Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie gastierte am Sonnabend zum wiederholten Mal im Zerbster Schloss. Mit zwei Konzerten begeisterten die Musiker unter Leitung von Chefdirigent Gerard Oskamp die Zuhörer.

Zerbst l Einer schönen Tradition folgend, gastierte die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck am vergangenen Sonnabend auf Einladung der Gasstadtwerke Zerbst GmbH (GSZ) und der Erdgas Mittelsachsen GmbH (EMS) mit zwei Konzerten im Zerbster Schloss.

Dazu hat der Chefdirigent und Musikdirektor Gerard Oskamp sein 30 Musiker zählendes Orchester gewissermaßen "instrumental geteilt". Am Nachmittag spielten die Bläser auf. Nicht so wie beim gerade begonnenen Münchner Oktoberfest, sondern klassisch konzertant.

"Es gibt nicht all zu viele Komponisten, die `reine` Bläserstücke geschrieben haben", erklärte Oskamp den gut 30 Gästen zum Promenadenkonzert mit dem Titel "Angepfiffen". Aber die meisten davon, die es gebe, seien sehr hörenswert. Einen überzeugenden Beweis dazu präsentierte das elf Künstler starke Ensemble, in dem auch teilweise die Kontrabassistin Xiao Wing Shang und die Cellistin Elena Tkachenko mitwirkten. Beide Streicherinnen gestalteten dann auch noch die abendliche "Serenade im Schloss" mit.

Mit der zweisätzigen Bläsersinfonie von Gaetano Donizetti (1797-1848) erklang eines seiner Frühwerke, das mehr einer Opernouvertüre ähnelte. Hierbei "rückten" die Musiker sehr effektvoll ihre Instrumente mit kleinen solistischen Passagen "ins rechte Licht".

Flöten und Oboen im Dialog mit Fagott und Horn

Ungemein melodisch gestaltete Louis Gouvy (1819-1898) seine "Petite Suite Gauloise". Die Melodien "wandern" reizvoll durch die einzelnen Instrumente.

Rege kurzweilige Dialoge zwischen Flöte, Fagott, Oboen, Klarinetten und Hörnern sowie ein unterhaltsames sowie gut abgestimmtes Miteinander prägten auch die anderen präsentierten Werke:

Zu hören waren noch eine Ouvertüre von Gioachino Rossini (1792-1868) und die abschließende sehr unterhaltsame "Serenade für Bläser" von Antonin Dvorák (1841-1904).

Unter den durchweg sehr gut agierenden Musikern ist dennoch der vorzüglich spielende Oboist Hideaki Onozawa besonders hervorzuheben.

Nach dem "Anpfiff" wird "Frischgestrichen"

Knapp 80 Konzertgäste erlebten dann am Abend die gut zweistündige Serenade "Frischgestrichen" mit der "Streicher-Abteilung" der Kammerphilharmonie

Die Solocellistin der Kammerphilharmonie Elena Tkachenko brillierte dabei mit dem Cellokonzert in G-Dur von Luigi Boccherini (1743-1805). Mit einem leichten Lächeln spielte sie scheinbar mühelos und hingebungsvoll, war in den zarten einfühlsamen Passagen ebenso wirkungsvoll wie in schnellen kraftvollen Sequenzen - ein bewegendes Hörerlebnis.

Den furiosen Auftakt bildete das "Divertimento in D-Dur" (KV 136) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Die gut aufgelegten und spürbar spielfreudigen Musiker ließen die Konzertgäste am anregenden, heiteren, zeitweise auch tanzartigen Charakter des dreisätzigen Stückes teilhaben.

Ebenso kurzweilig gab sich die "Serenade nach schwedischen Volksmelodien" von Max Bruch (1838-1920). Zwischen zwei voluminösen und rhythmusintensiven Marsch-Sätzen waren variationsreiche freudvoll tänzerische Melodien zu hören.

Nach der Pause erklang zunächst die "Sonate für Streicher Nr. 1" von Gioachino Rossini.

"Souvenir de Florence" von Peter Tschaikowski (1840-1893) wurde vom Orchester unter engagierter Leitung von Gerard Oskamp beeindruckend ausdrucksstark, klangvoll, temporeich und lautstark, ebenso still, geheimnisvoll wie eine gebändigte melodische Kraft interpretiert - ein eindrucksvoll nachhaltiger Schlusspunkt.

Für die Künstler gab es viel Beifall. Und: "Die Tradition der Schlosskonzerte, unterstützt von GSZ und EMS, gemeinsam mit dem Schlossverein wird weitergeführt", erklärte GSZ-Geschäftsführer Jürgen Konratt nach dem Konzert.

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