Das Landschulheim in Steutz ist seit über 80 Jahren ein Ort der Begegnung für junge Menschen. Damit das auch weiter so bleibt, sollen jetzt die Fenster der Einrichtung neu gemacht werden.

Steutz l Die Vorsitzende des Albert-Schweitzer-Familienwerkes Sachsen-Anhalt, Ingeborg Bräutigam, ärgert sich: "Wir heizen momentan für die Umwelt." Schuld daran seien die einfach verglasten Fenster. Diese sollen noch in 2014 erneuert werden. Rund 30000 Euro wird die Maßnahme kosten, die schon Anfang des Jahres in den Wirtschaftsplan aufgenommen wurde. "Das zahlen wir natürlich nicht mal eben so aus der Portokasse", sagt sie. Zunächst müsse die energetische Sanierung der Kindertagesstätte in Güterglück abgeschlossen werden (Volksstimme berichtete). Neben der Erneuerung der Fenster stehen weitere Sanierungsarbeiten an. So wird gemalert und ein wenig renoviert.

Kinder und Jugendliche, die das Landschulheim nutzen, müssen einen kleinen Betrag bezahlen. "Wir verdienen mit dem Objekt aber nicht das große Geld", sagt die Leiterin des Landschulheims, Christine Jäger. Das sei bei Steutz aber egal. Die Kinder- und Jugendbegegnungsstätte des Albert-Schweitzer-Familienwerkes, wie das Landschulheim offiziell heißt, liegt sowohl Ingeborg Bräutigam als auch Christine Jäger besonders am Herzen. "Das liegt so idyllisch, da könnte ich glatt immer meinen Urlaub verbringen", sagt Ingeborg Bräutigam.

Jeder Besuch im Landschulheim soll für die Kinder wie ein Ausflug in eine entschleunigte Welt sein. "Hier gibt es zwar einen Fernseher, aber ohne Satellitenschüssel empfängt man da nicht viel", sagt Christine Bräutigam. Auch eine Internetverbindung gibt es nicht. "Wie lange wir diesen Stand halten können, ist in der heutigen Welt fraglich, aber auf jeden Fall so lange wie möglich", sagt die Leiterin des Landschulheims. Deshalb steht auch die Natur und das Erleben der Natur im Vordergrund. "Das regt die Kreativität an. Unserer Erfahrung nach fragt ab dem zweiten Tag kein Kind mehr nach dem Fernseher", erklärt Christine Jäger.

Steutz funktioniert dabei wie ein kleines Hotel. Rund 35 Kinder und Jugendliche können hier Zeit verbringen. Ob Vollpension oder Halbpension - alles ist buchbar. Um die Organisation, Verpflegung und den Ablauf der Aufenthalte im Landschulheim kümmert sich Christine Jäger gemeinsam mit zwei Aushilfen und dem Hausmeister, der für alle Einrichtungen des Familienwerkes zuständig ist. Vorrangig kommen Schulklassen und Vereine. "Das ist kein Luxushotel, sondern rustikal, einfach zauberhaft", sagt Christine Jäger schwärmend.

Landschulheim ist eine Herzensangelegenheit

Die Vorsitzende Ingeborg Jäger lobt außerdem die Zusammenarbeit mit der Stadt Zerbst und der Gemeinde Steutz. "Wir helfen uns gerne gegenseitig, zum Beispiel, wenn mal wieder Besuch aus der Partnerstadt Puschkin ansteht", sagt Ingeborg Bräutigam. Für die Steutzer ist das Landschulheim auch immer eine Anlaufstelle. "Wir haben hier keine Zäune, brauchen wir auch nicht", sagt Christine Jäger. Im Winter wird das Areal an der Elbaue von Kindern und Erwachsenen des Ortes zum Schlittenfahren genutzt. "Mit der leichten Anhöhe hier eignet sich das einfach perfekt", sagt Christina Jäger.

Die Schwärmerei über das Landschulheim ist ansteckend. Die Familie von Christine Jäger hat dies akzeptiert und behauptet gerne, dass die Leiterin ohne ihr Landschulheim gar nicht leben könne. "Das ist schon mein Herzblut, das hier drin steckt", sagt sie.