Rund 200 Teilnehmer gingen am Sonnabend durch Zerbst. Viola Tiepelmann von der Tourist-Info, Anja Schlegel von der Barmer GEK und Martina Marczok-Stück von der Kreisvolkshochschule hatten zur achten "3000 Schritte"-Tour aufgerufen.

Zerbst l "Die Figuren da oben auf dem Landkreisgebäude hab ich noch nie gesehen", erzählte Birgitta Heinrich nach der Tour. Und das, obwohl sie Jahre lang in dem Gebäude gearbeitet hatte, gibt sie zu. "Den Hahn, den Mann, die Frau und Justitia, die dort auf dem Dach angebracht sind, sind mir einfach noch nie ins Auge gefallen."

Genau das sei der Ansatz gewesen, die einstige Barmer-Aktion interessanter zu gestalten, erzählte Viola Tiepelmann von der Tourismus-Information in Zerbst. "Nur 3000 Schritte gehen ohne Ziel, das war mir zu langweilig", fügte sie an. Deswegen ersonnen sie, Anja Schlegel von der Krankenkasse und Martina Marczok-Stück von der Volkshochschule das Konzept, das sie am Sonnabend bereits zum achten Mal umsetzten: eine Führung durch die Stadt, um den Zerbstern die Geschichte ihrer Stadt zu vermitteln und in Erinnerung zu rufen.

Dafür ließen sich die drei Damen jede Menge einfallen. Dieses Mal empfing Rittmeister Johann von Richtstetten, gespielt vom Kreisvolkshochschul-Dozenten Uwe Marczok, die Teilnehmer an der Breite 38. Das Büro der Krankenkasse bildet in jedem Jahr den Startpunkt. Dort führte er in die Thematik ein. Er erzählte, dass das Jahr 1901 geschrieben werde und drei Damen aus Berlin gleich ankommen. Agathe von Pulspfordingen (Viola Tiepelmann) zeigte ihren Freundinnen Hildegard von Haselop (Anja Schlegel) und Wilhelmine Auguste von Brandsheide (Martina Marczok-Stück) Zerbst. Unter dem Motto "In 3000 Schritten mit reis(z)enden Weibern Türen öffnen" führten die drei dann die anwesenden rund 200 Teilnehmer durch die Stadt.

Der erste Stopp führte zur Marienpforte, von dort aus ging es weiter zum Landkreisgebäude. Aus dessen Tür schritt der "Kreisdirektor" (Uwe Marzcok) und erläuterte den Damen etwas zum Gebäude und berichtete über die Sehenswürdigkeiten des Landkreises.

Prinzessin von Anhalt-Zerbst trat auf

Der Weg führt weiter zum Schlosspark. Dort begegnen die drei Damen der Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, der späteren Katharina II. Gespielt wurde die Adlige von Stephanie Bredow aus Walternienburg, die mit der Stute Fortuna de la Corona in standesgemäß wallendem Prinzessinnenkleid auftrat.

Am Rathaus treffen die drei wieder auf den Rittmeister Johann, der gerade seine Ehefrau Margarete (Volkshochschuldozentin Birgit Lemke) geheiratet hat. Im Anschluss ging es zur Bartholomäi-Kirche, zum Schönfärberhaus, zur Ratsapotheke und in die Trinitatis-Kirche. In der Kirche erklangen Audio-Mitschnitte von Reden, Radio- und TV-beiträgen der DDR- und BRD-Politiker von vor 25 Jahren. Viola Tiepelmann sagte: "Da verließen wir unsere Rollen und sprangen in der Zeit vor. Es war aber wichtig, 25 Jahre nach der Wende und beim Thema `offene Türen` dieses nicht außen vorzulassen."

Mit einem umgeschriebenen Lied bedankten sich die Darsteller bei allen Mitwirkenden auf dem Podest vor der Kirche. Dort waren Bänke und Tische zur Stärkung aufgebaut. "Wir sind zufrieden. Vor allem darüber, dass wir trotz schlechter Wetterprognosen keinen Regen hatten", erzählte die Leiterin der Zerbster Tourist-Information.

"Mit großem Respekt gehen wir in jedem Jahr an die Aufgabe heran", verriet sie. Schließlich habe sie selbst in den vergangenen Jahren die Messlatte recht hoch gehängt, erzählte sie. "Wir strengen uns an, dass wir die Anforderungen erfüllen, aber es ist schon ein großer Druck", sagte sie.

Gute Unterhaltung auf Rundgang

Teilnehmerin Wera Westphal fand: "Heute waren die Prinzessin und das Pferd im Schlosspark toll. Das sah fantastisch aus." Von allen Führungen der Reihe habe ihr "Auf den Spuren der Steine" am besten gefallen. "Da waren sie als sieben Zwerge verkleidet, das fand ich göttlich."

Zusammen mit Birgitta Heinrich, Ingeborg Horn und Heidemarie Niekamp hat sie sich bei der Tour aber sehr gut unterhalten gefühlt. Anstrengend sei es auch gewesen, sagte sie. "Aber wir wollen uns ja bewegen, deswegen nehmen wir teil", ergänzte Brigitta Heinrich. Allerdings sei das Stehen oftmals anstrengender als das Laufen. "Leider ist auch nicht immer alles zu verstehen. Wenn sie immer ein Mikrofon hätten, wäre das sicher besser." In diesem Jahr seien so viele Teilnehmer dagewesen wie überhaupt noch nicht, berichtete. "Es waren auch sehr viele junge Leute und junge Eltern mit kleinen Kindern dabei. Das hat mich sehr gefreut", fügte Heidemarie Niekamp an.

Insgesamt seien übrigens 3875 Schritte zurückgelegt worden, sagte Viola Tiepelmann. Das habe sie selbst ausgemessen. "Wir haben schon immer ein bisschen mehr gemacht als die geforderten 3000." So lassen sich die Runden auch besser zusammenstellen. Im kommenden Jahr gibt es die neunte Auflage des Rundgangs. Ideen haben sie noch viele, verriet die Mitorganisatorin.

   

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