Ein Erntedankgottesdienst wird in jedem Jahr am 3. Oktober, am Tag der deutschen Einheit, auf dem Kartoffelhof von Heinrich Kruse gefeiert.

Zerbst/Tornau l Es ist kurz vor 13.30 Uhr und in der großen Scheune laufen die letzten Vorbereitungen. Der Chor unter der Leitung von Eberhardt Grützner singt sich ein, die Kerzen auf dem Altar werden angezündet. Erste Tassen für das anschließende Kaffeetrinken klappen. Ganz oben, unter dem Dach, direkt hinter der Erntekrone, sitzen die Spatzen und zwitschern. Festlich ist die Scheune mit den Gaben des Jahres geschmückt. Im großen Raum liegt der Geruch des eingebrachten Korns. Zum Gottesdienst haben vor allem Christen aus der katholischen Pfarrei Heilige Familie Zerbst/Roßlau/Coswig Platz genommen.

Gestaltet wird die Andacht vom örtlichen Pfarrer Hartmut Neuhaus, von Pater Heinrich Haskamp aus Dessau-Roßlau sowie von Diakon Ottmar Bier. Außerdem gelingt es Heinrich Kruse in jedem Jahr, einen Geistlichen aus seiner alten Heimat Bocholt einzuladen. In diesem Jahr kam Bischof Wilfried Theising aus Xanten in das hiesige Bistum Magdeburg. "Für mich ist es etwas Besonderes, hier in dieser Halle mit Ihnen an diesem Tag Erntedankgottesdienst zu feiern. Wir können nicht nur für die Ernte danken, sondern auch für die Wiedervereinigung und für Frieden in unserem Land", so Bischof Theising an die Besucher. Er erinnert daran, dass der Tag der Deutschen Einheit nicht nur ein wichtiges Datum für die Menschen hier sei, sondern, dass der Tag "uns auch an unsere Verpflichtung erinnert, darüber nachzudenken, dass es Menschen gibt, die zu uns kommen und ein Land suchen, in dem sie in Frieden leben können". Gerade auch Christen müssen dazu einen Beitrag leisten, denn sie sind eine große Familie in Christus und damit selbst grenzüberschreitend unterwegs.

Das ist das eine Thema, das Bischof Theising an 3. Oktober in seiner Predigt anspricht, ein anderes ist die Ernte, die jeder persönlich einfährt. In der großen Scheune sitzen die Gottesdienstbesucher inmitten der Ernte dieses Jahres, aber es geht um weit mehr. Es geht um das gesamte Leben. "Erntedank ist eine Frage der Existenz", bringt es Bischof Theising auf den Punkt und betont: "Gott hält ein Leben lang eine Verbindung zu uns, dafür können wir dankbar sein."

Während in der Halle der Gottesdienst läuft, wird es draußen immer voller. Etwa 2000 Menschen besuchen an diesem Tag den Kartoffelhof von Heinrich Kruse. Zum achten Mal hat er seine Türen geöffnet und zeigt seinen Betrieb. Seit 1995 ist der ehemalige Bocholter (Westfalen) in Tornau und hat in 18 Jahren ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. 2006 gab es das erste Erntedankfest zusammen mit den katholischen Gemeinden. "Es ist zu einer Tradition geworden", sagt Kruse erfreut über den regen Zuspruch der Besucher.

Heinrich Kruse und allen Mitwirkenden gelingt es, den zahlreichen Gästen Landwirtschaft näher zu bringen. So können sie sich landwirtschaftliche Maschinen ansehen, laufen vorbei an den Stiegen voller Kartoffeln, Treffen die Frauen des Erntekronenteams aus Nutha, streicheln Schafe oder die Tiere des Alpakahofes Zernitz, machen eine Kremserfahrt durch die umliegenden Felder oder sitzen auf den Traktor, den Bauer Kruse voller Freude über den Acker fährt.

Über 70 Helfer waren beteiligt, haben geschmückt, Kuchen gebacken, mitgestaltet und vieles mehr.

 

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