Am 9. Juli 2010 fanden im Zerbster Schlossgarten die festliche Enthüllung und Weihe des deutschlandweit einzigen Denkmals für Zarin Katharina II. statt. Dazu erreichte die Redaktion ein Leserbrief: Der namhafte Moskauer Bildhauer Michail Perejaslawez schuf die junge Zerbster Prinzessin in Bronze mit Blick auf das elterliche Schloss und mit der linken Hand zielgerichtet auf die Symbole der Macht verweisend.

Schon im Zerbster Heimatkalender 2011 stellte ich eine Übersicht mit kurzen Erläuterungen über die Denkmale für Zarin Katharina II. im einstigen und heutigen Russland, in der Ukraine, in Litauen, Moldawien und Deutschland zusammen. Dabei fanden sowohl einst zerstörte wie auch wiedererrichtete und neu geschaffene Katharina-Denkmale Erwähnung.

Da es mir im Juni diesen Jahres möglich war, in Kiel der Enthüllung des Denkmals für Zar Peter III., den Ehegatten Katharinas II., persönlich beizuwohnen, begann mich die Frage zu interessieren, ob nach dem Sommer 2010 noch weitere Denkmale für Zarin Katharina II. aufgestellt worden sind. Und falls ja, wo. Eine Frage, die wohl auch bei den Zerbstern auf Interesse stoßen dürfte.

Meine diesbezüglichen Recherchen führten mich in den Ural, konkret in die Stadt Irbit, aber auch in das Umland der russischen Städte Tula und Krasnodar sowie in den Austragungsort der letzten Olympischen Winterspiele - nach Sotschi. Auch in die Zerbster russische Partnerstadt Puschkin führte der Weg.

Im 204 Kilometer östlich von Jekatherinburg gelegenen Irbit, dem Zarin Katharina II. per Ukas im Jahre 1775 das Stadtrecht zuerkannte, wurde bereits 1883 ein vom Bildhauer Michail M. Mikeschin gestaltetes Denkmal für Katharina II. aufgestellt. Im Zuge der gesellschaftlichen Umwälzungen, die verstärkt mit dem Ausbruch es Ersten Weltkrieges das Russische Reich erfassten, kam es 1919 zur Demontage des dortigen Katharina-Denkmals. Anstelle der Zarin zierte nun eine Leninbüste den "kaiserlichen" Sockel. Im Jahre 2002 fasste der Irbiter Stadtrat den Beschluss zur Wiederaufstellung des Katharina-Denkmals.

Angliederung der Krim gewidmet

Im August vorigen Jahres erfolgte nun seine Aufstellung. Das heutige Katharina-Denkmal in Irbit stellt eine fast detailgetreue Kopie des verloren gegangenen Denkmals dar und der Stadtrat sieht darin " eine Rückkehr zu guten Traditionen". Nun stehen die Denkmale für Katharina II. und für Lenin in Irbit nebeneinander.

In Anwesenheit zahlreicher Kuban-Kosaken wurde Ende Juli diesen Jahres in der am Ufer des Asowschen Meeres gelegenen Siedlung Morskij Eiskij (Gebiet Krasnodar) die Aufstellung einer Büste für Katharina II. aufgestellt. Gewidmet ist dieses Ereignis der Angliederung der Krim an Russland im Jahre 1783 und es fand im Rahmen des Projektes " Allee des russischen Ruhmes" statt. Dieses Denkmal stammt aus der Werkstatt des namhaften zeitgenössischen Bildhauers Alexander Apollonov, der auch das 2006 in Krasnodar enthüllte Denkmal für Katharina II. geschaffen hatte. In das Projekt " Allee des russischen Ruhmes" reiht sich auch die Aufstellung einer Bronzebüste für Katharina II. in Sotschi ein. Seit dem 28. April 2011 befindet sich eine solche auf dem Gelände der dortigen Mittelschule Nummer 10. Diese Schule hat die Pflege der Traditionen des Zusammenlebens der Kuban-Kosaken in ihr Bildungsprogramm integriert. Die Katharina - Büste in Sotschi ist eine kleine Kopie des Katharina-Denkmals in Krasnodar. Mitte August dieses Jahres wurde in Anwesenheit örtlichen Prominenz ein Denkmal für Katharina II. in der Stadt Jasnogorsk im Gebiet Tula errichtet. Dieses Denkmal befindet sich auf dem Gelände der dortigen Eisenbahnstation, da Katharina II. sich vor allem auch um die Entwicklung der Industrie, des Staatswesens und der Kultur ihres Reiches bemühte. Das Katharina-Denkmal in Jasnogorsk stammt aus der Werkstatt des verdienten russischen Bildhauers und Mitglieds der Russischen Akademie der Künste Alexander Burganov.

Denkmal aus Ruinen neu errichtet

Zerbsts Partnerstadt Puschkin bei St. Petersburg ist voll von Kunstwerken und Denkmalen. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte dort die Errichtung eines Denkmals für Zarin Katharina II.. Es war sozusagen ein "Überbleibsel" von 1861 durch die Russische Akademie der Künste gestartete Ausschreibung für das Katharina-Denkmal in St. Petersburg. Geschaffen wurde es von Michail O. Mikeschin. Im Zuge des Abtransportes wertvoller Kunstgegenstände aus Puschkin in den Jahren 1942/43 durch deutsche Truppen ging es verloren und blieb bis heute verschollen.

Anlässlich des 300. Stadtgeburtstages von Puschkin im Jahre 2010 wurde dort die Kirche der Heiligen Katharina sozusagen aus den Ruinen wiedererrichtet. Vor dieser Kathedrale, die nun wieder in neuem Glanz erstrahlt, enthüllte man Ende Juni vorigen Jahres ein Denkmal für Zarin Katharina II, das in seiner Ausführung sehr an ein Porträt Katharinas II. von Rokotow erinnert. Wenn man die Katharina-Büste in der Cameron-Galerie des Katharina- Palastes außer Acht lässt, ist dieses Denkmal das zweite für Katharina II. in Puschkin.

Zurzeit zeigt der Internationale Förderverein "Katharina II." im Zerbster Schloss eine Fotoausstellung über das Kunst-, Landschafts - und Museumsreservat "Zarizyno", rund 18 Kilometer vom Moskauer Stadtzentrum entfernt. Im dortigen Großen Paradesaal steht eine 2,60 Meter hohe und drei Tonnen schwere Statue Katharinas II., gefertigt aus Carrara-Marmor vom Bildhauer Alexander M. Opekuschin. Diese Statue, die von 1896 bis 1917 im Gebäude der Moskauer Stadt Duma ihr Domizil hatte, "schlummerte" jahrzehntelang in armenischen Nationalmuseum in Jerewan, bis sie 2003 an Russland zurückgegeben wurde.

Durch die relativ intensive Beschäftigung mit dieser Thematik erhält man nicht nur einen Einblick in die russische Historie, auch in die der deutsch - russischen Beziehungen, die in Europa jahrhundertelang eine wesentliche Rolle spielten und spielen.

Annegret Mainzer, Zerbst