Spätestens ab 18 Uhr sind gestern die Produktionshallen der Wema geschlossen gewesen. Grund: 20 Jahre Zugehörigkeit zur EMAG-Gruppe wurden mit einem großen Familien- und Mitarbeiterfest gefeiert. Auch Minister Hartmut Möllring gratulierte zu der Erfolgsgeschichte.

Zerbst l "Der Erfolg gibt Ihnen Recht", mit diesen Worten brachte Hartmut Möllring (CDU), Minister für Bildung und Wirtschaft, alles auf den Punkt, was es zum 20-jährigen Zugehörigkeitsjubiläum der Wema - Werkzeugmaschinenfabrik Zerbst - zur EMAG Gruppe zu sagen gibt.

Zwar hat die Wema schon mehr als 100 Jahre mit Bravour gemeistert, gefeiert wurde aber gestern vor allem die erfolgreiche private Übernahme der Wema in die EMAG Holding GmbH. "Ich erinnere mich noch, wie wir zur Erläuterung einige EMAG-Produkte und Schautafeln zur Vorstellung mit nach Zerbst brachten. Herr Heßbrüggen sprach von Propagandamaterial - ein Wort, das nicht zu unserem Sprachgebrauch passte", erinnerte sich Alfred Häcker, Vertreter der EMAG, bei seiner Ansprache mit einem Lachen.

Die Skepsis schien groß auf der Seite der Wema. "EMAG - ein kleiner, fast unbekannter Maschinenhersteller - was soll der uns bieten können", schien man sich zu fragen. Immerhin waren schon zwei Privatisierungsversuche gescheitert. "Doch die Zweifel konnten bei der Übernahmefeier mit belegten Brötchen, Bier und Mineralwasser ausgeräumt werden", bemerkte Häcker scherzhaft.

Im Laufe weniger Jahre verlegte die EMAG ihre komplette Fertigung nach Zerbst. 400 Mitarbeiter - hinzu kommen 80 Leiharbeitern - beschäftigt die Wema. Sie arbeiten heute hier auf 36 000 Quadratmetern Produktionsfläche, produzieren Maschinen mit einem Gewicht von über 40 Tonnen, mit einem Jahresumsatz von 160 Millionen Euro.

Diese Zahlen, die den Erfolg widerspiegeln, ließen auch Dietmar Wollschläger, Leiter des Bereiches Montage, wohl kürzlich sagen: "Alles, was EMAG versprochen hat, war total falsch, denn alle Zusagen wurden bei Weitem übertroffen." Häcker, der den Montageleiter zitierte, wusste auch, warum Wollschläger sich zu solchen Sätzen hinreißen ließ. "Wir hatten 160 Arbeitsplätze zugesagt, mittlerweile sind es 500 bei der Wema. Wir hatten den Aufbau einer Ausbildungswerkstatt zugesagt, auch das ist uns gelungen, inzwischen haben 200 jungen Menschen ihre Ausbildung bei uns absolviert. Und: Wir hatten 40 Millionen DM an Investitionen zugesagt, mittlerweile haben wir mehr als 50 Millionen Euro nur in die Wema investiert", berichtete er stolz.

Die Erfolgsgeschichte passt mit dem speziellen Maschinenangebot - denn fast alle Gerätschaften sind Maßanfertigungen - in das Wirstchaftsraster von Sachsen-Anhalt. Nischenprodukte, Produkte die selten, speziell, in kleinen Zielgruppen nachgefragt, aufwendig und auch teuer sind, sind ein Steckenpferd unseres Bundeslandes. "Wir können alles - außer Standard", bekräftigte Dr. Achim Feinauer von der EMAG-Gruppe in seiner Ansprache. Allerdings arbeite man gerade daran, auch diese kleine Einschränkung aufzuheben. Geplant ist ein Werk im fernen China. Der immer mehr wachsende asiatische Markt verlange zunehmend nach standardisierten Maschinen. Hier wolle man ein neues Geschäftsfeld erschließen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein weitere Wettbewerbsstrategie ist, in Forschung zu investieren. Die Wema arbeitet eng zusammen mit der Magdeburger Universität. Möllring lobte dieses Unterfangen. "Es zeigt, dass Grundlagen- und angewandte Forschung sich in wirtschaftlichen Unternehmungen mit Erfolg integrieren lässt."

Günstige politische Bedingungen, engagierte Mitarbeiter mit hoher Kompetenz und Fachwissen, Fördermittel des Landes in Höhe von 3,15 Millionen Euro und politische Unterstützung vor allem aus der lokalen Politik begleiteten die Wema in ihrer positiven Entwicklung - so weit, dass gestern 20 Jahre in der EMAG-Gruppe gefeiert werden konnten.

Mit einem großen Familienfest für alle Beteiligten und Mitarbeiter und deren Angehörige sagten die Wema und die EMAG-Gruppe gestern Danke. Nach Essen und Führungen durch die Produktion wurden die Hallen ab 18 Uhr auch für den Rest des Tages geschlossen. Livemusik und Tanzgruppen übernahmen dann "die Schicht". "Es heißt ja, wer arbeiten kann, kann auch feiern", sagte Hartmut Möllring und plädierte für ein freies Wochenende für die Mitarbeiter - ausnahmsweise.