Zerbst l Im Alumnatskorridor des Zerbster Francisceums können bis zum 17. Dezember etwa 60 Kunstwerke von Mitgliedern der Künstlergruppe "ALBA BLAU" betrachtet werden. "Unser Gymnasium hat eine sehr lange Tradition der musischen und künstlerischen Erziehung. Es freut uns daher, dieser Ausstellung einen würdigen Raum geben zu dürfen und wir wünschen ihr viel Erfolg", so Schulleiter Hans Henning Messer auf der Vernissage am vergangenen Mittwochnachmittag.

Und eine musikalische Begleitung hat das Francisceum auch "beigesteuert". Stimmig zur Exposition spielte Marko Gaube einen Satz aus dem Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski. An weiteren Beiträgen wirkten Natalie Pahl, Leonie Hahn und Pauline Sitz mit.

Die Künstlerinnen-Gemeinschaft "ALBA BLAU" gründete sich im Jahr 2000, auf "der Suche nach geistigem Austausch, nach Verbindung, Bestärkung und für gemeinsame Aktionen", erklärte Ute Walter. Der Name der Gruppe ist geografisch und gefühlsmäßig determiniert. Ihre Mitglieder wohnen zwischen Pretzsch und Zerbst, also mehr oder weniger an der Elbe, daher "Alba". "Blau" sei damals die favorisierte Farbe gewesen. Letzteres habe sich etwas gegeben, erzählte Susanne Spies. "Doch die Elbe und den Namen gibt es noch", fügte sie an. Sie, Andrea Lange, Martha Irene Leps, Bärbel Mohaupt sowie Ute Walter - fünf der insgesamt acht Mitglieder - stellen in Zerbst Werke zum Thema "nachtlese 2.0" aus.

Als Gruppe ist "ALBA BLAU" erstmals in Zerbst präsent. Einzelne Mitglieder hatten hier jedoch schon Ausstellungen oder waren an Expositionen beteiligt.

Die Künstlerinnen gaben den Gästen der gut besuchten Vernissage zunächst kurze erklärende Einblicke in ihre Arbeiten, zu den Techniken und individuellen Beweggründen ihres künstlerischen Tuns. Der grafisch sehr ansprechend gestaltete Katalog zur Ausstellung ist zudem aussagekräftig informativ.

"nachtlese 2.0" fasziniert durch die künstlerische Vielfalt. Präsentiert werden Arbeiten ganz unterschiedlicher Techniken und Genres. Die Palette ist spannungsreich, "bedient" und bietet dem Betrachter reizvolle "Seh-Erlebnisse".

Ute Walter gestaltet seit etwa zehn Jahren ihre mit Nähmaschinen geschaffenen "Nähcollagen", für die sie verschiedene Papiere aus ihrem reichen Fundus zusammenfügt, verbindet und "komponiert".

Susanne Spies verwendet, wenn sie zunächst "auf der Fläche nichts vor hat und dann anfängt "zu wüten", die Mischtechnik oder Acryl. Auch Skulpturen wie das "Eulchen" stammen aus ihren Händen.

Martha Irene Leps "wechselt" öfter, bedient sich keiner feste Kunst- oder Genre-Richtung , verbindet Verschiedenes zu Collagen, nutzt gern "habitable" Materialien. Jedoch auch persönliche Erfahrungen stellt sie künstlerisch dar. So wie in der in dunklen Farben gehaltenen Reihe "Leben ist Tanzen". Mit den hier fünf von zehn gezeigten großformatigen Bildern möchte sie das "Auf und Ab", das "Aufeinanderzu und Voneinanderweg" im Leben ausdrücken.

Andrea Lange widmet sich unter anderem aussagekräftigen und meisterlich gefertigten Farbholzschnitten. In der letzten Zeit wandte sie sich auch wieder der Lithographie zu, arbeitet dabei auch auf Glasplatten. Eines ihrer emotionalsten Werke, sagte sie, sei "Abschied" nach dem gleichnamigen Gedicht von Wolfgang Borchert.

Zu den Ausstellern gehört auch Bärbel Mohaupt, die an der Vernissage nicht teilnehmen konnte. Sie ist unter anderem mit der 2014 entstandenen Aludruck-Grafik "Auf Augenhöhe" vertreten.