Das Jubiläum 100 Jahre Speicher wird am 13. September in Buhlendorf zünftig gefeiert. Die Vorbereitungen liegen in Händen des Buhlendorfer Kultur- und Heimatvereins. Der hat sich ein ganz besonderes Speicher-Quiz dazu einfallen lassen, an dem die Leser der Volksstimme teilnehmen können.

Buhlendorf l Mit Musik und Kinderbelustigungen bei Kaffee und Kuchen geht es am Sonnabend, 13. September, um 14 Uhr los mit der Geburtstagsfeier für den Buhlendorfer Speicher. Stolze 100 Jahre kann das Musterbauwerk für Getreidewirtschaft, Denkmal und Wahrzeichen des Ortes vorweisen. Das wollte der Buhlendorfer Kultur- und Heimatverein würdig begehen.

Eine Modenschau ist für 15.30 Uhr angesetzt, eine Stunde später sind die Darbietungen der Schweinitzer Tanzgruppe zu erleben. Um 17 Uhr werden die Trommler von El Absurdo ordentlich einheizen, bevor um 18 Uhr der Hobby-Tanzklub aus Jüterbog mit Tänzen, Liedern und Geschichten aus dem Alten Berlin auftritt.

Spannend dürfte es dann um 19 Uhr werden, wenn die Auslosung des Wissensquiz stattfindet. Die Preise können sich sehen lassen mit einem Rasenmäher als Hauptgewinn, Saugroboter und Säulengrill als 2. und 3. Preis.

Wer mitmachen will, muss aber auch einiges wissen über Buhlendorf und seinen Speicher, der ein technisches Meisterwerk ist. Natürlich ist einiges in der Volksstimme zu erfahren. Ein paar Hinweise finden sich schon nachfolgend, andere in den weiteren Ausgaben der Volksstimme.

Das Fachwerk wurde auf einer quadratischen Grundfla¨che von 18 mal 18 Metern errichtet. Das Bauwerk ragt 29 Meter in die Ho¨he und ist weithin sichtbar. Auf mehreren Bo¨den u¨bereinander konnte Getreide gelagert werden. Das war durch Elevator-Technik mo¨g- lich. Der Buhlendorfer Speicher war einer der ersten Speicher weltweit, der damit ausgestattet wurde.

Diese Technik ermo¨glichte es, das Getreide von unten bis ganz nach oben unters Dach zu befo¨rdern, wo es durch eine Drehrohrverteilung im Turmaufsatz des Daches verteilt wurde. Jeder Punkt des Speichers war erreichbar. Die einzelnen Schu¨ttbo¨den wurden nach Bedarf gefu¨llt oder geleert.

Die Fallscha¨chte verfu¨gen u¨ber O¨ffnungsklappen in den einzelnen Etagen, ebenso kann Getreide dem ho¨lzernen Kanalsystem wieder zugefu¨hrt werden. Die Drehrohrverteilung war von unten aus steuerbar.

Das Buhlendorf einen solchen modernen Speicher bekam, hat der Ort einem gewissen Julius Karl Sperling zu verdanken. Die Familie Sperling pachtete 1882 die Doma¨ne.

Der Amtsrat Sperling sorgte fu¨r eine ordentliche Melioration der La¨ndereien und Grundstu¨cke, setzte neue Maschinen und Gera¨te bei der Feldbearbeitung ein, begann mit der mineralischen Du¨ngung. Sperling hatte Er- folg, setzte auf die Theorien von Justus Liebig (deutscher Chemiker 1803 bis 1873) und dessen Erkenntnisse fu¨r die Landwirt- schaft.

Buhlendorf entwickelte sich zu einem Saatzuchtbetrieb, geho¨rte 1910 sogar zu den 100 wichtigsten in Deutschland. Die Qualita¨t bei der Gelb- und Gru¨nkornzu¨chtung beim Roggen brachte Sperling 1910 den "Grand Prix" bei der Weltausstellung in Bru¨ssel ein. Das Buhlendorfer Korn hatte damit die ho¨chstmo¨gliche Auszeichnung erhalten, die es gab.

Daraufhin konnte es sich der Amtsrat leisten, einen moder- nen Speicher fu¨r das beru¨hm- te Buhlendorfer Saatgut bauen zu lassen. Nur viermal wurde derselbe Typ gebaut, weshalb der Buhlendorfer Speicher 1993 als technisches Meisterwerk unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Mit Fo¨rdergeldern, einer Co-Finanzierung durch den Landkreis und Gemeindemitteln konnte der Buhlendorfer Speicher 1997 bis 2000 saniert werden. 417 000 D-Mark wur- den dabei investiert. Zusa¨tzli- che Eigenleistungen in Ho¨he von 120 000 D-Mark erbrachten die Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins.

Die feierliche Wieder-ero¨ffnung des Buhlendorfer Speichers als kultureller Treffpunkt zur Pflege von traditionellem Handwerk und Landwirtschaft wurde am 19. September 2000 zelebriert. Zur Einweihung fand der Regionale Erntekronenwettbewerb statt, weitere dieser Wettbewerbe folgten bis 2011.

Die verschiedensten kulturellen Veranstaltungen haben in den Jahren im Speicher stattgefunden. Wissenschaftliche Tagungen wurden in das vor Jahren noch etwas mehr als 240 Einwohner zählende Dorf verlegt. Es gab Weinabende, Kabarettprogramme. Zu zahlreichen privaten Feierlichkeiten wurde der Speicher gebucht.

Nun werden zahlreiche Gäste aus nah und fern zum Jubiläum erwartet. Die können sich dann selbst ein Bild machen von dem imposanten Bauwerk, das auch im Wappen des Ortes, der zur Stadt Zerbst gehört, zu finden ist. An dem Abend nach der Preisverleihung darf ab 20 Uhr noch kräftig das Tanzbein geschwungen werden. Neben dem Tanz mit Ruppel gibt es noch Livemusik mit dem DSDS-Star Phil Stewman.

 

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