Sein Pokerface hat Michael Tietz nicht aufgesetzt, als er über seinen Verein erzählt. Er ist der Präsident der Pokermanufaktur Anhalt - ein Pokerverein.

Kleinleitzkau l Doch um Glücksspiel, was die meisten beim Pokern unweigerlich vermuten, geht es hier ganz und gar nicht. Davon distanziert man sich eindeutig. So steht es auch in der Satzung geschrieben: Vereinszweck ist die Förderung und Pflege des Pokerspiels ohne Geldeinsatz. "Bei uns wird nie um Geld gespielt", erklärt Michael Tietz. Worum dann? "Wir spielen um Ruhm, Ehre und Pokale", so der Vereinsvorsitzende. Eigentlich ist Pokern ein Geschicklichkeitsspiel, macht er deutlich. Man lege Wert auf Strategie.

Der Verein wurde 2012 gegründet. Sieben Gründungsmitglieder gab es damals, heute sind noch fünf von ihnen dabei. Die Pokermanufaktur ist der Nachfolgeverein des 1. Coswiger Poker Clubs. Michas Café ist das Vereinsdomizil in Coswig, wo auch der Großteil der Spiele stattfindet. Mit Sitz gemeldet ist die Pokermanufaktur durch ihren Vorsitzenden jedoch in Kleinleitzkau. Sieben aktive Mitglieder zählt der Verein derzeit. Bei der Vereinsmeisterschaft spielen etwa 20 Spieler um die Gesamtwertung mit. Bei den Spielen sind es regelmäßig um die zehn Leute, die dabei sind, kann der 40-jährige Kleinleitzkauer berichten. Interessenten sind bei den Veranstaltungen gern gesehen, und auch im Verein kann jeder ab 18 Jahre mitmachen. Der Verein organisiert quasi die Spiele, die stattfinden. So wird von vornherein abgesichert, dass absolut gleiche Bedingungen für alle herrschen. Das Suchtpotential bleibt damit außen vor, so Tietz. In der Pokermanufaktur kann das Pokerspiel auch erlernt werden. Um die Regeln zu begreifen, reiche ein Tag, meint Michael Tietz, das Spiel zu verinnerlichen, brauche man ein ganzes Leben. Wer im Pokern weiter kommen will, der kann sich belesen. Dann komme es darauf an, das Gelesene in Übungseinheiten umzusetzen. Auch das Fachsimpeln unter-einander bringt weiter.

Vor fünf, sechs Jahren habe es einen regelrechten Pokerboom durch bestimmte Fernsehübertragungen mit Prominenten gegeben, erinnert sich der Präsident. Er selber habe 2010 mit dem Spiel angefangen. Über einen Kumpel kam er nach Coswig, schaute zu, probierte selbst, bis zu dem Verlangen, in einer organisierten Gruppe mitzuspielen. Der größte Erfolg des 1. Coswiger Poker Club war übrigens der Gewinn der Deutschen Pokermeisterschaft der Vereine und Veranstalter 2011 in Olpe (Nordrhein-Westfahlen) durch Andreas Schönrock, der jetzt zur Pokermanufaktur gehört. Es freut Tietz, mit Schönrock den besten Amateurspieler Deutschlands in den Reihen zu haben. Aber auch Michael Tietz größter Erfolg kann sich sehen lassen. Das war der 4. Platz bei der Offenen Berliner Meisterschaft 2013 von 65 Teilnehmern in der Einzelwertung.

Im Verein organisiert zu sein, ist wichtig, um bei großen Meisterschaften mitspielen zu können. Diese finden mehr oder weniger sporadisch statt. Ganz regelmäßig, fast jede Woche, finden vereinsinterne oder öffentliche Turniere statt. Auch die Organisation und Veranstaltung von Pokerturnieren ist in der Satzung verankert, um beim Pokerspiel den Rahmen für gemeinschaftliche sportliche Betätigung zu schaffen und das friedliche Miteinander zu vertiefen und zu fördern. Man arbeite daran, den Ruf des Pokerspiels zu verbessern, es mit dem Denksport Schach vergleichbar zu sehen.

Wer richtig Pokern will, muss nämlich denken können. Mathematik sei ganz wichtig, versichert Michael Tietz. Viele erfolgreiche Pokerspieler seien Mathematiker, Ingenieure oder in der Wissenschaft zu Hause. Ob Mann oder Frau spielt keine Rolle. In der Pokermanufaktur mischen auch zwei Frauen mit. Natürlich trägt der Verein auch seine vereinsinterne Meisterschaft aus. Einen Überblick, wie es da im Moment steht, gibt es im Internet auf der Homepage des Vereins (www.pokermanufaktur.de). Da ist noch einiges mehr zu erfahren über die Aktivitäten.

Ein Bild vom Pokerspielen konnten sich unlängst Interessenten beim Showturnier im Rahmen der Feierlichkeiten zu 800 Jahre Kleinleitzkau machen oder sogar selber mitspielen. Ein Coaching wurde an den Anfang gestellt, bevor es los ging. Zehn Teilnehmer fanden sich, außerhalb der Wertung machten noch drei Vereinsmitglieder mit. Die ersten drei Plätze gingen an Jens Waschke, Hubert Scheuer und Hannes Mielchen. Präsident Tietz war zufrieden mit Interesse und Resonanz. Die Sache sei gut angekommen. Mit seinem Vorschlag war er bei Ortsbürgermeister Mario Rudolf mit offenen Armen empfangen worden. Ganz anders hatte Michael Tietz das in Coswig zur 825-Jahrfeier erlebt. Da fehlten die offenen Arme und ein Showturnier fand nicht statt. Vielleicht könnte es zum Backofenfest in Garitz im nächsten Jahr auch eine Veranstaltung geben, kann sich der Kleinleitzkauer vorstellen.

Die nächste Pokerrunde ist übrigens am heutigen Sonnabend in Coswig angesetzt - eine Offene Meisterschaft, öffentlich, die um 13.30 Uhr in Michas Café beginnt. Ein paar Startplätze sind noch frei. Wer Interesse hat, kann einfach vorbeischauen. Alle Spieltermine finden sich ebenfalls auf der Website des Vereins. "Bei uns wird immer in Turnierstruktur gespielt", so Michael Tietz. Da vergehen dann viele Stunden, unter Umständen dauert eine Veranstaltung von 20 Uhr bis Mitternacht oder länger und große Turnier von 14 Uhr nachmittags bis zum nächsten Morgen. Und in all der Zeit hegt jeder Spieler die Hoffnung auf einen Royal Flush - eine Straße in einer Farbe mit dem Ass als höchster Karte. Das habe er erst ein einziges Mal erlebt, so Michael Tietz - ein kleiner Glücksfaktor ist auch beim Pokerspiel dabei...