschmittel. "Aber ich interessiere mich auch sehr für Lebensmittel und fürs Kochen", sagt sie zu ihrem Antrieb für den ungewöhnlichen Ferienjob.

Im vergangenen Jahr haben die beiden Zerbsterinnen am Fließband gearbeitet. "Das wollten wir nicht noch mal machen, deshalb haben wir uns in den Wintersemesterferien überlegt, was sonst noch ginge und da entstand der Plan", sagt Wiebke Berlin. Ihre Freunde haben den Plan erst für eine Schnapsidee gehalten. "Für uns war das aber ernst", so Berlin.

Der Wunschstandort an der Fähre war schnell gefunden. "Ich bin dann zum Gewerbeamt gegangen und die haben mir dann erst mal den Kopf gewaschen", sagt Wiebke Berlin. Man habe sie erst einmal nicht ernst genommen mit dem Vorhaben. So galt es zunächst zahlreiche Anforderungen des Lebensmittelamtes zu erfüllen, wie zum Beispiel die Bereitstellung von fließend warmen Wasser. Unterstützung kam von unerwarteter Seite. Der Vater von Pauline Staffe verfügt als ehemaliger Geschäftsführer eines Lebensmittelunternehmens in Zerbst über zahlreiche Kontakte. Die Mädchen konnten ihre Geschäftsidee dort vorstellen. "Die waren dann gleich begeistert und wollten uns unterstützen." So haben sie einen Gasgrill, ein Waschbecken und den Unterboden zur Verfügung gestellt bekommen. "Wir haben kaum Anfangskapital gebraucht", erklärt Berlin.

"Ich finde das total interessant, mit Kostenkalkulation die Preise zu ermitteln", so Berlin. Dabei habe ihr das Studium sehr geholfen. "Ich hatte zum Beispiel ein Gespräch mit dem Steuerberater und das war auf Augenhöhe", sagt sie. Eher zufällig verwenden die beiden Mädchen nur Produkte aus der Region. "Die Brause, die wir hier verkaufen, trinken wir zum Beispiel beide total gern und wollten sie deshalb hier verkaufen", erklärt Pauline Staffe.

Diese Freiheit bei der Produktpalette genießen die Mädchen. So gibt es neben Bratwurst auch gegrilltes Gemüse zu kaufen. "Vielleicht machen wir auch mal einen Burgertag", sagt die Studentin. Wichtig für die Mädchen ist, dass der Spaß im Vordergrund steht. "Natürlich wollen wir auch ein paar Euro verdienen, aber das ist wie ein kleiner Traum, das hier selbst auf die Beine zu stellen", sagt Pauline Staffe.

Bei den Kunden stößt der Bratwurststand auf Anklang. "Wir haben sogar schon einen Stammkunden: den Fährmann", erzählt Wiebke Berlin lachend. Auch sonst laufe es ganz gut. Und das ganz ohne Marketingmaßnahmen. Nur ein kleines, selbstgemaltes Schild weist auf den Stand hin. Fahrradfahrer, die den Elberadweg nutzen, aber auch die Autofahrer, die auf die Fähre warten, nutzen das Angebot.

"Und uns nützt es was für den Lebenslauf, das ist doch auch super", sagt Wiebke Berlin. Für BWL-Studenten sei es schwer, sich von anderen abzuheben. Man müsse rausstechen aus der Masse. Der Stand soll noch bis zum 7. September geöffnet bleiben. Danach beginnt das neue Semester. Bis dahin stehen die beiden immer, wenn das Wetter gut ist, hinter dem Grill. "Wenn wir die Zeit haben und es sich bewährt, würden wir es noch mal machen", so Wiebke Berlin.