Margot Käßmann eröffnete am Sonntag in der Bartholomäi-Kirche die Jahreshauptversammlung des Museumsverbandes in Zerbst mit einem Vortrag. "Halloween oder Reformation - was feiern wir" war ihr Thema vor vollen Kirchenbänken.

Zerbst l Sie sei noch nie in Zerbst gewesen und noch nie sei sie von einem Museumsverband eingeladen worden, eröffnete Margot Käßmann ihre Rede in der Bartholomäi-Kirche in Zerbst. Deshalb habe sie besonders gern die Einladung angenommen.

Die frühere Vorsitzende der Evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD) ist nun Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017. Deswegen hatte der Museumsverband die Geistliche eingeladen.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther an die Wittenberger Kirche gehe es beim Jahrestreffen des Museumsverbandes darum, wie der Reformationstag und das Jubiläum museal aufgearbeitet werden könne im Mutterland der Reformation, in dem allerdings kaum noch jemand der Kirche angehöre. So hatte es die Präsidentin Kristin Otto gegenüber der Volksstimme erklärt.

Eindeutig fiel die Einschätzung von Käßmann gegenüber Halloween aus. "Das ist reiner Kommerz", sagte sie. Dieter Tschorn, Fachgruppenleiter Karneval der deutschen Spielzeug-Industrie habe zugegeben, dass das Fest seit 1991 kontinuierlich aufgebaut worden sei - aus Profitgründen. Heute zähle es in Deutschland zum drittwichtigsten Fest der Süßwarenindustrie.

Mehr werde nur an Weihnachten und Ostern umgesetzt. Den Einwand, das Fest fuße ja auf christlichen Feiertagen (so leite sich der Name von "all hallows eve", Allerheiligen, ab), wischte sie angesichts von Übergriffen nach ausufernden Feiern auch beiseite.

"Natürlich hat es ein Reformationstag gegenüber solchen Tagen schwer." Aber auch Luther hatte Spaß am Leben und im Gegensatz zu den heutigen Menschen, "echte Angst vor dem Teufel und leider auch vor Hexen", fügte sie an.

Fraktionsübergreifend habe auch der Bundestag das Reformationsjubiläum zu einem Ereignis von Weltrang erklärt. Reformationen werden ständig benötigt, erzählte sie weiter. Luthers Ansatz, den Menschen als gut und wertig in den Mittelpunkt zu stellen, sei heute noch von brennender Brisanz. Das wissen viele Schüler, die von ihren Mitschülern gehänselt werden, weil sie nicht das neueste Handy besitzen, fügte sie an.

Zwischen der katholischen und evangelischen Kirche werde es keine Kriege mehr geben, sagte sie. Wohl aber werde die Differenz der beiden Kirchen Grundlage für Diskussionen sein. In den Unterschieden liege daher auch eine treibende Energie, sich mit der Religion auseinanderzusetzen, die es sonst nicht gegeben hätte. Sie wünsche sich, dass das Jubiläum - übrigens das erste, bei dem Frauen in der Kirche auch Ämter übernommen haben - mit Pilgern begangen werde. "Pilgern macht keine Angst. Aber es ist vorwärts gerichtet." Eine vorwärts gerichtete Veränderung, das sei Reformation.

Gemeinsam mit den Katholiken, aber auch den Juden und den Muslimen, aufzubrechen "nach Israel, Rom oder Wittenberg", um die Reformation weiter zu gestalten.

Zudem glaube sie, dass Christen aus Bonn oder Bochum noch nie in Wittenberg waren und das Jubiläum zum Anlass für die Reise in eine Region unternehmen werden, von der aus die Welt verändert worden sei.

Darin liege natürlich auch eine große Chance für die Region. "Auch darum geht es: Herauszufinden, was das Erbe der Reformation ist und es für sich zu aktualisieren, auch dann, wenn jemand mit Kirche nicht viel anfangen kann", sagte Margot Käßmann.

 

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