Die Aufbauten für mehr als 300 Lastkraftwagen fertigen die 40 Mitarbeiter im Zerbster Fahrzeug- und Karosseriewerk jährlich an. An Aufträgen fehlt es nicht - doch an neuen, einsatzbereiten Mitarbeitern. Das erklärten die Geschäftsführer Erich und Björn Ruhe gestern dem Bundestagsabgeordneten Kees de Vries (CDU).

Zerbst l Ein mobiles Krankenhaus in Lkw-Anhängern für die Wüste: Der Auftrag eines Sultans zu Beginn der Selbstständigkeit von Geschäftsführer Erich Ruhe, an den er sich noch gut erinnert. 24 Jahre lang gibt es das Fahrzeug- und Karosseriewerk Zerbst (FAKA)jetzt. "Wir bauen alles individuell, Serien gibt es bei uns nicht", erklärt der 66-Jährige. In der rund 1000 Quadratmeter großen Produktionshalle im Zerbster Ahornweg werden Trennwände in die Aufsätze der Wäscherei-Lkws eingezogen und Liftsysteme für schwere Ware in Transporter von Textilunternehmen eingebaut.

"Für die Wäscherei-Autos benutzen wir besondere Materialien, da die Wagen von innen scharf gereinigt werden", erklärt Björn Ruhe. Der 33-Jährige ist seit 2008 Geschäftsführer neben seinem Vater. Und damit Chef von 40 Mitarbeitern. Die konnte Bundestagsabgeordneter Kees de Vries (CDU) gestern in Aktion erleben. Es wird geschliffen, gesägt und Kleber angerührt. Ein Großteil der Arbeiter sei älter als 50 Jahre, sagt Erich Ruhe.

Und schildert dem Abgeordneten das größte Problem des Unternehmens: der Nachwuchs. "Wir finden keine neuen Mitarbeiter, die interessiert und einsatzbereit sind." Bis vor eineinhalb Jahren wurde bei FAKA noch ausgebildet. Doch damit ist jetzt Schluss. "Nur noch Lehrlinge, die bummeln, unzählige Krankentage haben und nicht zur Schule gehen", zählt Björn Ruhe auf. Er sucht Leute aus dem Bereich Metallverabeitung, Elektronik, Klebetechnik und Lackierer. Doch im Handwerk fehle der Nachwuchs. Seine Alternative: Arbeiter aus anderen Unternehmen abwerben.

Im gleichen Atemzug spricht sein Vater das Finanzielle an. "Wer im Rahmen von Hartz IV alle Leistungen in Anspruch nimmt, kommt auf einen Stundenlohn von 8,34 Euro - da können wir mit 9 oder 10 Euro keinen mehr überzeugen." Bis zu 15 Euro pro Stunde würden FAKA-Mitarbeiter verdienen, die eine Weile Berufserfahrung gesammelt haben.

Kees de Vries kennt das Problem: "Diese Sorgen sind angekommen in Berlin. Die Wertschätzung von Sekundarschule und Ausbildung muss wieder steigen." Und laut Erich Ruhe auch die der Wertschöpfung: "Wir brauchen Leute, die arbeiten wollen." Denn Aufträge gebe es genug. Das Individuelle ist gefragt: unter anderem vom Technischen Polizeiamt, den Ortsfeuerwehren oder Lebensmittellieferanten.

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