Zerbst l Einen gelungenen Auftakt der diesjährigen Konzertreise des russischen Männerchores "Heiliger Wladimir", erlebten am Sonnabend die Zuhörer in der Bartholomäikirche in Zerbst. Unter der Leitung von Nikolai Boglewski brachten die sieben Sänger mit kraftvollen und ausdrucksstarken Stimmen russisch-orthodoxe Gesänge wie sie in der Kultur der Ostkirche zu hören sind, als auch russische Volksweisen dem begeisterten Publikum nahe. Begleitet wurde der Chor von Dr. Heinz Wehmeyer, Projektleiter der deutsch-russländischen Gesellschaft in Wittenberg. Anschaulich berichtete er über die russische Kultur und über die dortige Lebensweise der Menschen. Seit Jahren steht der Verein mit dem vor 21 Jahren gegründeten Chor in Verbindung.

In einem ersten Teil des Konzertabends erklangen vor allem Stücke, die im orthodoxen Kirchenleben eine Rolle spielen. Hymnisch erklang "Gott behüte den Zaren", danach tiefe und innige Gesänge der Eucharistie, darunter auch von Nicolai Boglewski bearbeitet Stücke wie "Die Macht der Liebe" und das "Vater Unser".

Ganz anders gestalteten die Chorsänger den zweiten Teil des Konzertabends. Zuvor andächtig, erklangen nun Volksweisen. Darunter waren auch bekannte Lieder, die so mancher Zuhörer noch aus der Schulzeit kennt. So freuten sich die Zuhörer über ein kräftig gesungenes "Die Gedanken sind frei" und ein bisschen mehr noch über die Geschichte des Mädchen "Katjuscha", das sehnsüchtig einen Brief ihres Freudes aus der Heimat erwartet.

Erstmals in ihren Konzerten erklang das bekannte "Kalinka". Bisher hatte das lebendige Stück nie ganz in das sonst ruhigere Programm gepasst, nun aber erfreute es das Publikum umso mehr. Begeistert applaudierten sie den russischen Sängern. Eben noch fröhlich sangen die Sänger dann wiederum flehend von der Hoffnung und dem Gebet des Soldaten im Lied "Steht ein Soldat am Wolgastrand", der Gott in einem Gebet um einen schützenden Engel bittet.

Dr. Wehmeyer ließ es sich an dieser Stelle nicht nehmen, daran zu erinnern, dass in diesen Tagen der Opfer des Ersten Weltkrieges gedacht wird und er wünschte sich, dass irgendwann einmal die Zeit kommt, da dieses Lied und die darin enthaltende Bitte für jeden Soldaten gelten könne. Auch für dieses anrührende Stück belohnten die Zuhörer mit Applaus.

Doch nicht nur musikalische Freude soll die Konzertreise bringen. In den kommenden vier Wochen ist der Chor "Heiliger Wladimir" in der Region Brandenburg, in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein unterwegs. Die Sänger treten unterwegs in Seniorenheimen auf, geben am Abend Konzerte, mit denen sie für das Moskauer Kinderkrankenhaus "Heiliger Wladimir" um Spenden bitten. Bei dem Konzert am Sonntag kamen insgesamt 550 Euro zusammen.

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