Die Firma Özkan Energiemarketing EF fordert Zerbster Mieter auf, 99,90 Euro für die Ausstellung eines Energiepasses für ihre Wohnung zu bezahlen. So etwas sei nur für Gebäude notwendig, sagt Günter Schuckert, Vorsitzender von "Haus und Grund" in Zerbst.

Zerbst l Etliche Mieter in Zerbst erhielten kürzlich Post von der Firma Özkan Energiemarketing. Die Firma forderte die Mieter dazu auf, 99,90 Euro an sie zu überweisen, damit die Firma einen Energieausweis für ihre Wohnung ausstellen kann. Dieser - darauf verweist das Schreiben auch - sei nämlich gesetzliche Pflicht und zwar seit dem 1. Mai 2014.

Und das ist das Perfide an der Sache, denn: Wirklich ergab sich an diesem Datum eine Änderung in der Gesetzgebung in Bezug auf Energiepässe. "Allerdings haben Mieter damit gar nichts zu tun", weiß Günter Schuckert, Vorsitzender des Vereins "Haus und Grund" in Zerbst.

Schuckert, selbst selbstständiger Energieberater klärt auf: "Energiepässe gibt es ausschließlich für Gebäude, nicht für Wohnungen." Ziel dieser Pässe sei es - aus Sicht der Bundesregierung - die Ziele des Kyoto-Protokolls 2020 zu erreichen. Dort habe sich die Bundesregierung verpflichtet, den C02-Ausstoß bis dann zu halbieren. "Dafür müssen auch Gebäude effizienter werden. Von 160 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr Energie für Wärme sollen dann 100 Kilowattstunden erreicht werden." Für Mieter werde dieser Wert umgerechnet in Euro/Quadratmeter/Jahr. "Das ist wesentlich transparenter", so Schuckert. Und weil das so ist, sind Besitzer verpflichtet, beim Verkauf oder bei der Vermietung von Gebäuden den Energieausweis zu zeigen. "Vorher mussten sie ihn auf Nachfrage zeigen, nun müssen sie ihn auch unaufgefordert zeigen -das ist die Änderung seit Mai 2014", betont Schuckert.

Dass Wohnungen einen Energieausweis benötigen, sei schlichtweg nicht sinvoll. Der Wert könne sehr leicht errechnet werden. Für ein Gebäude kostet ein Energieausweis mehrere hundert Euro und bedürfe in jedem Fall auch die Besichtigung des Gebäudes.

Es sei ja nicht ausgeschlossen, dass die Firma Özkan Ernergiemarketing im Stande sei, die Ausweise auszustellen. "Nur notwendig sind sie einfach nicht."

Kriminalrat Ralf Moritz von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost rät davon ab, die Summe zu zahlen. Noch liege der hiesigen Polizei keine Anzeige vor, Betroffene können aber Anzeige erstatten, damit die Polizei dem Sachverhalt nachgehen könne, sagte er.

In anderen Bundesländern ist der Sachverhalt schon bekannt, dort kam es auch zu telefonischer Kontaktaufnahme.

Die Verbraucherzentrale in Bayern gibt bekannt, dass es sich um ein Schweizer Konto handele, was die Verfolgung im Falle einer Zahlung erschwere. Sie rät, nicht auf Anrufer einzugehen und die Telefonate schnell zu beenden, keine Zahlungen vorzunehmen, den Vorfall anzuzeigen und schriftlich zu widersprechen.

Weitere Infos: www.verbraucherzentrale-bayern.de/oezkan-energiemarketing-ef

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