Der Skiausflug, die Schneeballschlachten, die Lebensläufe nach dem Abschluss: Keine Minute herrschte am Sonnabend Stille an der großen Tafel im Zerbster Gildehaus. 60 Jahre nach ihrer Einschulung hatten die Schüler der zweiten Zerbster Mittelschule dort Klassentreffen.

Zerbst l 50 Jahre lang ist Ursula Littmann keinem ihrer damaligen Klassenkameraden über den Weg gelaufen. 50 Jahre lang ist Ursula Littmann nicht in Zerbst gewesen. "Man musste erstmal raten, wer da vor einem steht", sagt die Berlinerin. Es gebe keinen, der sich nicht verändert hat. 37 ihrer ehemaligen Klassenkameraden sind zum Treffen ins Gildehaus gekommen. Alle wurden 1954 eingeschult. "Mich hat so gut wie keiner wiedererkannt."

Ihre Adresse haben die Organisatoren über die Kollegin von Ursula Littmanns Schwester herausgefunden. "Es war nicht einfach zu allen Kontakt aufzunehmen", erklärt Elke Baumgarten. Und erinnert sich mit einem Schmunzeln an die Klassenfahrt nach Neustrelitz. "Für eine, die nicht Skilaufen konnte, waren die Berge dort ziemlich hoch."

Gemeinsam mit Manfred Richter, Gabi Lohse und Rolf Klippstein hat sie das Klassentreffen - nach 60 Jahren Einschulung - organisiert. "Die Namen hatten wir alle aus einem alten Klassenbuch." Darunter auch Regina Krüger. Die einstige Zerbsterin wohnt heute in Siegen. "Sich nach 58 Jahren wiederzusehen, ist toll", freut sich Elke Baumgarten, dass sie über ehemalige Nachbarn auch Regina Krüger ausfindig machen konnte.

Einfacher war es bei den ehemaligen Mitschüler, die heute noch in Zerbst leben - wie Bernd Schumann. 20 Jahre lang war er der Geschäftsführer der Zerbster Stadtwerke. Am Sonnabend sitzt er zwischen seinen Schulfreunden von damals und spricht über "Schneebälle, die durch den Klassenraum flogen". Im Winter seien Schneeballschlachten zwischen den Schulbänken an der Tagesordnung gewesen. "Aber den Lehrer haben wir nie beworfen", beteuert Schumann.

Daran konnte sich Gerhard Matthies auch nicht erinnern. Der heute 98-Jährige war Kunstlehrer in der Mittelschule. "Darüber freue ich mich am meisten, dass der Lehrer, der einen erheblichen Eindruck bei mir hinterlassen hat, auch dabei ist", sagt Ursula Littmann. Was sie traurig stimmt: "Das bereits so viele aus unserer Klassenstufe verstorben sind, vor allem Männer." 75 Namen haben die Organisatoren in den alten Klassenbüchern gefunden. Bis zur achten Klasse ging man gemeinsam auf die Mittelschule. Dann lernte ein Teil einen Beruf, ein anderer blieb bis zum Abschluss in der zehnten Klasse und wenige wechselten zur Erweiterten Oberschule.

"Danach wurden beide achten Klassen zusammengelegt", erinnert sich Ursula Littmann. Nach ihrem Abschluss ging sie 1965 mit ihren Eltern nach Berlin. Zurück in Zerbst ist sie positiv überrascht. "Es hat sich hier wirklich viel verändert, es wurde viel gemacht." Wie ihre alte Schule jetzt aussieht, hat sie sich gleich am Freitagabend angesehen. Alle anderen hatten dazu am Sonnabend die Chance. Ursula Littmann entschied sich für die Alternative Schlossbesichtigung - bevor dann am Abend weiter gefeiert wurde.