Etwa 20 000 Bände umfasst der Bücherbestand, den Prof. Dr. Hildburg Bethke testamentarisch der Zerbster Francisceumsbibliothek vermachte. 300 Doppelexemplare kehren nun an ihren letzten Wohnort - nach Wuppertal - zurück.

Zerbst/Wuppertal l "Ich freue mich außerordentlich, dass wir dieses großherzige Geschenk entgegennehmen können." Erfreut blickt Heiner Thormeyer auf die 16 braunen Kartons, in denen gut verpackt 300 Bände ruhen. Es handelt sich um Bücher über Kunst und Architektur, Geschichte und Philosophie, Religion und Musik sowie Reisetagebücher, Lexika und Biografien zu historischen Persönlichkeiten. Die Werke stammen allesamt aus dem Nachlass von Prof. Dr. Hildburg Bethke.

Während des Zweiten Weltkrieges zog ihre Familie von Dortmund nach Zerbst. "Das war kontraproduktiv. Sie sind hier völlig ausgebombt worden, während das Haus in Dortmund unverzehrt blieb", berichtet ihr Neffe Jürgen Bethke. Er erzählt, wie seine Tante am Francisceum ihr Abitur ablegte. "Sie hat die Schule nie vergessen." Nach der Maueröffnung nahm die Oberstudienrätin, die von 1963 bis 1996 als Hochschulprofessorin an der Universität Frankfurt/Main tätig war, Kontakt zum Francisceum auf. Sie wurde Vorstandsmitglied im Förderverein der traditionsreichen Bildungsstätte, für die sie sich sehr engagierte.

Brandsatz vernichtet Schulbibliothek

Zuletzt lebte Hildburg Bethke in Wuppertal, wo sie 2006 nach schwerer Krankheit verstarb. Ihren gesamten Bücherbestand übertrug sie testamentarisch der Francisceumsbibliothek. Ein großer Lkw mit Anhänger traf daraufhin in Zerbst ein, wie sich die Bibliothekarin Petra Volger erinnert. In gut 500 Kartons lagerten etwa 20 000 Werke aus den verschiedensten Bereichen, die nach und nach eingepflegt wurden - in die moderne Schulbibliothek wie auch in die historische Francisceumsbibliothek.

Im Februar diesen Jahres wandte sich Jürgen Bethke mit einem speziellen Anliegen an den Schulträger, den Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Er bat zu prüfen, ob im Nachlass seiner Tante Doppelexemplare vorhanden sind, die dem Verein der Freunde des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums des Schulzentrums Süd in Wuppertal überlassen werden könnten. Dieser unterhält und betreibt seit 2002 die dortige Schulbibliothek. Im vorigen Jahr "kletterte ein Finsterling auf das Vordach, schlug ein Fenster ein und warf einen Brandsatz hinein", schildert Heiner Thormeyer die unsinnige Tat. Zwar war die Feuerwehr zügig vor Ort, doch aufgrund der starken Rauchgasentwicklung musste der gesamte Bücherbestand entsorgt werden, blickt der Vereinsvorsitzende zurück. "Bis auf die 200 ausgeliehenen Bände", bemerkt er. "Wir bauen die Bibliothek jetzt langsam wieder auf." Dank der Spenden von Eltern gibt es inzwischen wieder einen Grundstock von 4000 Büchern.

Weitere 300 kommen nun hinzu. "Ich mag Bücher, die man in die Hand nehmen kann", gibt Landrat Uwe Schulze zu, kein Freund elektronischer Bücher zu sein. Umso mehr freut er sich, persönlich bei der Übergabe der vielen Bände anwesend zu sein.

Unterrichtsraum erinnert an Professorin Bethke

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Iruta Völlger hatte Petra Volger den Bethke-Nachlass auf Doppelexemplare hin gesichtet, dokumentarisch erfasst und letztlich verpackt. Insgesamt 320 Kilo bringen die Werke auf die Waage, die Heiner Thormeyer mit nach Wuppertal nehmen sollte. Zuvor unterzeichnet er - wie vor ihm bereits Uwe Schulze - den Schenkungsvertrag zwischen dem Landkreis und dem Schulförderverein.

Bevor sich die gesellige Runde wieder trennt, besichtigen alle gemeinsam noch den im Andenken an Hildburg Bethke eingerichteten Gedenkraum im Alumnatskorridor, in dem nicht nur einige ihrer Bücher stehen. "Ich unterrichte hier Wirtschaft", bemerkt die stellvertretenden Schulleiterin Veronika Schimmel.

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