Mit der Marktkreuzung wurde in dieser Woche beim Heimatfotorätsel ein markanter Bereich von Zerbst gesucht. Seit der Aufnahme von 1964 gab es hier einige gestalterische Veränderungen. Vor allem wuchs das Hochhaus mit dem Mosaik in die Höhe, der Eisenwarenladen Wiedemann hingegen verschwand ...

Zerbst l Es brauchte ein, zwei Blicke, bis die meisten Anrufer das aktuelle Heimatfotorätsel gelöst hatten: Zu sehen ist die Kreuzung Markt/B 184/Alte Brücke.

Harald Neupert aus Zerbst erkannte auf der hinteren linken Freifläche im Kreuzungsbereich einen Bohrturm. "Das wird wohl von der Probebohrung für den Hochhausbau sein", so Neupert. Anfang 1973 hat er als Klempner noch im Rohbau des Hochhauses gearbeitet. "1973 oder 1974 muss der Bau dann fertig gewesen sein."

In dem großen Haus hinter dem Bohrturm an der Breiten Straße hatte Juwelier Schmidt seinen Laden, dahinter gab es den Sanitärladen Schütze. "Das war damals auch mein Chef auf der Baustelle", führt Harald Neupert weiter aus.

Der dahinter befindliche Wohnblock ist bereits wieder abgerissen worden. Dahinter - wo heute die Fleischerei Zaake zu finden ist - war früher eine Drogerie, dahinter ein Fischladen und dort, wo der Giebel zu erkennen ist, ging es in die Klappgasse hinein.

Auf der Freifläche rechts unten im Bild ist seit einigen Jahren der Wasserspielplatz zu finden. "Früher gab es dort einen Wochenmarkt", erzählt Harald Neupert. Auf der linken Rasenfläche - nicht mehr auf dem Bild zu sehen - befand sich der Eisenwarenladen eines Herrn Franke. "1969 habe ich mir dort heimlich ein Motorrad gekauft. Das gab zu Hause Ärger."

Den Eisenwarenladen verbanden einige Anrufer mit der historischen Schwarz-Weiß-Aufnahme. Allerdings erinnerten sich die meisten an den Besitzer Wiedemann. "Dort konnte man ein Auto oder Moped bestellen", schildert Dr. Walter Elß, wie er über 20 Jahre auf einen Trabant gewartet hatte. 1989, kurz nach der Wende, traf schließlich die Karte ein, dass der Trabi nun geliefert werden könnte. "Aus dem Trabi wurde dann ein Opel", verrät der Zerbster. Auch von dem "schönen Kaufhaus", das auf der Fläche rechts unten im abgedruckten Bild stand und später abbrannte, entsann sich Dr. Elß. Mit Blick auf die damalige noch sehr schmale Fuhrstraße erzählte er, dass die Straße zu der Zeit noch an der Stadtmauer endete. "Es gab da noch keinen Durchbruch."

Dass die Fuhrstraße einmal derart eng war, das war Burckhard Mahlke gar nicht mehr so bewusst. Aber auch er berichtete vom Eisenwarenhandel Wiedemann: "Ich habe da mein erstes Motorrad gekauft, eine MZ 250/2 de Luxe mit eckigen Scheinwerfern."

"Dort, wo sich der Dreibock befand, steht jetzt das Hochhaus", meldet sich Helmut Lehmann zu Wort. Als das mehrstöckige Gebäude in den Himmel wuchs, sei die Alte Brücke noch keine Fußgängerzone gewesen.

"Wir sind als erste kinderreiche Familie in das Hochhaus gezogen", erklärt Kathrin Enke. Im zweiten Stock bezogen sie eine Wohnung. Mit drei ihrer vier Geschwister teilte sie sich das große Kinderzimmer. Auch von der Küche mit Durchreiche, den Balkonen und den dauernd stecken gebliebenen Fahrstühlen erzählt die Zerbsterin. Und Worte ihrer Mutter hat sie noch im Kopf: "Ach, jetzt fallen die alle ab", meinte diese, als sich damals einzelne Steinen aus dem Mosaik herauslösten und neu angeklebt werden mussten.

Zuvor wohnte die Familie in der Breiten Straße 6. "Da bin ich immer mit dem Luftroller um den Block gefahren", schildert Kathrin Enke eine weitere Anekdote, die ihr bei der Schwarz-Weiß-Aufnahme von 1964 einfiel.

Neben Rudi Grieb und Heinz Stamann erkannte ebenfalls Annemarie Gründer den Kreuzungsbereich. In der Nähe des heutigen Pizza-Geschäftes in der Breiten Straße hatte damals Franz Hinze einen Eisenwarenladen, meinte sie. "Er hat seine Messer selbst gemacht. Ich habe heute noch welche von ihm."

Unter allen Anrufer wurde wieder ein kleiner Sachpreis verlost. Das Badehandtuch geht an Kathrin Enke. Der Gewinn kann ab Montag in der Lokalredaktion der Zerbster Volksstimme auf der Alten Brücke abgeholt werden.

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