Zerbst l Alle Kommunen stehen vor den selben Herausforderungen. Doch jeder geht seinen eigenen Weg. "Und der ist oft teurer, als wenn man ihn gemeinsam geht", erklärt Michael Wandersleb. Er ist der Vorstandsvorsitzende der Kommunalen IT-Union - eine Genossenschaft, deren Gründung er vor vier Jahren mit angeschoben hat. 29 Mitglieder gibt es bereits, darunter Landkreise, Städte und Gemeinden. Zerbst begrüßte Wandersleb am Montag als 30. Genossenschaftsmitglied. Bürgermeister Andreas Dittmann hat die Beitrittserklärung unterschrieben.

Grundlage war der Beschluss vom Stadtrat Anfang Juni. "Ich konnte die Stadträte überzeugen, dass sich der Beitrag in der Genossenschaft bereits mit der ersten gemeinsamen Investition rentiert", so Dittmann. Investiert wurde in neue Drucker und die nötige Software, um das Drucken effizienter und sicherer zu machen. In der Verwaltung und allen städtischen Einrichtungen stehen nun die selben Geräte. Gedruckt wird nur, wenn derjenige, der drucken will, auch mit seinem Chip direkt vor dem Gerät steht.

Der Vorteil: "Gerade in der Verwaltung werden auf den Fluren auch mal Dokumente gedruckt, die kein Besucher in die Hände kriegen sollte", erklärt Dittmann. Auch praktisch: Wenn ein Mitarbeiter gerade den Drucker mit einem großen Auftrag besetzt, kann mit dem Chip einfach ein anderer genutzt werden. Noch acht weitere Kommunen in Sachsen-Anhalt haben sich diesem Druck- und Kopierkonzept angeschlossen, zählt Michael Wandersleb auf. Und warum macht das zusammen mehr Sinn als allein? "Weil wir ganz andere Preise für die Verträge erzielen können", spricht Wandersleb aus Erfahrung.

Denn: Ab einer Investitionssumme von 200 000 Euro kann europaweit ausgeschrieben werden. Das übernimmt die Genossenschaft. Laut Jan Petereit von der IT-Union, der für die Schnittstelle zwischen Kommunen und Genossenschaft verantwortlich ist, liegt im Fall der Drucker die Ersparnis der Stadt Zerbst bei fast 50 Prozent. Rund 980 000 Blätter bedruckt die Verwaltung jährlich. "Da macht sich jeder Cent bemerkbar", sagt Dittmann. Mit 5000 Euro ist die Stadt an der Genossenschaft beteiligt. Der monatliche Beitrag hängt von der Größe der Kommune ab. Für Zerbst sind das 100 Euro.

Als Mitglied hat die Stadt nun die Möglichkeit von anderen Verwaltungen zu lernen. "Arbeitskreise treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen und gemeinsam neue Projekte anzugehen", zählt Petereit auf. Da nicht immer ein Treffen möglich ist, gäbe es nun auch ein Netzwerk für den Austausch via Computer.

Was sich Andreas Dittmann als nächstes in punkto Zusammenarbeit vorstellen kann, ist die Telefonanlage. "Nichts ist schlimmer, als wenn die Verwaltung nicht erreichbar ist", sagt Dittmann. Für die Arbeit innerhalb der Verwaltung arbeitet die Genossenschaft bereits an einem Dokument-Management-System. "Heutzutage geht der Weg auch dahin, dass der Bürger auf elektronischem Weg mit der Verwaltung kommunizieren kann", spricht Vorsitzender Wandersleb über die Zukunftspläne der Genossenschaft.

Rückendeckung von Land und Kommunalaufsicht haben die Fachleute der IT-Union bereits. Natürlich müsse wie im Fall Zerbst der Kreis weiterhin informiert werden, doch Wandersleb spricht von einer "Generalgenehmigung".

Gegründet wurde die Genossenschaft im Jahr 2010 - von der Landeshauptstadt Magdeburg, der Gemeinde Barleben und der Betriebsgesellschaft KID. Die löste bereits zuvor die Aufgaben der Informationstechnik in der Magdeburger Stadtverwaltung. "Wir haben immer mehr Anfragen aus dem Umland bekommen und uns für die Genossenschaft entschieden", blickt Jan Petereit zurück. Von der Union werden seitdem die Mitglieder in Fragen der IT-Dienstleistungen und Anschaffungen unterstützt.

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