Merseburg/Zerbst l "Es ist so bedeutend, weil es eines der wenigen erhaltenen Briefverschlusssiegel des Bischofs ist", sagt Markus Cottin. Er ist einer der beiden Kuratoren der am Sonnabendabend eröffneten Ausstellung "Thilo von Trotha - Merseburgs legendärer Kirchenfürst".

Das Siegel, ganz genau ein "Verschlusssiegel mit Papierdecke auf grünem Wachs, gehört zu einem Empfehlungsschreiben des Bischofs für Hans den Steinmetzen an den Zerbster Rat. Dieses Dokument auf dem Historischen Stadtarchiv Zerbst ist eine der insgesamt 60 Leihgaben unter den 150 aus Deutschland, Dänemark, Italien, Österreich und Schweden stammenden Exponaten "voller Kostbarkeiten" in der Ausstellung.

Deren Anlass ist der 500. Todestag des von 1466 bis 1516 das Bistum Merseburg führenden Thilos von Throtha, der als einer wichtigsten Kirchenfürsten am Vorabend der Reformation gilt. Er hat die Stadt Merseburg und das Umland als Kirchenfürst, Landesherr und auch Kunstmäzen nachhaltig geprägt.

"Merseburg ist ein ganz besonderer, mystischer, ein Kult-Ort", so Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei der Ausstellungseröffnung im Dom, in dem im Ensemble mit dem Schloss als authentische Lebens- und Wirkensorte des Bischofs die Ausstellung präsentiert wird.

Einer der vier Räume im Schloss, die am Beginn des Ausstellungsrundgangs stehen, ist Thilo als Bauherren gewidmet. "Wir haben hier alles zusammengetragen, was zu diesem Wirken erhalten ist", so Dr. Holger Kunde, Direktor und Stiftskustos der Vereinten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegialstifts Zeitz, der in seiner Einführung dem "richtigen" Rundgang einen verbalen voran stellt.

Gleich die erste Vitrine im "Bauraum" enthält auch die Zerbster Leihgabe, eine, die eben im ganz direkten Bezug zum Bischof steht.

Datiert ist das Dokument auf den 2. November 1475. Thilo schreibt "Den erßamen weißen burgermeister[e] und rathmann[en] zcu Czerwist". Er empfiehlt ihnen, zugleich dessen Fleiß und Verstand lobend und ihm für seine Arbeit dankend, den "meyster Hans stey[n]mecze".

"An welchen Merseburger Bauten Meister Hans wie lange gewirkt hatte, lässt der Text offen", schreibt Anke Neugebauer im Ausstellungskatalog. Vermutet werde, dass es die den 1470er Jahren entstandenen ersten Schlossneubauten Thilos in Merseburg waren.

Im zu jener Zeit bedeutenden Zerbst gab es mehrere große Bauvorhaben, darunter die St. Nicolaikirche. Anlass für das Empfehlungsschreiben des Bischofs, vermutet Anke Neugebauer, dürfte die Pulverexplosion gegeben haben, die am 25. März 1475 zu schweren Zerstörungen am Kirchenbau führte.

Der westlichste Gewölbeschlussstein des 1494 vollendeten Kreuzrippengewölbes des Langhauses habe unter anderem ein Meisterwappen und den Namen Hans Hobick getragen. Es sei verführerisch, hierin den vom Bischof empfohlenen Meister zu sehen, so Anke Neugebauer. Doch dies bleibe "eine Hypothese und Thilos Empfehlungsschreiben der bislang einzige Hinweis auf einen Meister Hans, der aus Merseburg kam".

Die Ausstellung über "Merseburgs legendären Kirchenfürsten" ist bis zum 2. November zu sehen.