Vor gut einem halben Jahr wurden aus den Knirpsen der Kindertagesstätte in Güterglück plötzlich Schulkinder. Mit Sack und Pack zogen sie in die Förderschule ein. Grund: Ihre Einrichtung sollte eine energetische Sanierung bekommen. Jetzt sind die Arbeiten fast abgeschlossen.

Güterglück l Die Leiterin der Kita, Susanne Thiele, strahlt, wenn sie vom Umbau spricht. "Welche Einrichtung wird denn so toll renoviert", fragt sie. Mindestens einmal in der Woche sei sie rüber gegangen und habe Bilder geschossen. "Der Ordner ist reichlich dick geworden", erzählt sie lachend. Das halbe Jahr verging im Flug. "Aber wir freuen uns jetzt auch, dass wir wieder zurück können." Nötig geworden war der Umzug, weil die Kita Güterglück energetisch saniert werden sollte.

Förderung aus Stark III

Hierfür beantragte die Stadt Zerbst gemeinsam mit dem Träger der Einrichtung, dem Albert-Schweitzer-Familienwerk Sachsen-Anhalt, Fördermittel aus dem Stark III-Paket. "Die Stadt hat da ein paar Maßnahmen für uns zurückgestellt, so dass wir das machen konnten", sagt Horst Schoedon, technischer Leiter des Familienwerkes. So betrug das Anfangsbudget 257000 Euro. Gemäß der Förderauflagen hatte die Stadt davon 30 Prozent, also 77100 Euro zu tragen. "Damit sind wir dann aber nicht zurechtgekommen. Es wurden erhebliche Baumängel festgestellt", sagt Horst Schoedon. Der Kultur- und Sozialausschuss stockte auf und steuerte noch einmal 35000 Euro nach.

Bei den Baumängeln handelt es sich um Setzungserscheinungen an der Innenseite der Fassade. "Teilweise mussten wir auch noch neue Türen durchbrechen und die vorhandene Decke abtragen", erklärt Horst Schoedon. "Das hat dann die Kosten in die Höhe getrieben."

Das einzige Überbleibsel von vor der Sanierung sind die Türen und die Fußböden. "Da werden wir aber nicht drumherumkommen, das auch noch zu machen", sagt Horst Schoedon. So fehle bei den Türen teils ein Fingerklemmschutz. Ein Termin für die Renovierung stehe noch nicht fest. Wenn die Kinder wieder in ihre Kindertagesstätte zurückdürfen, können sie sich auf komplett neue Fenster, Dämmung, schall- und wärmegedämmte Decken und die neuesten Standards beim Brandschutz freuen. Besonders zukunftsorientiert ist dabei die Heizungsanlage, die mit Solarzellen betrieben wird.

Der Umzug findet am Sonnabend, 23. August, statt. Susanne Thiele sucht hierfür noch Eltern, die mithelfen wollen. Eine Liste hängt im Eingangsbereich der Schule aus. Der Betrieb geht dann direkt in den neuen Räumen weiter. Eine offizielle Übergabe gibt es am 3. September und nur zehn Tage später, am 13. September, veranstaltet die Kita ein Einweihungsfest.

Auf dem Fest wird außerdem der neue Name der Kindertagesstätte offiziell gemacht. In einer demokratischen Abstimmung einigten sich Kinder und ihre Eltern auf "Glückskinder". Dafür wurden im vergangenen halben Jahr zunächst Vorschläge gesammelt. "Und einer war schöner als der nächste, da konnten wir uns einfach nicht entscheiden", so Susanne Thiele. Also wurden Wahlzettel erstellt und von den Eltern mit ihren Kindern ausgefüllt. "Und da kam dann der Name Glückskinder bei raus, das ist toll, weil es auch an Güterglück angelehnt ist."

Aufregende Übergangszeit

Als Glückskind hat sich Susanne Thiele im vergangenen halben Jahr selbst gefühlt. "Das war so klasse, dass wir die Ausweichmöglichkeit mit der Schule hier hatten", sagt sie. In den großzügigen Räumen hätten sich die Kinder und Erzieher sehr wohlgefühlt. Der Enkel von Susanne Thiele hätte es sogar ganz pragmatisch auf den Punkt gebracht. "Wir gehen heute nicht in den Kindergarten, wir gehen in die Schule für große Kinder." Ganz aufregend sei das gewesen, so Susanne Thiele, kein Kind habe darunter gelitten. Mit den Schülern der Förderschule habe man sich super verstanden. "Etwas Besseres hätte uns gar nicht passieren können unter den gegebenen Umständen", sagt Susanne Thiele rückblickend.