Romantische Plätze in einer auf geometrischen Figuren basierenden Formensprache schaffen, das ist Jan Steigerts Job. Er ist Bühnenbildner beim "Dessauer Ring" und damit wichtiges Mitglied des "Schöpfer-Teams".

Dessau-Roßlau lIn dieser 200. Dessauer Spielzeit wird das Großprojekt "Der Ring des Nibelungen" in der Bauhausstadt Dessau vollendet. Damit setzt das Anhaltische Theater die Tradition Dessaus als "Bayreuth des Nordens" fort. Der letzte gesamte Zyklus wurde hier vor etwa einem halben Jahrhundert aufgeführt.

Generalintendant André Bücker und Generalmusikdirektor Antony Hermus erschließen Wagners Opus vom Ende her. Auftakt war in 2012 "Götterdämmerung", 2013 folgte "Siegfried".

Am kommenden Sonnabend, 27. September, hat um 18 Uhr "Die Walküre" ihre Premiere. Am 30. Januar 2015 steht dann die Premiere von "Rheingold" auf dem Programm.

Die erste zyklische Aufführung mit den neuen Inszenierungen wird zum "Elbmusikfest" vom 13. bis 17. Mai 2015 in Dessau, dann in der Abfolge "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung", stattfinden.

Ein Karlsruher am Dessauer Theater

Zum "Schöpfer-Team" des "Dessauer Rings", das von Beginn an in der aktuellen Zusammensetzung arbeitet, gehört der Bühnenbildner Jan Steigert.

Für den in Karlsruhe geborenen Jan Steigert, Mitte 40, war schon ein "frühes Interesse an Gestaltung" vorhanden, war die "darstellende Kunst überhaupt sehr spannend". Folgerichtig studierte er von 1992 bis 1996 Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum. Schon während des Studiums hat er sich als Hospitant für Bühnenbild in Bochum, an der Deutschen Oper am Rhein und in Karlsruhe mit seiner späteren Tätigkeit vertraut gemacht. Es folgten Assistenzen und Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Leander Hausmann oder Peter Stein.

Seit 2000 arbeitet Jan Steigert als freischaffender Bühnenbildner an Theatern wie unter anderem in Essen, Leipzig, Berlin, Gera, Braunschweig und in Dessau. Zum Beispiel auch bei den Stücken "Die Stumme von Portici" und "Doktor Mabuse".

Mit André Bücker verbindet ihn eine schon aus der Studienzeit herrührende Verbindung, die sich zu einer Freundschaft entwickelt habe.

Ehrfurcht und Respekt vor der Arbeit

Es ist der erste Wagner-Ring für Jan Steigert und: "So etwas macht man ja nicht so oft." Da klingt doch auch etwas Stolz mit durch, obwohl er dieser Arbeit schon "Ehrfurcht und Respekt" zollt.

Eine wichtige Basis für den Erfolg sieht Jan Steigert in der "unbedingten engen Zusammenarbeit, der offenen Begegnung und gegenseitigen Beeinflussung" der Verantwortlichen für die künstlerische Umsetzung der Konzeption.

Gibt es denn Widersprüche zwischen der "romantischen" Wagner-Oper und der, wie es in einer Ankündigung des Theaters heißt, "auf geometrischen Figuren basierenden Formensprache (...) einer Ästhetik in der Tradition der klassischen Moderne"?

Jan Steigert hebt hervor, dass es schon eine "komplett andere Stilistik in der Bühnenbildgestaltung" gebe. Man bediene dennoch die gleichen Handlungsorte und es würden gemeinsam mit der Musik durchaus auch romantische Plätze gefunden.

Steigerts Stilfaktoren "aus meiner Persönlichkeit heraus", seien Bewegung und Licht im Raum. Er suche einen Raum, der einen neuen Raum oder neue Räume in sich birgt.

Der variable Kubus ist wieder mit dabei

Auf der Bühne wird wieder der schon aus den ersten Ring-Teilen bekannte große variable Kubus "mitspielen". Das Ganze ist eine "Projektionsbühne großen Stils" mit bis zu fünf Projektionsportalen. Der klassisch gemalte Horizont werde, so Steigert, "bei mir zwei große Kinoleinwände sein".

Mitwirken werden Iordanka Derilova, Rita Kapfhammer, Angelina Ruzzafante, Stephan Klemm, Robert Künzli, Ulf Paulsen und andere.