Keine Frage, Obst und Gemüse gibt es in Zerbst mehr als genug. Aber warum sollte man im Hofladen oder bei der Baumschule einkaufen, wenn es im Supermarkt doch so viel bequemer ist?

Zerbst l Um zur Baumschule von Ulrich Wichmann zu kommen, braucht es schon ein Navigationssystem. Dafür verbirgt sich dann in Steckby ein kleines Paradies, in dem den Besuchern das Wasser im Mund zusammenlaufen dürfte. Frische Äpfel, Kürbisse, Zwiebeln und Knoblauch, wohin man auch schaut. "Kaum einer weiß, dass ich hier auch Direktversorger bin", sagt Besitzer Ulrich Wichmann. Seine Stammkundschaft ist dafür um so treuer. Aus Roßlau, Dessau, aber auch Zerbst kommen regelmäßig Kunden auf den schönen Hof. Vor allem Äpfel und Kartoffeln wachsen auf dem Gelände der Baumschule. "Das ist schon ein Vorteil, dass wir Sachen haben, die sich länger halten", so Wichmann. So gäbe es sogar Apfelsorten, die sich bis ins nächste Jahr hinein halten. Der Vorteil an Wichmanns Äpfeln: "Sie schmecken gut und sind nicht gespritzt."

Fachwissen gibt es gleich gratis dazu. Ulrich Wichmann ist Experte und wird zu vielen Veranstaltungen in der Umgebung eingeladen, um dort Apfelsorten zu bestimmen. "Ich kenne halt viele Sorten", winkt er lächelnd ab.

Zur regionalen Ernährung sagt Wichmann. "Man muss halt mit dem Lauf der Natur gehen, im Dezember muss ich keine Erdbeeren essen." Er würde sich freuen, wenn die Menschen wieder ein Bewusstsein für saisonale und regionale Ernährung entwickeln würden. Im Bereich Obst und Gemüse sieht er für die Zerbster kein Problem.

Das bestätigt auch Herbert Wallwitz. Er hat seinen Hofladen direkt an der Bundesstraße 184. "Der Laden läuft gut. Wir produzieren ausschließlich für die Region", sagt der Besitzer des Gartenbaubetriebes. Früher hätte es die Produkte auch mal bei der Supermarktkette Kaufland gegeben, aber das hat sich aus unterschiedlichen Gründen, zu denen sich Wallwitz ungerne äußern möchte, zerschlagen. Der Direktvertrieb bietet große Vorteile. "Wir ernten früh morgens und keine zwei Stunden später ist es im Laden", erklärt Wallwitz. Das würde die Kundschaft schätzen und gerade deswegen kommen. Für die Supermarktketten hingegen müsse das Obst und Gemüse noch Hunderte von Kilometern hin und hergefahren werden, egal ob es eigentlich schon aus Zerbst kommt oder nicht.

In den vergangenen Jahren hat Wallwitz festgestellt, dass sich die Menschen wieder mehr dafür interessieren würden, wo ihr Essen herkommt. "Dass die Leute ihre Sachen alle aus dem Supermarkt holen, das ist einfach in den Köpfen drin", nennt er eines der Probleme regionaler Anbieter. Letztendlich würde aber jeder für sich entscheiden, wie er sich ernähren wolle. "Ich habe jedenfalls schon jahrelang keinen Supermarkt mehr betreten", sagt Wallwitz.

Eines aber ist klar: "Wir verkaufen die Produkte nicht zu den Superpreisen, die der Supermarkt bieten kann." Allerdings gäbe es dort dafür auch nicht die Frische und den Geschmack der Zerbster Produkte. Mit sechs Mitarbeitern gehört Wallwitz zu den größeren Betrieben, der Hofladen hat zusätzlich zwei weitere Arbeitsplätze geschaffen. Seine Marke präsentiert er auf Wochenmärkten und im Laden. Um das Sortiment zu erweitern, kann man bei Herbert Wallwitz auch Produkte kaufen, die er nicht selbst angebaut hat. Zum Beispiel Eier oder Natho-Saft aus Welsleben. "Aber auch da achte ich darauf, dass nichts weiter als 50 Kilometer weit wegkommt", so der Geschäftsmann.

Konkurrenz so anderen Anbietern wie dem Hofladen von Bauer Weiß in der Breite oder der Baumschule von Ulrich Wichmann sieht er nicht. "Der Markt hier ist groß genug für zwei Hofläden", sagt Herbert Wallwitz. Und er sei zwar Geschäftsmann, aber auch Gemüsegärtner aus Leidenschaft.

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