Kinder aus dem Hort "Kunterbunt" zu Gast beim Steintreffen: Nach dem Besuch der Steinmetze vorm Zerbster Schloss will Erik auch Handwerkergeselle werden. Lea hingegen findet die Arbeit mit dem Krönel ein bisschen zu schwer.

Zerbst l Tomaten, Mirabellenmarmelade, Waffeln, Würstchen: Die Kinder aus dem Hort Kunterbunt und Erzieherin Monika Bustro kamen am Mittwoch mit vollen Händen zum Zerbster Schloss. Dort leben derzeit in den alten Gemächern 20 Wandergesellen. Es ist das erste Steintreffen im Zerbster Schloss. Die Steinmetze haben sich zum Ziel gesetzt, 16 Säulen für das Treppengeländer originalgetreu nachzubauen. Die meterlangen Sandsteinplatten für die Handläufe sind am Mittwochmorgen auf dem Hof angeliefert wurden.

Gleich dahinter haben die Handwerker einen großen Findling abgestützt. Extra für die jungen Besucher. Sie haben die Kinder vom Hort Kunterbunt eingeladen, sich einmal selbst an Krönel, Schlageisen und Knüpfel auszuprobieren. Steinmetz Maxim zeigt ihnen, wie es geht. "Schön flach ansetzen", erklärt der Bamberger die Arbeit mit dem Krönel, um den Stein erstmal grob zu bearbeiten. Maxim war vier Jahre lang auf Wanderschaft. Jetzt ist er wieder ein "Einheimischer". Doch beim 20. Steintreffen wollte er dabei sein.

Jetzt ist Lea dran: Kleine Steine fliegen durch die Luft. Die Siebenjährige kneift die Augen zu. "Das ist ganz schön schwer." Also lieber doch Tierärztin werden. "Wir wollen die Kleinen ja auch ein bisschen fürs Handwerk begeistern", erklärt Maurer Achim. Der 26-Jährige aus dem bayerischen Franken ist einer der Organisatoren. Er hat die Erfahrung gemacht, "dass immer weniger junge Leute einen Handwerksberuf lernen wollen".

Doch in dem neunjährigen Erik hat er vielleicht Nachwuchs gefunden. "Das macht echt Spaß." Eifrig schlägt er mit dem Klüpfel auf das Schlageisen, um den Stein zu bearbeiten. Einen Beruf am Schreibtisch könnte sich der Grundschüler nicht vorstellen. Der sechsjährige Max schon: "Ich habe Angst vor dreckigen Fingern." Auch seinem Kumpel Sammy sei die Arbeit zu staubig.

Charlotte wundert sich eher über die zerschlissene Weste von dem Steinmetz, der gerade die Schablone für die nächste Säule auf den Sandsteinklotz legt. "Der sieht ja ganz verlottert aus." Warum seine Arbeitskleidung eingerissen ist, kann Steinmetz Frieda sofort erklären. "Ich bin schließlich schon über fünf Jahre unterwegs." Das findet die siebenjährige Charlotte zu viel. "Ihr müsst doch aber nur drei Jahre und einen Tag." Das sei eben die Regel, aber wer länger will, kann natürlich länger.

Hortnerin Monika Bustro hatte vor dem Besuch am Schloss den Ferienkindern die Tradition der Wandergesellen erklärt: Kein Handy besitzen, immer 50 Kilometer weit entfernt von Zuhause arbeiten, kein Geld für Unterkunft und die Reise ausgeben und mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein.

Nichts für Charlotte - für den 28-jährigen Frieda aus dem Vogtland schon. Er ist schon so lange unterwegs, "weil es einfach lustig ist". Immer neue Ecken des Landes, neue Aufgaben und neue Gesichter. Auf drei Steintreffen war Frieda bereits dabei. "Beim meinem ersten Treffen haben wir eine Treppe in Rumänien gebaut." Die Aufgabe im Zerbster Schloss gefalle ihm besonders gut. So einen Balluster habe er auch als Gesellenstück gebaut. "Da kann man sehr gut nachprüfen, wie genau gearbeitet wurde." Die Winkel müssten dabei exakt stimmen.

Wer den Wandergesellen bei ihrer Arbeit zusehen will, hat dazu noch bis Sonntag, 14. September, vorm Schloss die Möglichkeit.

 

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