Bienen bestimmen den Rhythmus der Natur. Damit das auch so bleibt, halten zahlreiche Hobby-Imker die Bienenvölker. Auch in Zerbst gibt es diese speziellen Naturfreunde. Einer von ihnen ist Manfred Werner.

Zerbst l Am Tor zum Garten von Manfred Werner steht: Vorsicht Bienen! Normalerweise warnen solche Schilder eher vor bissigen Hunden und nicht vor den kleinen Insekten. Der erwartete Schwarm von aggressiven schwarz-gelben Tieren bleibt beim Betreten der Anlage aus, nur ein grün angestrichener Kasten weist darauf hin, dass das kein ganz normaler Garten ist. "Ich finde es einfach schön, die Bienen im Garten herumfliegen zu sehen und dann genau zu wissen, was gerade im Bienenstock vor sich geht", sagt Manfred Werner. Er findet, dass Bienen eine große Leistung für die Umwelt bringen. Die Obsterträge wären ohne sie geringer und auch die Wildpflanzen könnten nicht ohne sie leben.

"Außerdem finde ich die Ruhe, wie die Tiere leben und harmonieren toll. Da könnten sich die Menschen mal eine Scheibe von abschneiden", so Werner. Er ist eben Imker mit Leib und Seele.

Kein Wunder also, dass Manfred Werner gleichzeitig auch Vorsitzender des Imkervereins Zerbst und Umgebung ist. Dieser hat 43 Mitglieder. Eine stolze Anzahl, guckt man sich die Entwicklung des Vereins an.

"Zu DDR-Zeiten waren wir mehr als 100 Mitglieder und nach der Wende waren plötzlich nur noch 20 übrig", sagt Manfred Werner. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl dann wieder gestiegen, sogar einige Jung-Imker sind nun im Verein. Nächstes Jahr freut sich der Verein über ein besonderes Jubiläum. 130 Jahre alt wird er und hat damit 35 Jahre mehr auf dem Buckel als das älteste Mitglied. Die Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten zum Jubiläum laufen bereits. Es soll gemeinsam mit dem 20. Imkertag am 29. August 2015 gefeiert werden.

Dass der Verein aussterben könnte, davor hat Manfred Werner keine Angst. Ganz im Gegenteil, er beobachtet: "Vor allem junge Familien mit Kindern und einem Grundstück würden gern ein bis zwei Völker halten."

Die einfachste Variante sei dann, sich einfach an den Imkerverein zu wenden. Dort können sich die Interessenten Honigschleudern und Bienenwohnungen ausleihen. Außerdem wird ihnen ein Imkerpate an die Seite gestellt. Das Hobby sei günstiger, als viele denken. "Für das Zubehör kann man es schaffen, mit 100 Euro dabei zu sein. Dann kommt noch das Bienenvolk dazu, das zwischen 80 und 150 Euro kosten kann." Einzige Einschränkung, wenn man sich im Verein engagiert: Die Zerbster Imker finden es wünschenswert, wenn Bienen der Rasse Carnica gehalten werden. "Das ist eine gute Rasse. Sanftmütig und leistungsstark."

In Zerbst gibt es aber auch Imker, die nicht im Verein organisiert sind. "Diese Bienen müssen aber registriert werden", sagt Manfred Werner. Dadurch würde jeder wissen, wo welche Bienen stehen, damit sich die Züchter nicht in die Quere kommen. Außerdem könnten so auch Vermischungen der Rassen vermieden werden. Das gesamte Wissen rund um die Biene können Interessenten in der Volkshochschule lernen. Dort wird regelmäßig ein Kurs zum Thema Bienenkunde angeboten.

So kann auch dem größten Feind des Imkers entgegengewirkt werden. Die amerikanische Faulwut ist eine der gefährlichsten Krankheiten, an denen Bienen erkranken können. Schädlinge wie Milben oder Motten sind zwar lästig, aber behandelbar.

Wie viel Zeit Manfred Werner in sein Hobby steckt, kann er nicht beziffern. Er ist Herr über insgesamt zehn Bienenvölker. "Als Imker zählt man nicht die Stunden." In der Hochsaison von März bis Juli sei viel zu tun, jetzt zum Herbst hin sei es immer weniger.

Gut also, dass seine Frau ihn tatkräftig unterstützt. "Sie schleudert auch mal Honig, beklebt die Gläser und natürlich isst sie ihn auch", sagt Manfred Werner lachend.

Vor allem würde ihn die Imkerei jung halten. "Ich sehe das so: Jeder braucht ein Hobby", sagt der Imker mit dem Bienenstich.

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