Zerbst l Acht Jahre waren die heutigen Senioren in einer Klasse. Zumindest die meisten, erzählt Wolfgang König, einer der Teilnehmer. Einige kamen hinzu, andere wechselten in eine andere Klasse, "die meisten aber blieben von der ersten bis zur achten Klasse zusammen", fügt Bärbel Kattler an. Der Tag ihrer Einschulung in die Volksschule I, später Grundschule I, ist nun 65 Jahre her.

Aus diesem Grund treffen sich rund ein Dutzend der ehemaligen Klassenkameraden am Wochenende in der Gaststätte "XXL Blume" in Zerbst. Nicht alle sind gekommen, das kennen die ehemaligen Mitschüler bereits. Schließlich habe nicht jeder zu diesem Termin Zeit. Viele habe es auch in andere Bundesländer verschlagen. Erfreulich sei, dass dennoch so viele aus Dresden oder Leipzig, oder auch Halle und Dessau angereist sind. "Von einigen haben wir aber jegliche Spur verloren. Da wissen wir nicht, was sie machen oder wie wir sie einladen können", erzählt Teilnehmerin Inge Schwichtenberg. Sie hat auch schon am ersten Treffen teilgenommen. Das hat 1989 in der Gaststätte "Zum Waldfrieden" stattgefunden, erinnert sich auch König. Seitdem haben sie sich mehrfach getroffen. "Alle drei bis fünf Jahre organisieren wir ein Treffen", sagt König. Immer gibt es ein kleines Kulturprogramm. Am Sonnabend lassen sie sich durch den Wasserturm in Zerbst führen.

Auf dem Tisch liegen alte Fotografien. "Wir versuchen, die Namen zuzuordnen", erklärt Bärbel Kattler. Nach mehr als sechs Jahrzehnten sei das keine leichte Aufgabe, gesteht sie. Die Fotos regen Gespräche über die Schulzeit an. Erinnerungen an strenge, aber gute Lehrer werden wach. Jedenfalls finden die jetzigen Rentner das im Nachhinein.

Fritz "Papa" Rüssel sei streng, aber gerecht gewesen und "ein fantastischer Mathelehrer", schwärmt Inge Schwichtenberg.

Lehrer Max König, den sie hinter seinem Rücken "Maxe" nannten, sei ein Mann von ähnlichem Format gewesen.

Besonders angetan seien die Jungs der Schulklasse von Fräulein Helma Quaise gewesen, die sie als junge Grundschullehrerin unterrichtet hatte. Am Sonnabend ist sie ebenfalls dabei, allerdings heißt sie schon längst Helma Thermann.

"Glück hatte, wer eine Schiefertafel aus der Vorkriegszeit hatte", erinnert sich König, der später sogar Schulleiter der Schule wurde. "Die waren stabiler, die Nachkriegstafeln zerkratzten viel zu schnell." Seine Mitschülerinnen stimmen zu. Bärbel Kattler weiß noch, dass sie mit bunten Papierhüllen die Griffel individualisierten. "Die haben wir damals getauscht." Viele weitere Anekdoten tauschen sich die Senioren aus. Dass sie sich wieder Treffen wollen, steht fest.