Seit dem 1. Juli ist Holger Sticherling als Regionalbereichsbeamter in Zerbst unterwegs. Seine anfänglichen Erfahrungen seien gut, erzählt der 50-Jährige, dem die Aufgabe viel Freude bereitet.

Zerbst l Eines seiner Anliegen sei es, das Bild des Polizisten ein wenig zurechtzurücken. "Ich habe schon gehört, wie Eltern ihren Kindern drohen, dass sie zum Polizisten müssen, wenn sie unartig sind", erzählte Holger Sticherling, der Regionalbereichsbeamte in Zerbst. Das gefalle ihm nicht. Kinder sollten keine Angst vor der Polizei haben, findet er.

Die Funktion des Regionalbereichsbeamten (RBB) ist neu und ein Teil der Polizeireform in Sachsen-Anhalt. Die Philosophie sei, "dass wieder ein Polizist vor Ort ist und Kontakt zu den Bürgern hat", erläuterterte Ralf Moritz, Sprecher der Polizeidirektion Ost in Dessau.

Das bedeutet für Holger Sticherling Kontakte aufzubauen. "Momentan stelle ich mich bei den Ortschaftsräten vor", erzählte er. Er habe sich eine Sitzungsliste von der Stadtverwaltung geben lassen und "fahre dort unangekündigt hin und erkläre, was meine Aufgabe ist." Das sei vor allem Präventionsarbeit. "Besuche in Schulen und Kindergärten gehören zum festen Plan. Dort helfe ich bei dem verkehrssicheren Fahrrad ebenso wie ich Vorträge zum Mobbing unter Schülern auf dem Schulhof oder im Internet halte", erzählte er weiter. Dorffeste besuche er ebenfalls. "Dort zeige ich Kindern das Polizeifahrzeug und komme mit den Leuten ins Gespräch", fügte er an. Um Hilfe gebeten sei er auch schon worden, sagte er. Die Leiterin der Kindertagesstätte "Benjamin Blümchen", Heike Schrödter, habe ihn angefragt, erzählte er. "Mit Erziehern und Kindern der Kita bin ich durch den Schlossgarten gegangen, weil es dort zu einem Zusammenstoß zwischen Radfahrern und einem Kind gekommen war", berichtete er. Es sei natürlich nicht verboten im Schlosspark Rad zu fahren, aber es sollte Rücksicht auf die Fußgänger genommen werden. "Als ich dabei war, fuhren die alle ordentlich", fügte er an.

"Ich habe kurz darauf auch eine Anfrage von einer anderen Kindertagesstätte bekommen", sagte Sticherling. "Langsam spricht es sich herum." Alle 24 Ortschaftsräte und zudem Vereine und Einrichtungen wolle er besuchen. Das dauere natürlich etwas. Vor allem, weil er momentan allein im Einsatz sei. Für Zerbst gibt es eigentlich zwei RBB. Beide sind nicht mehr mit dem Alltagsdienst betraut, sie sollen sich ganz auf ihre neue Aufgabe konzentrieren können.

Sticherlings Kollege ist allerdings für längere Zeit erkrankt. "Der Kollege wurde auf Grund seiner Qualifikationen ausgewählt. Die Erkrankung konnte nicht vorhergesehen werden", stellte Sprecher Moritz klar. Für eine Vertretung fehle das Personal. "Eine Urlaubsvertretung für die RBB wird es allerdings geben", fügte er an. Noch sind nicht alle Planstellen besetzt, das soll bis Ende 2015 geschehen.