Bei den 24. Jugendmodellflugtagen in Steutz wurde für viele Kinder und Jugendliche der Traum vom Fliegen wahr. Die Volksstimme hat Fritz Besener begleitet.

Steutz l Fritz Besener sitzt im Gras und wartet. Gemeinsam mit 12 anderen Kindern tritt der zehnjährige Zerbster heute im RC Elektro-Uhu-Wettbewerb an. Neben ihm liegt sein Wettkampfgerät: Ein mittelgroßer Segelflieger mit Motor. "So Fritz, los geht`s", ruft Trainer Michael Boldt vom Flugmodellsportverein Zerbst ihm zu. Fritz springt auf und macht sich auf den Weg zum Start.

Auf der Elbaue bei Steutz ist dieser mit einem rot-weiß gestreiftem Plastikband gekennzeichnet. "Wo ist denn deine Sonnenbrille, du kannst doch gar nichts sehen", sagt Michael Boldt, von allen Micha genannt zu Fritz. Der Zehnjährige hat sie vergessen und rennt schnell zurück zu den beiden Zelten, die für die Pausen zwischen den Flügen aufgestellt wurden.

"Jetzt ruhig bleiben, du schaffst das!"

Michael Boldt, Flugmodellsportverein Zerbst

Noch etwas außer Atem schnallt Fritz sich die Steuerung um. Micha hält den Flieger in der Hand über seinen Kopf. "Jetzt ruhig bleiben, du schaffst das", sagt er zu dem blond-rothaarigem Jungen. Fritz zögert nicht lange. Er startet den Motor des Fliegers und steuert ihn in die Luft. Mit dem Start beginnt die Stoppuhr des Schiedsrichters zu laufen. Genau eine Minute darf Fritz jetzt den Motor laufen lassen. "Noch ein bisschen höher, genau und da kannst du jetzt parken", feuert Michael Boldt seinen Schützling an. Bei Fritz herrscht volle Konzentration. Die Sonne blendet ihn, aber er behält den Überblick.

Nachdem der Flieger sicher in die Luft gebracht ist, beginnt nun eine dreiminütige Phase, in der der Flieger in der Luft gehalten werden muss. Jede weitere Sekunde gibt Punktabzug bei der Wertung. Alles läuft gut, die Thermik hält das Modell an Ort und Stelle. Da direkt auf der Nachbarbahn ein anderer Wettbewerb startet, schwirren jetzt zwei Modelle am strahlend blauem Himmel. Es sieht so aus, als würde das des anderen, direkt auf das Modell von Fritz zufliegen. "Lass dich da nicht irritieren, der ist ganz woanders als du", sagt Michael Boldt.

"Die Zwillinge stehen nicht in Konkurrenz zueinander."

Eva Besener, Mutter von Fritz und Karl

Als die letzten dreißig Sekunden laufen, beginnt der Landeanflug. Plötzlich gerät das Modell ins Trudeln. "Was soll ich jetzt machen", fragt Fritz. Sein Trainer rät ihm, erst mal abzuwarten wie sich die Flugbahn weiter entwickelt und kurz vor der Landung die Kontrolle wiederzuerlangen. Zunächst sieht alles gut aus, aber dann ist klar: Der Flieger wird weit weg von der Landebahn auf den Boden kommen. Das gibt Punktabzug. "So ein Mist", flucht Fritz.

Da er im Laufe des Wettbewerbs vier bis fünfmal die Möglichkeit zum Fliegen hat, beschließen Michael Boldt und Fritz, diesen Flug aus der Wertung zu nehmen. "Ist nicht so schlimm", sagt Fritz. Er nimmt es sportlich und überreicht seinem Zwillingsbruder Karl die Steuereinheit. Unter einem der beiden Zelte wartet Mutter Eva Besener schon auf ihren Sprössling. "Und, wie war`s?", fragt sie und lobt ihn für seinen Flug. "Ich hatte die volle Zeit, war super", sagt Fritz und freut sich über den Teilerfolg. Anschließend heißt es wieder warten auf die nächste Runde und auch auf Bruder Karl. "Die beiden stehen nicht in Konkurrenz zueinander", sagt Eva Besener. Sie hat vor Kurzem ihr erstes eigenes Flugmodell zum Geburtstag geschenkt bekommen. "Wir haben da inzwischen alle Feuer gefangen", erklärt sie und lehnt sich in dem Gartenstuhl zurück, den sie unter dem Zelt aufgebaut hat.

Angefangen habe alles mit dem älteren Bruder der Zwillinge, Otto. Er war vor ein paar Jahren bei einem Ferienlager und hat dort die Liebe zum Modellflug entdeckt. Seitdem ist der heute 17-Jährige im Flugmodellsportverein Zerbst. Die Zwillinge fliegen seit rund fünf Jahren mit. Auch bei zahlreichen Wettbewerben waren die Jungen schon dabei.

Die Wartezeit bis zum nächsten Flug verbringt Fritz mit seinen Freunden. Die Kinder toben über die Elbauen oder ruhen sich aus und reden über die nächste Runde. "Das Fliegen war nicht schwer zu lernen", sagt Fritz. Seine Chancen bei dem Wettbewerb schätzt er realistisch ein. "Hier gibt es viele, die besser sind als ich", sagt er. Trotzdem ist sein Ziel beim Lilienthal-Jugendwettbewerb: Gewinnen.

"Ich habe auch schonmal den ersten Platz in Wettbewerben gemacht", sagt Fritz. Das sei vor allem toll, weil es immer neue Modelle zu gewinnen gäbe. Da machen auch die 24. Jugendmodellflugtage in Steutz keine Ausnahme. Die Sponsoren haben Sachpreise zur Verfügung gestellt. Für Fritz steht das in Steutz aber nicht im Vordergrund. "Das Coolste ist, dass man hier eine ganze Woche ist", sagt der 10-Jährige. Er schläft gemeinsam mit dem Zwillingsbruder in einem Bungalow im Landschulheim und übt. Dabei gehört zum Modellflug auch der Modellbau. "Das mache ich aber nicht so gerne", sagt Fritz.

Dann erschallt auch schon wieder der Ruf über die Elbaue: "Fritz, du bist dran, komm her." Der Junge steht auf und rennt los.

Egal wie alt - jeder kann Modellflug erlernen. Wer Interesse hat, meldet sich am besten beim Flugmodellsportverein Zerbst. Auf der Homepage: www.modellbau-zerbst.de gibt es alle Informationen und Ansprechpartner.

   

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