In Güterglück wachsen die Kiwis quasi auf der Straße. Die riesigen Pflanzen gehören Helmut Morbach und ragen schon über das Tor des Rentners. Von der reichen Ernte hat meist das ganze Dorf etwas.

Güterglück l Als echte Obst-Fans können sich Helmut Morbach und seine Frau Sonja bezeichnen. Mindestens einmal am Tag gibt es einen Vitamin-Schub durch gesunde Früchte. Das Besondere an dem Ehepaar aus Güterglück ist jedoch, dass der Großteil der Früchte, die auf dem Obstteller landen, aus eigenem Anbau stammen. Im ihrem Garten wachsen neben regional typischen Pflanzen wie Tomaten, Bohnen oder auch Äpfeln nämlich noch allerhand Südfrüchte.

"Es begann 1987 mit unseren Kiwi-Pflanzen", erklärt Helmut Morbach. Auf die beiden mittlerweile riesigen Pflanzen ist der Güterglücker besonders stolz. Sie ragen an der Hauswand bis über das Eingangstor und tragen bereits zahlreichte Früchte. "Mein Onkel, der bei Aachen wohnt, hatte schon damals Kiwis und gab mir irgendwann ein paar Trieblinge", berichtet Morbach. Der Onkel erntete schon damals jährlich um die 500 Kilogramm. Bei Helmut Morbach hätte es zunächst sechs, sieben Jahre gedauert bis die Pflanzen auch wirklich Früchte trugen, aber seitdem erntet der Rentner zusammen mit seinem Sohn jedes Mal durchschnittlich 130 bis 150 Kilogramm der süßen Kiwis. "Vor fünf Jahren ernteten wir 233 Kilogramm. Das ist bis heute Rekord."

Ende Oktober, Anfang November wird geerntet

Zwar essen Helmut und Sonja Morbach noch immer sehr gerne Kiwis, aber eine solche Menge würden selbst sie nicht schaffen aufzuessen. "Wir verschenken viel an Verwandte oder Bekannte aus dem Dorf. Da bekommt jeder mal einen Beutel, der vorbeikommt", erzählt Helmut Morbach. Gepflückt werden die Kiwis immer Ende Oktober oder Anfang November. "Wenn sie schon ein wenig Frost abbekommen haben ist das nicht so schlimm. Das überstehen die." Nach dem Pflücken werden die Früchte in Zwei-Kilo-Portionen zusammen mit Äpfeln in Tüten verpackt und zum Nachreifen acht bis zehn Tage gelagert. Äpfel bilden beim Lagern das Gas Ethylen, dass auf die Kiwis wie ein Signal wirkt, schnell vollreif zu werden. "So können wir die Kiwis nach unserem Geschmack reifen lassen. Wir haben viel herumprobiert und festgestellt, dass acht bis zehn Tage genau richtig sind, um die Kiwis süß, aber nicht zu süß werden zu lassen", weiß der Rentner. Warum die Kiwis, die ursprünglich aus Neuseeland und China kommt, nun auch in unserer Region wachsen können, erklärt Morbach mit dem Klima. "Mittlerweile reichen die Temperaturen aus, damit die Kiwis auch hier durchhalten." Die zwei Pflanzen hat der Rentner extra an die Südseite des Hauses gepflanzt, damit sie genug Sonnenlicht bekommen. Ansonsten würden regelmäßiges Gießen und gute Humus-Erde reichen, um die Kiwis gedeihen zu lassen. "Ich kenne noch ein paar Leute in Sachsen-Anhalt, die Kiwis anbauen, aber keiner hat so eine reiche Ernte wie ich", berichtet Morbach stolz.

Neben Kiwis noch andere exotische Südfrüchte

Kiwis sind jedoch nicht die einzigen Exoten im Garten der Morbachs. Auch Zitronen, Feigen oder Kürbisse gehören zum breiten Repertoire an Pflanzen im großen Garten. "Um die Zitronen oder die Feigen kümmert sich allein meine Frau. Wir haben so unsere Gebiete im Garten, wo die Aufgaben klar verteilt sind", erklärt Morbach mit einem Lächeln. Auch Bananen und Mandarinen wuchsen schon auf dem Grundstück in Güterglück. Allerdings war diese ernte nicht ganz so erfolgreich. "Die Mandarinen waren richtig groß, schmeckten aber sehr sauer und auch für die Bananen war es dann bei uns wohl nicht warm genug." Das Spektrum an verschiedenen Kulturen ist jedoch trotzdem sehr groß. Selbst bei den Tomaten beschränkt sich Morbach nicht nur auf eine Sorte. Je nach Gebrauch baut er Fleisch- oder Rispentomaten an. "Ich hole jeden Tag einen ganzen Eimer voll vom Beet", erklärt der Güterglücker.

Die Pflanzen scheinen sich an diesem Ort wohl zu fühlen. "Die Früchte aus dem eigenen Garten schmecken viel besser, als die gekauften aus dem Supermarkt." Dafür verbringen Helmut und Sonja Morbach jeden Tag mehrere Stunden in ihrem Garten. Mittlerweile ist dieser schon eine Art Touristenattraktion im Ort.