Hund, Katze, Maus - auf den Dörfern sind Tiere an der Tagesordnung. Das reicht vom Hofhund, über Tauben, Hühner, bis zum Pferd im Stall, die Katzen sind sich oft selbst überlassen. Wer den Platz im eigenen Haus, Hof und Garten hat, der kann sich so viele Tiere halten, wie er möchte. Anders ist es in Mietwohnungen.

Mühro/Zerbst l Wer zur Miete wohnt, muss fragen, ob Hunde, Katzen oder andere Tierhaltung erlaubt sind. Da ist das Einverständnis des Vermieters vorausgesetzt. Bei einem Fall aus Mühro gibt es allerdings wenig Hoffnung. Frau B. (Name liegt der Redaktion vor) sucht dringend eine Wohnung. Bislang lebt sie noch bei ihrem ehemaligen Lebenspartner. Doch da sich alle Lebensumstände und -zustände geändert haben, will die EU-Rentnerin nur noch weg.

So schlimm es ihr jedoch auch ergehen mag, ihre Hunde und Katzen will sie auf keinen Fall zurücklassen. Das heißt: Alleinstehende Frau mit fünf Yorkis und zehn Katzen sucht preiswerte Wohnung, bevorzugt mit kleiner Grünfläche als Auslauf für die Hunde.

Die zehn Katzen wären schon die Zahl, auf die Frau B. ihre Schar Stubentiger reduzieren würde. Vielleicht könnte sie auf eine, zwei oder drei weitere verzichten. Die Hunde abzugeben - schier unvorstellbar. Derzeit nutzt sie ihr Schlafzimmer und die Flure des Hauses für die Tierhaltung.

"Ich habe schon überall gesucht", ist die Frau ratlos, "es ist nichts zu finden." Im Umkreis von Zerbst würde sie schon bleiben wollen, aber irgendwo anders scheint der Berlinerin ebenso recht. Mit ihrem Problem sprach sie auch bei der Ortsbürgermeisterin von Polenzko, Ruth Buchmann, vor. Mehr als zuhören kann sie der Bürgerin jedoch auch nicht. Eine Lösung kann sie ihr nicht anbieten, außer den Rat, auf ein Großteil der Tiere zu verzichten. Was Wohnungen angeht, können die Ortsbürgermeister nur noch Hinweise geben.

Die Verwaltung der kommunalen Objekte liegt in den Händen der Bau- und Wohnungsgesellschaft mbH Zerbst (BWZ). 30 Objekte in den Ortsteilen der Stadt Zerbst/Anhalt sind es derzeit, dazu gehören 21 Gewerbeeinheiten, 16 Garagen, elf Bürgerhäuser und 58 Wohnungen - in vielen, aber nicht in allen Dörfern. Die Auslastung bezeichnete BWZ-Geschäftsführerin Daniela Kock als "recht gut" und den Leerstand "akzeptabel".

Das Angebot an Wohnungen auf dem Lande ist breit gefächert wie deren Sanierungszustand. Bis vor kurzem noch in Zuständigkeit der Kommunen, sind die Ortsbürgermeister heute noch insoweit involviert, als dass sie die BWZ unterstützen und vor Ort schauen, dass alles in Ordnung ist. "Sie kennen die Örtlichkeiten länger als wir", machte die Geschäftsführerin deutlich.

So gibt es derzeit beispielsweise eine leerstehende Wohnung in Polenzko. Die Entscheidung, ob Tierhaltung erlaubt ist oder nicht, behält sich die BWZ als Vermieter vor. "Das ist abhängig vom Objekt", so Daniela Kock, "wir gucken dann im Einzelfall." Auch dürfte die Tierhaltung nicht zur Belästigung anderer Mieter führen.

Bei fünf Hunden und zehn Katzen müsse man ja schon von Massentierhaltung ausgehen, die mit Lärm- und Geruchsbelästigung einhergeht. Nein, das würde sie auch gar nicht genehmigen wollen, meinte die Geschäftsführerin. Es sei unvernünftig so viele Tiere in einer Wohnung zu halten, das wäre selbst für die Tiere nicht zumutbar.

Bei einem "normal verträglichen Maß" an Haustieren werde jede Anfrage geprüft, versicherte die BWZ-Chefin. Dann wird eine Genehmigung erteilt oder nicht. Auch in Nachbarorten habe sie sich schon umgehört, so die Frau aus Mühro, ihre Tierärztin gefragt, einen Sozialberater hinzugezogen, Aushänge im Einkaufsmarkt durchsucht.

Eine Anzeige aus Helmstedt schien ein Hoffnungsschimmer. Letztendlich käme es einem Wunder gleich, wenn sich ein privater Vermieter mit einem passenden Objekt finden würde...