Beim Heimatfotorätsel in dieser Woche haben wir das Zerbster Heidetor gesucht. Viele Leser erkannten den markanten Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Zumal sich die Ansicht auf den ersten Blick kaum verändert hat.

Zerbst l "Das ist das Heidetor", meldet sich Sarah Schmidt am Donnerstag als erste zu Wort. Sofort hat sie das historische Motiv erkannt und bleibt nicht die Einzige. "Das ist das Heidetor vor dem Zweiten Weltkrieg", erklärt Harald Neupert. "Die Nicolai-Kirche besitzt noch ihr Dach und die drei Türme", deutet Dietrich Franke auf die im Hintergrund zu sehende Stadtkirche hin. Beim Luftangriff auf Zerbst am 16. April 1945 erlitt Anhalts größte Hallenkirche schwere Schäden. Heute fehlt der Mittelturm.

Überhaupt blieb von der einst als mitteldeutsches Rothenburg bezeichneten Rolandstadt nicht viel übrig. Zu 80 Prozent war Zerbst zerstört. "Auf der Heide war alles kaputt und nicht mehr viel zu retten", blickt Annemarie Gründer zurück. Sie erzählt von der früheren Schnapsbrennerei auf der Heide und von Fleischermeister Roxlau. Jener war rechts hinter dem Stadttor zu finden, verweist Dietrich Franke auf das Dach, das hinter den Zinnen hervorlukt. "Interessant ist, dass es die rechte Tordurchfahrt noch nicht gab", bemerkt der Oberkirchenrat im Ruhestand. "Der ganze Verkehr floss links durch. Das muss recht abenteuerlich gewesen sein."

"Für Fußgänger wurden die Türen des Turmes genutzt", weiß Erwin Erbe. "Mit dem Bau des zweiten Tores wurde eine zweispurige Straße geschaffen und gleichzeitig für die Fußgänger rechtsseitig eine Durchgangspforte", macht er auf die jetzige Situation aufmerksam. Heute führt ein weiterer Gehweg durch das Gebäude mit dem Staffelgiebel. "Bis zur Reformation ist das die Gertraudenkapelle gewesen", berichtet Dietrich Franke.

"Ich bin da mal in die Kinderkrippe gegangen", erzählt Frank Roder von der Nutzung des Hauses zu DDR-Zeiten. "Unsere älteste Tochter hat von 1964 bis 65 die Krabbelstube der Krippe besucht", sagt Helmut Lehmann. "Sie hat sich da sehr wohl gefühlt", ergänzt seine Frau und verrät: "Wenn mal was liegen geblieben ist, eine Mütze, Handschuhe oder so, dann haben die Erzieherinnen immer unsere Tochter gefragt. Sie wusste, wem das gehörte."

Direkt nach 1945 sei in dem Gebäude - bevor es Krippe wurde - das Eichamt untergebracht gewesen. "Ob es wirklich so hieß, weiß ich nicht", erzählt Helmut Lehmann, und dass sein Vater, Thermometerbauer bei der Firma Kramer in Altbuchsland, dort stets zum Eichen hingegangen ist.

An die Autowerkstatt von Arno Schmidt auf der Heide entsinnt sich Helmut Morbach noch. Unterdessen hat die alte Aufnahme bei Andrea Liepe Erinnerungen an ihren bereits verstorbenen Vater Alfons Wolf geweckt. "Er hat alle Sehenswürdigkeiten von Zerbst gemalt", erzählt sie. Zu den Motiven gehörte selbstverständlich das Heidetor. Als imposantes Bauwerk nahmen es die Freunde von Siegfried Schellin wahr, als er ihnen das noch am besten erhaltene Stadttor samt Vortor bei einer Führung durch Zerbst zeigte. Gemeinsam mit seiner Frau Christa nutzte er den kürzlich stattgefundenen Tag des offenen Denkmals, um das Heidetor zu besichtigen und den Turm zu erklimmen. "Trotz Nieselregen konnten wir schön weit gucken", schildert Christa Schellin.

Unter allen Anrufern wurde ein Regenschirm verlost. Diesen kann sich Andrea Liepe ab Montag in der Lokalredaktion abholen.

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