Wörlitz l "Gestreifter Winter Erdbeerapfel", "Zyprische Eierpflaume", "Schwarze Birn", "Paternosterapfel", "Schweizer Hose", "Der gelbe Spilling", auch "Lange grüne Mundnetzbirne" oder "Sommer Honigbirne" - sind heutzutage eher nicht geläufige Früchtenamen.

In der jetzt von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz eröffneten Ausstellung "Süße Früchte im Gotischen Haus" der Wörlitzer Anlagen sind die dazugehörigen Früchte zu sehen - in natürlicher Größe und in den natürlichen Farben. Jedoch sind sie mehrheitlich aus dünnwandigem Wachs, einige auch aus Pappmaché.

Früchte wurden über Jahrhunderte konserviert

Erstmals seit vielen Jahren wird am Originalschauplatz das "Pomologische Cabinet" des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) präsentiert. Diese Sammlung aus hohlen Früchten, erstmals 1795 präsentiert, kündet noch heute von der einst schier unglaublich großen Sortenvielfalt.

Von Uwe Quilitzsch, Mitarbeiter der Kulturstiftung DessauWörlitz, wurden die Gäste der Vernissage, darunter auch Mitglieder des mit der Stiftung befreundeten Teyler Museums im niederländischen Harlem, im Gartensaal des Gotischen Hauses emotional und einfallsreich eingestimmt.

Da die aufgestellte Musikanlage kurzfristig ausfiel, fuhr der Referent sein Auto rückwärts an das Gotische Haus heran, öffnete die Kofferklappe - und konnte die vorbereitete Musik über den CD-Player seine Autos doch einspielen. Der stimmungsvolle Einstieg war gerettet. Es war australische Musik zu hören und das Klagelied der Ceres, der römischen Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit.

Uwe Quilitzsch nahm seine Zuhörer mit auf eine gedankliche Reise in die Götterwelt und die dortigen, oft komplizierten Beziehungen. Dabei kam er auch auf die römische Göttin der Baumfrüchte Pomona. Von ihr stammt die Bezeichnung Pomologie als Name für Obstbaukunde und daraus abgeleitet auch das "Pomologische Cabinet".

Kunstfrüchte wurden von einem Konditor hergestellt

Die Geschichte dieser fürstlichen Sammlungen geht auf Johann Volker Sickler (1742-1820), Herausgeber der Zeitschrift "Der teutsche Obstgärtner", zurück. Uwe Quilitzsch berichtete, dass diese Kunst-Früchte von einem Konditor hergestellt worden, der flüssiges Wachs in Hohlformen goss und es durch die Fliehkraft zu dünnwandigen Hohlkörpern erstarren ließ. Nach Erkalten wurden sie herausgenommen und bemalt. Später wurde auch Pappmaché verwendet. Es ist verblüffend, wie wirklichkeitsnah die musealen Kostbarkeiten aussehen

Der reale Hintergrund, der zu der pomologischen Sammlung führte, ist das von Fürst Franz, selbst ein erfolgreicher Pomologe, betriebene Landschaftsverschönerungsprogramm. Nicht nur überall in der Landschaft, sondern ebenfalls in einzelnen Gartenanlagen wurden zahlreiche Obstbäume gepflanzt. Auch hier nach dem Motto "das Schöne mit dem Nützlichen" zu verbinden.

"Neben einheimischen mussten es auch ausländische Sorten sein", beschrieb Uwe Quilitzsch die Fürstenintension. Nachdem sie im eigenen Obstgarten ausprobiert waren, ließ der Fürst gute Sorten auch an Straßen, Deichen und Obstwiesen anbauen.

Etwa 60 der sonst im Depot "eingelagerten" pomologischen Besonderheiten werden nun bis 26. Oktober im Rittersaal des Gotischen Hauses in einer flachen Glasvitrine präsentiert.

Auf der Vernissage konnten die Besucher jedoch auch echte heutige Äpfel und Birnen verkosten. Sebastian Doil von der Stiftungs-Abteilung Gartendenkmalpflege hatte sie aus dem historischen Küchengarten mitgebracht. Im Verantwortungsbereich der Kulturstiftung, so Sebastian Doil, wachsen gegenwärtig etwa 60 verschiedene Obstsorten.

Die Ausstellung "Pomologisches Cabinet" im Gotischen Haus, Gartenreich Dessau-Wörlitz, ist noch bis zum Sonntag, 26. Oktober, zu sehen.

Geöffnet ist Dienstag bis Freitag 11 und 16 Uhr, am Wochenende um 11, 12, 15, und 16 Uhr. Im Oktober am Wochenende und den Feiertagen sind die Öffnungszeiten 11 und 16 Uhr.