76 Freiwillige spendeten am Dienstag Blut in der Volksbank-Filiale. Mit der Anzahl sind die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes einigermaßen zufrieden. Mehr Erstspender wären wünschenswert, sagte DRK-Mitarbeiterin Gudrun Hänsel.

Zerbst l "Alles okay." Gerhard Wöhe liegt auf der Liege im Spendenzimmer der Volksbank in Zerbst und antwortet ruhig auf die Nachfragen von Schwester Sabine. Die Leiterin des Blutspende-Teams erkundigt sich nach dem Befinden des 62-Jährigen und will wissen, ob er etwas gegessen hat und ob er raucht. Eine Banane habe er bekommen, weil er nichts zu Mittag gegessen habe, sagt er. Er habe nicht gewusst, dass er zwei Stunden vor dem Spenden etwas hätte essen sollen. Und nein, er rauche nicht, muss also damit auch nicht zwei Stunden warten.

Der Nedlitzer ist einer von zwei Erstspendern am Diensttagnachmittag und ist ein Beispiel für die gewandelte Spenderkultur, denen sich die Blutspende-Dienste wie das Deutsche Rote Kreuz gegenüber sehen. "Bis vor wenigen Jahren wurden Erstspender nur bis zum Alter von 60 Jahren akzeptiert, höchstens 68 Jahre durften Spender alt sein", erzählt Gudrun Hänsel, Mitarbeiterin des DRK Bitterfeld-Zerbst/Anhalt. "Das wurde aufgehoben. Einige Menschen können auch Blut spenden, wenn sie jenseits der 68 Jahre sind", erklärt sie.

Zudem stelle sie fest, dass das Alter der Erstspender ansteigt. Genaue Statistiken habe sie nicht, aber es sei sehr deutlich zu bemerken.

Dabei habe es viele Vorteile, zum Blutspenden zu gehen. Zwar gebe es kein Geld, aber meist eine kleine Stärkung. "Für Mehrfachspender gibt es dann eine kleine Aufmerksamkeit beim dritten, sechsten und zehnten Mal", fügt sie an. Ab dem 50. Mal gebe es sogar Gutscheine zu den runden Spenden.

Der größte Vorteil sei die Blutuntersuchung, die bei der ersten Spende vorgenommen werde. Dabei werden die Blutgruppe und der Rhesusfaktor bestimmt. Darüber hinaus wird das Blut auf Krankheiten untersucht. "Selbst, wenn der Erstspender für eine Spende nicht in Frage kommt, bekommt er bei uns die Untersuchung kostenfrei", erzählt die DRK-Mitarbeiterin. Abgelehnt werden Spender aus verschiedenen Gründen. "Das kann von einem kürzlichen Aufenthalt im Ausland bis zur Einnahme von Medikamenten reichen, welche den Arzt dazu bewegen, die Spende abzulehnen", sagt die Fachfrau. Die meisten Menschen können den halben Liter Blut jedoch problemlos spenden.

"Man kann selbst in die Situation kommen, Blut zu brauchen."

Gerhard Wöhe, Erstspender aus Nedlitz

Mit den 76 Spendern an diesem Termin könne man relativ zufrieden sein. Schließlich sei Urlaubszeit, viele Spender seien verreist. "Andererseits haben auch gerade deswegen einige Leute Zeit zum Spenden zu kommen", sagt Gudrun Hänsel.

"Man kann selbst in die Situation kommen, Blut zu brauchen", sagt Gerhard Wöhe. Das sei seine Motivation sich an diesem Nachmittag als Spender zum ersten Mal zur Verfügung zu stellen. Gebraucht habe er selbst noch keine Spende.

Auch Steffen Richter hat noch kein gespendetes Blut gebraucht. Der 47-jährige Zerbster spendet gerade zum 30. Mal. Auch für ihn zählt der Gedanke, dass er selbst einmal in die Situation kommen könnte, Blut zu benötigen. "Ich spende schon seit fast 15 Jahren, also gar nicht so häufig", sagt er. Am liebsten besuche er die Termine in der Bank, erklärt er. "Die Atmosphäre gefällt mir am besten."

Gudrun Hänsel: "Wir haben dort traditionell mehr Spender als in der Ganztagsschule in Zerbst, in der wir in diesem Jahr sogar siebenmal sind."

Sechsmal im Jahr dürfen Männer spenden, viermal Frauen. Nur wenige gehen wirklich so häufig, sagt Gudrun Hänsel. "Aber es gibt Stammspender, die in diesem Jahr schon dreimal gespendet haben."

Nur fünf Minuten dauert es, bis Gerhard Wöhe seine erste Spende abgegeben hat. Damit ist er einer von 43 Erstspendern in diesem Jahr im Gebiet des Regionalverbandes.

20 spendeten dabei direkt in Zerbst, die anderen in den Ortschaften. 1078 Menschen haben bislang bei den 31 Blutspendeterminen gespendet.

"Das war problemlos. Es fühlte sich wie beim normalen Blutabnehmen an", erzählt Gerhard Wöhe. "Probleme mit Schwindel oder Schwäche hatte ich nicht. Wenn es sich ergibt, gehe ich wieder spenden", fügt der selbstständige Tiefbauer an.

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