Kraftfahrer benötigen derzeit etwas Geduld, wenn sie durch Zerbst fahren. An verschiedenen Stellen der Stadt finden momentan Tiefbauarbeiten statt. Die Folge sind gesperrte Straßen, Umleitungen und damit verbunden weitere Fahrstrecken.

Zerbst l In der Magdeburger Straße werden gegenwärtig Schachtabdeckungen der Schmutzwasserabflüsse erneuert. Autofahrer, die Zerbst aus Richtung Magdeburg erreichen, fahren zurzeit einen Umweg über den Feuerberg und die Güterglücker Straße zum Dornburger Platz. In die andere Richtung können Fahrzeuge passieren. Noch bis Ende dieser Woche soll diese Umleitung bestehen bleiben, erzählte Christian Herschel, zuständiger Dispatcher von der Heidewasser GmbH.

"Geplant ist die Baustelle bis zur Ende der 38. Kalenderwoche. Wir liegen gut in der Zeit. Ich denke, wir sollten Freitag, 19. September, halten können", fügte er an. Ob dann schon an diesem Tag die Sperrung aufgehoben werden könne oder erst zum Wochenende, liege am weiteren Verlauf der Arbeiten, bemerkte Herschel.

Zwei Wanderbaustellen ziehen weiter

Der zweite Abschnitt der Wanderbaustelle werde gerade am Dornburger Platz vorbereitet. Während der Bauarbeiten soll der Verkehr in beide Richtungen fließen. "Die Ampelschaltung bleibt bestehen, die kleinen Baustellen werden dann umfahren." Ab der kommenden Woche die Schachtklappen an diesem Abschnitt erneuert werden. Die Dauer sei auf rund eineinhalb Wochen taxiert. Vereinzelte Schächte sollen anschließend auf der Breiten Straße erneuert werden. "Dort gibt es zwei Spuren. Der Verkehr wird in beide Richtungen fließen können", sagte Herschel.

Für weitere Einschränkungen sorgen die Tiefbauarbeiten in der Jeverschen Straße. Momentan wird dort der Regenwasserkanal bis zur Kreuzung Dessauer Straße verlegt, weshalb die Durchfahrt hier nun für Kraftfahrer gesperrt ist. Wie es aus der Zerbster Stadtverwaltung heißt, ist der notwendige Regenwasserschacht inzwischen gesetzt.

Die Schmutzwasserleitung wird nachgezogen. Derzeit sind die Bauarbeiter mit dem Setzen des erforderlichen Schachtes beschäftigt. Parallel werden diverse, aus der Dessauer Straße kommenden Leitungen umgebunden.

Fritz-Brandt-Straße erhält Asphaltschicht

Unterdessen ist geplant, den aktuell noch geschotterten Abschnitt zwischen der Kreuzung Fritz-Brandt-Straße/Puschkinpromenade bis vor den Kreuzungsbereich Jeversche Straße/Dessauer Straße mit einer Asphalt-Tragdeckschicht zu überziehen. Sobald diese ausgehärtet und befahrbar ist, wird dieser Teil wieder für den Verkehr freigegeben.

Die Baustelle wandert dann weiter. Bis zum 24. Oktober soll der Bereich zwischen der Dessauer Straße und der Rephunstraße in Angriff genommen werden, informiert die Stadtverwaltung. Gleichzeitig wird angemerkt, dass die ausführende Baufirma für die Beschilderung von Sperrung und Umleitung verantwortlich ist.

Rückblick: Bereits seit Juni ist das Unternehmen in der Fritz-Brandt-Straße im Einsatz. Oberhalb der Nuthe-Brücke starteten die Tiefbauer neben dem Einbau einer Oberflächenentwässerung mit der Erneuerung der Abwasserkanäle. Gleich zu Beginn der Maßnahme fanden sie jedoch die Trinkwasserleitungen unerwartet nahe zum geplanten Kanal vor. Also wurde im Bereich zwischen Nuthebrücke und Einmündung Käsperstraße spontan eine neue Trinkwasserleitung verlegt. Die vorhandene Leitung wurde beim Schachten beschädigt.

Das alte Großsteinpflaster unter der bisherigen dünnen Asphaltdecke vor der Post musste weichen. Da die Straße für die neuen Kanäle auf voller Länge geschlitzt wurde, wurde es entfernt. Die Asphalt-Tragdeckschicht über der Schotterschicht soll laut Bauverwaltung den Anforderungen des Verkehrs an dieser Stelle der Stadt genügen. Beispielsweise ist die Fritz-Brandt-Straße für den Lkw-Durchgangsverkehr gesperrt. Allerdings ist laut Stadt ein grundhafter Ausbau der Fahrbahn vorgesehen - abhängig von der Förderstrategie des Landes.

Während die Stadt für den Regenkanalbau und ihrem Anteil an der Baustelle mit rund 170 000 Euro Kosten rechnet, hat die Heidewasser für ihre Anteile an Kanalverlegung, Baustelleneinrichtung, Archäologie und Straßenwiederherstellung rund 167 000 Euro kalkuliert. Hinzu kommen Mehrkosten für Archäologie und Trinkwasserleitungsbau. Das sind zusammen knapp 10 000 Euro.

Andreas Neubert vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege begleitete die Tiefbauarbeiten in der Fritz-Brandt-Straße. Auf diese Weise konnte er die auf historischen Karten eingezeichnete Vortorsituation vor dem Akenschen Tor nachweisen, das 1872 abgerissen wurde. Neben steinernen Zeugnissen des Zwingerbereiches und verrotteten Rundhölzern eines Knüppeldammes stieß er ebenfalls auf die Reste von Grundmauern einer bis 1903 existierenden Kapelle.

Archäologen legen Gewölbe frei

Darüber hinaus konnte in Höhe des Posteinganges ein Ziegelgewölbe freigelegt werden, das sich über die gesamte Straßenbreite erstreckte. Es handelte sich um eine Kanalüberbauung. Denn einst führte hier ein Wasserlauf von den Ziegelteichen zu Schlossteich, der hier übertunnelt war.

In der - außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer gelegenen - Jeverschen Straße finden die Tiefbauarbeiten derweil ohne archäologische Begleitung statt. Die Fachleute werden nur bei einem besonderen Fund hinzugezogen, mit dem allerdings nicht wirklich gerechnet wird.

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