Die Finanzierung des Frauenhauses in Wolfen ist 2015/16 gesichert. Das Land gibt rund 89 000 Euro, Stadt und Kreis beteiligen sich ebenfalls.

Wolfen (mz) l Geld allein macht nicht glücklich - klar. Doch die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses macht es glücklich, denn damit ist garantiert, dass die Einrichtung eine Zukunft hat. Knapp 89 000 Euro hat Gleichstellungsministerin Angela Kolb (SPD) aus Magdeburg in Form eines Zuwendungsbescheides für das Frauenhaus Wolfen mitgebracht. Kolb, die seit Jahr und Tag darum kämpft, dass eine Regelung zur Finanzierung von Frauenhäusern zustande kommt, die in allen Bundesländern gilt, sagt: "Wir brauchen einen Rechtsanspruch darauf, dass Betroffene stets Zugang zu einem Frauenhaus haben. In Deutschland gibt es einen Flickenteppich von Finanzierungen. Denn bis jetzt ist es eine sogenannte freiwillige Aufgabe der Kommune, eine solche Möglichkeit zu bieten." Das heißt, der Verein muss immer wieder aufs Neue Geld für Personal- und Sachkosten einfordern. Stadt und Landkreis beteiligen sich mit insgesamt knapp 40 000 Euro.

Die Debatte um dieses Thema soll während der Konferenz der Gleichstellungsminister, die dieser Tage stattfindet, erneut auf die Tagesordnung gehoben werden - ihren ersten Antrag vergangenes Jahr übrigens musste Kolb zurückziehen, da keine Mehrheit zustande kam. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. "Wir wollen eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, um einheitliche Standards zu beschreiben."

Wie wichtig solche Einrichtungen für Frauen und Kinder in Not sind, macht Ines Chlebowski, Koordinatorin der Einrichtung in Wolfen, deutlich. Die acht Zimmer des Hauses, die acht Frauen und acht Kindern Platz bieten, sind allein von Januar bis jetzt von 45 Frauen und 34 Kindern bewohnt worden. Im Durchschnitt bleiben die Frauen und ihre Kinder rund 50 Tage hier. Bis zum 20. Jahr ihres Bestehens 2011 beispielsweise ist die Einrichtung, dessen Träger der Verein Frauen helfen Frauen ist, rund 1 000 Frauen und ebenso vielen Kindern ein sicherer Zufluchtsort gewesen. In diesem Jahr ist das Gebäude baulich quasi auf den Kopf gestellt worden. 86 000 Euro sind dafür von Sponsoren wie Lotto Toto, Fernsehlotterie und Kreissparkasse geflossen, 12 000 Euro hat der Verein aus eigenen Mitteln beigesteuert. Ein neues Dach, ein neuer Zaun und ein nach und nach neu gestalteter Garten machen von außen deutlich, dass hier etwas passiert ist. Doch damit nicht genug - auch innen haben die Handwerker gearbeitet und Räume völlig verändert. So ist eine neue, große Wohnküche entstanden. Dafür haben die Mitarbeiterinnen ihren Aufenthaltsraum hergegeben. Dort, wo die Küche einst war, ist nun ein neuer Raum entstanden, in dem die Frauen in kleiner gemütlicher Runde zusammensitzen können. Zudem sind die Fußböden in den Zimmern grundlegend erneuert und isoliert worden. Da lobt Ines Chlebowski die Bewohnerinnen so richtig: Sie seien sehr kooperativ gewesen, denn für sie hieß das ja letztlich, mit den fortschreitenden Bauarbeiten immer wieder im Haus umzuziehen. "Die Wohnbedingungen sind einfach besser geworden", meint sie. "Das alles endlich hinzukriegen, das war schon lange unser Wunsch. Wir sind echt glücklich." Am liebsten, meint sie lächelnd, hätten sie ein ganz neues Haus gehabt. "Aber wir wissen natürlich, dass das nicht geht." Nun gibt es noch Verschönerungen im Garten. Mit B A Strukturförderungsgesellschaft hat der Verein dazu eine Kooperationsvereinbarung getroffen.